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Tagesgeld hat viele Fans in Deutschland. Als langfristig interessante Geldanlagemöglichkeit ist es indes ungeeignet. Dennoch hat es seine Daseinsberechtigung als modernes Sparschwein. Vorausgesetzt man beachtet einige Regeln. Dann macht auch die Tagesgeld-Anlage Spaß.

In einer im Februar 2017 durchgeführten Untersuchung hat die ING-DiBa festgestellt, dass die Deutschen „unzufriedene Sparer“ sind. Im europäischen Vergleich seien laut den Studienergebnissen nur die Österreicher noch weniger glücklich darüber, wie sich ihre Geldanlagen entwickeln. Die Gründe hierfür sind naheliegend:

Beliebte Anlagen wie das Girokonto, Sparbuch, Lebensversicherungen, Festgeld oder eben Tagesgeld werfen aufgrund der niedrigen Zinsen kaum noch Rendite ab – der Europäischen Zentralbank sei Dank. Inzwischen müssen Bankkunden mit größerem Barvermögen sogar dafür zahlen, dass sie ihr Geld auf dem (Tagesgeld-)Konto liegen lassen. Doch noch haben sich die Strafzinsen nicht flächendeckend durchgesetzt. Es gibt noch immer Anbieter von Tagesgeldkonten, die positive Renditen im Angebot haben.

Das ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass sich zu Beginn des neuen Jahres aufgrund einer Erholung des Rohölpreises auch noch die Inflation in der Eurozone zurückgemeldet hat. Damit fällt die unter dem Strich erzielte Rendite schnell sogar in den negativen Bereich. Experten sprechen von einer negativen Realrendite. Erst Recht, wenn man bedenkt, dass Zinserträge noch versteuert werden müssen. Eines müsste jedem Sparer damit klar werden: Tagesgeld taugt nicht als geeignetes Mittel für die Altersvorsorge.

Trotzdem hat Tagesgeld weiterhin seine Daseinsberechtigung. Wer sein Geld kurzfristig parken möchte, um die Zeit bis zur nächsten großen Anschaffung zu überbrücken, wird sich einerseits über das schnell verfügbare Geld freuen und andererseits darüber, dass das Geld nicht gänzlich unverzinst unter dem berühmten Kopfkissen liegt. Die tägliche Verfügbarkeit sorgt für die nötige Flexibilität. Zudem sind Tagesgeldkonten in der Regel kostenlos. Allerdings sollte man als Sparer nicht zu viel Geld auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen. Eine Faustregel besagt, dass es reicht zwei bis drei Monatsnettogehälter als flexible Rücklage vorzuhalten. Viel mehr sollte es jedoch wirklich nicht sein, da auf diese Weise insbesondere im aktuellen Niedrigzinsumfeld zu viel Rendite liegengelassen wird.

Das Anlageziel
Wer Sparerfolge mit Tagesgeld erzielen will, darf nicht zu viel und nicht zu wenig Geld in dieser kurzfristigen Sparform parken, denn: Ziel einer Tagesgeldanlage ist immer ein Spagat – zwischen kurzfristiger Verfügbarkeit von Erspartem einerseits und Vermeidung von Zinskosten für Kredite andererseits. So kann es sein, dass die neue Waschmaschine per Nullfinanzierung unter dem Strich kostengünstiger ist, als wenn das Tagesgeld angegriffen wird. Aber: Jeder Einzelfall muss kalkuliert werden.

Die Anlagesumme
Die ideale Summe liegt als Faustregel bei zwei bis drei Monatsnettogehältern. Wer aber etwa auf den Urlaub im Sommer spart, kommt vielleicht schon im Frühjahr über diese Grenze. Dennoch sollte das Urlaubsgeld weiter auf dem Tagesgeldkonto verbleiben. Schließlich ist es ja schon verplant und der Rest des Ersparten sollte für unerwartete Ereignisse kurzfristig verfügbar bleiben.

Der Zinssatz
Je nachdem wie hoch die Anlagesumme ist, gibt es sogar bei ein und derselben Bank unterschiedliche Zinssätze. Oft verläuft bei 10.000 oder 25.000 Euro eine Schwelle, bei der es deutlich weniger Zinsen gibt. Wer also regelmäßig mehr Geld auf der hohen Kante hat, sollte auf zwei Konten zurückgreifen. Entweder bei zwei verschiedenen Banken oder bei (Ehe-)Partnern durch getrennte Tagesgeldkonten.

Die Kosten
Ein Tagesgeldkonto ist in der Regel kostenfrei. Das gilt sowohl für Konten bei der Hausbank (als Anhängsel zum Girokonto) als auch für Konten bei anderen Instituten. Banken, die Gebühren verlangen, sollten gemieden werden, da die Zinserträge des Tagesgeldkontos selten höher sind als die Kosten.

