Bau Dir Deine eigene Aktienrente!

Immer mehr Bürgerinnen und Bürgern wird klar, dass die gesetzliche Altersvorsorge und damit die gesetzliche Rente keine auskömmliche Lösung (mehr) darstellt.

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In den letzten zwei Jahren hat sich ordentlich was bewegt. Dieser Satz mag auf den ersten Blick zunächst erstaunen. Hat man doch eher den Eindruck, wir laufen von einer Krise in die nächste und es ändert sich leider viel zu wenig.

Ein Thema jedoch hat ordentlich Fahrt aufgenommen und das ist allein positiv zu bewerten. Heute wird deutlich intensiver, öfter und vielmals auch versierter über das Thema Vorsorge, insbesondere Altersvorsorge, und Kapitalmarkt berichtet, geschrieben sowie diskutiert.

Der Grund dafür ist so traurig wie bedenklich zugleich: Immer mehr Bürgerinnen und Bürgern wird klar, dass die gesetzliche Altersvorsorge und damit die gesetzliche Rente keine auskömmliche Lösung (mehr) darstellt. Die hohe Inflation kombiniert mit den niedrigen Zinsen hat in den letzten Jahren einen weiteren Beitrag dazu geleistet, dass man sich bewusster mit den Themen Anlegen, Kapitalmarkt und eben auch der zu erwartenden Rente auseinandersetzt.

Und … es wird eben nicht nur diskutiert. Man erkennt deutlich, dass mehr und insbesondere junge Menschen den Kapitalmarkt für sich nutzbar machen, da wir heute mehr Anlegerinnen und Anleger zählen und diese insbesondere auf Sparpläne setzen. Eine schönere Nachricht kann ich mir als Anlegervertreter eigentlich nicht vorstellen.

(Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG)

Das Vorurteil, dass die preisgünstigen Neobroker allein zum Zocken verleiten und damit ein hohes Maß an Risiko für die Kunden produzieren, hat sich wahrlich nicht bestätigt. Vielmehr nutzen die vielen jungen Anlegerinnen und Anleger die neuen Optionen, um nachhaltig sowie solide anzulegen und damit vorzusorgen.

Eine noch stärkere Wirkung in der Breite hätte die sogenannte Aktienrente herbeiführen können. Dann hätten nicht nur die Bürgerinnen und Bürger vom Kapitalmarkt profitieren können, die smart und mit Eigeninitiative selbstständig agieren. Vielmehr hätten darüber alle Beitragszahler die Vorteile des Kapitalmarktes langfristig genießen können.

Leider wurde die Aktienrente jedoch von der SPD und den Grünen blockiert. Die gegen die Aktienrente vorgebrachten Argumente rangieren irgendwo zwischen ideologisch verblendet und schlicht falsch. „Zockt nicht mit unserer Rente“ hieß es zum Beispiel sinngemäß von den Grünen. Mit Zocken hat die Aktienrente aber nun wahrlich nichts gemein. Auch in Berlin zeigt sich damit die erschreckend geringe Bildung in Finanzfragen und das ungeschminkt.

Der nun gefundene Kompromiss namens „Generationenkapital“ ist eigentlich keiner. Denn das Generationenkapital ist schlichtweg etwas ganz anderes als die Aktienrente. Nunmehr wird ein separater, schuldenfinanzierte Fonds aufgelegt, dessen Erträge in den großen Rententopf einfließen. Bedenkt man, dass jährlich über 100 Milliarden Euro Steuergelder in die Rentenkasse gezahlt werden, allein um diese zu stützen, so soll dieser Zuschuss zukünftig durch die Erträge aus dem Generationenkapital reduziert werden. Ein direkter Mehrwert für die Bürger wir dadurch nicht produziert.

Was bedeutet dies nun für jeden einzelnen von uns? Wir müssen selber ran und sollten uns unsere eigene Aktienrente bauen. Wie oben beschrieben, passiert dies bereits, aber leider nicht im ausreichenden Maße. Weiterhin zählen wir hierzulande – und das erst recht im internationalen Vergleich – deutlich zu wenige Anleger. Die Zahl derer, die aktiv sind und vorsorgen, ist zwar in letzten Jahren deutlich gestiegen, aber eben nicht genug.

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Interessant sind oftmals die Gründe, warum man dem Kapitalmarkt fernbleibt. Vielfach wird gesagt, man wisse aufgrund der vielfältigen Herausforderungen derzeit nicht, was das Richtige sei und wo bzw. wie man anfangen solle. In der Konsequenz passiert dann erst einmal gar nichts. Das ist sicherlich zunächst nachvollziehbar, aber ebenso falsch.

Zeit beziehungsweise viel Zeit zu haben ist an der Börse der wesentliche Faktor. Wer in den neunziger Jahren so klug war und breit angelegt hat, der oder dem war der Niedergang des Neuen Marktes mehr oder weniger egal, die oder der hat die Finanz- und die Schuldenkrise gut überstanden und ist auch jetzt, in den aktuellen Zeiten gut unterwegs.

Wichtig zu wissen ist, dass das Timing eben eine gar nicht so große Rolle spielt, um an der Börse erfolgreich zu sein. Viel wichtiger als das „Timing“ ist „Time“ und in Ergänzung eine solide Auswahl von geeigneten Anlagen. Wem die Auswahl derzeit oder grundsätzlich zu stressig ist oder wer schlichtweg nicht weiß, was er tun soll, der sollte auf Anlagen setzen, die eine Diversifikation automatisch eingebaut haben. Dies könnte zum Beispiel ein ETF auf den MSCI World sein.

Die schlechteste Variante ist jedoch, passiv zu sein, passiv zu bleiben und den Kapitalmarkt und damit sein Erspartes nicht für sich arbeiten zu lassen. Machen wir also alles besser als die Bundesregierung und bauen wir uns unsere eigene Aktienrente. Dein zukünftiges „Ich“ wird Dir dafür sehr dankbar sein.

Ein Beitrag von Marc Tüngler

Er ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) und ist ein profunder Kenner des deutschen Aktienmarktes. Als Redner und Aktionärsvertreter auf vielen Hauptversammlungen weiß er um die Befindlichkeiten von Vorständen und Aktionären.
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