Energiepreisbremsen – das müssen Sie wissen

Seit März gelten die Energiepreisbremsen, trotzdem wissen viele Deutsche nicht, ob Sie davon betroffen sind und ob sich ein Anbieterwechsel lohnt.

(Bildquelle: Pixabay / 0fjd125gk87)

Der Ukraine-Krieg und die hohe Inflation hat besonders die Energiepreise in die Höhe getrieben. Seit März – rückwirkend auf Januar – greifen jetzt die staatlichen Energiepreisbremsen. Haushalte, deren Strom- und Gastarife über dem Preisdeckel liegen, werden durch sie entlastet. Doch fast jeder Zweite kann nicht sagen, ob die Entlastung durch die Steuerzahler für sie notwendig ist oder nicht. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von Verivox.

Viele Strom- und Gaskunden tappen im Dunkeln

Im Rahmen der Strompreisbremse wird der Arbeitspreis für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs auf 40 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. 24 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Stromtarif durch die Preisbremse gesenkt wird. Für 33 Prozent ist das nicht der Fall. Die Mehrheit von 43 Prozent konnte nicht sagen, ob ihr aktueller Stromtarif von der Preisbremse subventioniert wird.

Bei der Gaspreisbremse deckelt der Staat den Arbeitspreis für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs auf 12 Cent pro Kilowattstunde. 25 Prozent der Befragten mit Gasheizung gaben an, dass ihr Gastarif durch die Preisbremse sinkt. Bei 29 Prozent greift die Gaspreisbremse nicht. 46 Prozent der Befragten konnten dazu keine Auskunft geben.

Fast die Hälfte der Deutschen kennt die Höhe ihres aktuellen Strom- oder Gastarifs nicht. Das ist in zweierlei Hinsicht problematisch, denn möglicherweise bezahlen sie mehr als nötig und belasten damit gleichzeitig auch die Steuerzahler, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Die Grundversorgungstarife sind oft besonders teuer

In den Grundversorgungstarifen wird momentan im wahrsten Sinne des Wortes Geld verbrannt. (Bildquelle: pixabay / Mediamodifier)

Besonders hoch sind die Preise derzeit noch in den Grundversorgungstarifen der örtlichen Versorger. Ein Drei-Personen-Haushalt im Grundversorgungstarif bezahlt im März 2023 bei einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh im bundesweiten Durchschnitt rund 48 Cent pro Kilowattstunde.

Der günstigste verfügbare Stromtarif mit empfehlenswerten Bedingungen liegt im Bundesschnitt aktuell bei rund 35 Cent. Bedeutet: deutlich unter dem staatlichen Preisdeckel.

Ähnlich ist die Situation bei den Gastarifen. Wer in einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh lebt, bezahlt im örtlichen Grundversorgungstarif derzeit im bundesweiten Durchschnitt rund 18 Cent pro Kilowattstunde.

Der günstigste verfügbare Gastarif mit empfehlenswerten Bedingungen kostet aktuell rund 11 Cent pro Kilowattstunde. Die Bezieher kommen damit ebenfalls ohne staatliche Unterstützung aus.

Wärmepumpe und Heizstrom werden nun auch berücksichtigt

Bisher waren die Nutzer von Heizstrom und Nutzer einer Wärmepumpe nicht mit eingeschlossen. Dies ändert sich mit der Entscheidung des Bundeskabinetts vom 06. April. Es wurde eine Anpassungsnovelle zum Strompreisbremsengesetz verabschiedet. Damit wurden unter anderem Ungerechtigkeiten für Wärmepumpenhaushalte behoben. Die vorgesehene Anpassung des Referenzpreises für Heizstrom auf 28 Cent pro Kilowattstunde entlastet Wärmepumpennutzer spürbar.
Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V. begrüßt die Anpassungen, mahnt aber weiterhin dazu, über die temporäre Strompreisbremse hinaus, den Strompreis auch langfristig zu entlasten. Nur so sei die notwendige Lenkungswirkung weg von Gas hin zu Wärmepumpen im Sinne von Klimaschutz und Energieunabhängigkeit zu erreichen.
Durch die Änderungen profitieren nun auch Nutzer einer Wärmepumpe von der Energiepreisbremse. (Bildquelle: pixabay / harmvdb)
Mit ihrem Entwurf korrigiert die Bundesregierung an wesentlichen Stellen Konstruktionsfehler des Strompreisbremsengesetzes, das im Dezember unter großem Zeitdruck beschlossen wurde, so BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel.

So sei für die Berechnung des Entlastungskontingents häufig eine zu niedrige Jahresverbrauchsprognose angenommen worden. Dadurch fielen zahlreiche Haushalte mit neu installierten Wärmepumpen aus dem Raster und wurden nicht ausreichend von der Strompreisbremse berücksichtigt. Besonders bekamen dies Haushalte im Zuge des gewollten Wechsels von einer Gasheizung zur Wärmepumpe zu spüren. Diese wurden als Folge ihrer Entscheidung von keiner der Energiepreisbremsen entlastet.

Eine weitere Änderung erfährt der Referenzpreis für Heizstrom. Bisher lag dieser analog zum Haushaltsstrom bei 40 Cent pro Kilowattstunde. Mit der Anpassungsnovelle korrigiert das Kabinett nun soziale Ungerechtigkeiten, da Haushalte mit Heizstrom durch die Preisbremse mitunter gar nicht oder nur sehr geringfügig entlastet wurden.

Nach dem Gesetzentwurf soll nunmehr für Netzentnahmestellen, die weniger als 30.000 Kilowattstunden im Jahr verbrauchen. Der Referenzpreis sowohl für Heizstrom als auch für Niedertarife (Nachtstromtarife) von 40 auf 28 Cent je Kilowattstunde gesenkt werden.

Unser mE-Tipp:

Tarife vergleichen lohnt sich. (Bildquelle: pixabay / stevepb)

Im Moment lohnt sich der Preisvergleich, denn in ganz Deutschland gibt es derzeit Angebote für Neukunden, die deutlich unter den Preisgrenzen für Strom und Gas liegen.

Eine schnelle Überprüfung auf den unterschiedlichen Portalen wie Verivox oder Check24 zeigt, ob ein Haushalt die Chance hat, in einen günstigeren Tarif zu wechseln.

Thorsten Stock von Verivox rät ebenfalls, „der Tarifwechsel kann bei Strom bis zu 500 Euro und bei Gas bis zu 600 Euro pro Jahr einsparen. Darum sollten sich alle Kunden über die Höhe Ihrer aktuellen Strom– und Gastarife informieren und prüfen, ob ein Wechsel möglich ist.”

Falls Sie überprüfen wollen, wie sich die Gas- und Strompreisbremse bei Ihnen auswirkt, finden Sie hier zwei Rechner, die von der Bundesregierung bereitgestellt wurden: Rechner zur Strompreisbremse / Rechner zur Gaspreisbremse