Neukundenaktionen
Immer wieder locken Tagesgeldanbieter neue Kunden mit höher verzinsten Angeboten an. Wer die Mühen nicht scheut, kann durch das regelmäßige Wechseln des Kontos ein paar Zehntel Prozentpunkte Verzinsung zusätzlich verdienen. Aber Vorsicht: Neukundenaktionen sind oft bei der Anlagesumme begrenzt und/oder auf eine kurze Laufzeit beschränkt. Manche Banken legen aber auch keine Begrenzungen fest, behalten sich jedoch eine kurzfristige Änderung der Zinssätze vor.

Hausbank vs. Direktbank
Viele Hausbanken bieten neben dem Girokonto auch gleich ein Tagesgeldkonto dazu. Der Vorteil: Taggleicher Transfer zwischen den verschiedenen Konten. Der Nachteil: Häufig die Verzinsung. Dennoch sollte man auf das Tagesgeldkonto „im Haus“ nicht verzichten, wenn es kostenfrei ist. Um schnell handeln zu können ist es ideal. Höhere Zinssätze bieten aber meist Direktbanken mit Internetpräsenz an. Ein Vergleich der Konditionen bringt Klarheit. Dabei sollten ruhig unterschiedliche Vergleichsportale getestet werden. Nicht immer kommen alle zum selben Testsieger.

Deutsche Banken vs. Ausländische Banken
Tagesgeld-Anleger tun sich bei ausländischen Banken häufig schwer. Die Finanzkrise 2008 hat vielen Sparern das Thema Sicherheit von Anlagen vor Augen geführt. Damals war quasi über Nacht das Tagesgeld bei isländischen Instituten nicht mehr verfügbar. Doch eine vergleichbare Situation ist so rasch nicht mehr zu erwarten, Stichwort Einlagensicherung. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt nur einen Teil seines Tagesgeldes bei einem ausländischen Institut an oder verzichtet sogar ganz auf die oftmals höheren Zinsen. Klarheit, woher die Bank tatsächlich kommt, bringt ein Blick in das Impressum der Bank-Website.

Deutsche Einlagensicherung
In Deutschland gewährleistet grundsätzlich die gesetzliche Einlagensicherung unabhängig von der Bankform die Rückzahlungsansprüche der Bankkunden, falls die Bank einmal nicht in der Lage sein sollte, die Einlagen des Kunden zurückzuzahlen. Das dazu gehörige Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz besteht seit 1998. Die Mindestdeckung für Einlagen wurde schrittweise auf 100.000 Euro erhöht. Zudem wurde 2011 die Auszahlungsfrist auf höchstens 30 Arbeitstage verkürzt.

Neben den gesetzlichen Entschädigungseinrichtungen existiert das System der freiwilligen Sicherungseinrichtungen. Damit sind auch Beträge oberhalb von 100.000 Euro nicht vollständig einem Verlustrisiko ausgesetzt. Je nach Bankform ist hierbei entweder der Bundesverband Deutscher Banken für die Privatbanken (Deutsche Bank, Commerzbank) oder der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands für öffentlich-rechtliche Institute (DKB, Landesbanken) zuständig. Im Fall von Sparkassen, Bausparkassen oder Genossenschaftsbanken greift die sogenannte Institutssicherung. Dabei wird im Fall der Fälle eine Bank durch die Gemeinschaft der anderen gestützt. Zumindest auf dem Papier besteht somit eine unbegrenzte Einlagensicherung.

Einlagensicherung im Ausland
Innerhalb der EU existiert eine einheitliche gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Je nach Land und Bank ist die Einlagensicherung aber auch für höhere Beträge zuständig. Banken aus Nicht-EU-Staaten haben zum Teil deutlich niedrigere Grenzen (Island, Russland). Die Schweiz oder Norwegen bieten vergleichbare Sicherungen wie in der EU an.

Die Steuer nicht vergessen
Wie so oft im Leben, will auch vom Tagesgeld des Fiskus seinen Teil. Um hier aber frühzeitig entgegen zu wirken, hilft es den Sparerfreibetrag entsprechend auf die verschiedenen Konten aufzuteilen. Zinserträge bleiben damit bis zur Gesamtsumme ohne Abzug. Es ist daher wichtig den jeweils dem Konto zugeordneten Sparerfreibetrag so gering wie nötig zu bemessen.

Dieser Beitrag ist ein Stück aus marktEINBLICKE – dem Quartals-Magazin der Börsenblogger-Redaktion für Geldanlage und Lebensart. Erhältlich am Kiosk, als Online-Ausgabe oder im Abo. www.markteinblicke.de

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