Cool bleiben ist Trumpf!

Die Lage an den Börsen ist weiter angespannt. An den Börsen leiden Aktien weiter unter Abgabedruck, Gold wiederum legt kräftig zu. Dennoch gibt es begründete Hoffnung auf einen guten Jahresabschluss.

(Bildquelle: marktEINBLICKE)

An den Börsen haben die Marktteilnehmer diese Woche ein bisschen die Segel gestrichen. Mit dem Nahost-Konflikt gibt es einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor – sowohl für die Finanzmärkte als auch für die konjunkturelle Entwicklung. Das sorgt für Ängste.

„Während die Risikoaversion erhöht und die Stimmung insbesondere an den Aktienmärkten angeschlagen ist, haben sich die geopolitischen Risiken in den gängigen Stimmungsumfragen noch nicht bemerkbar gemacht“, schreibt derweil die Helaba und verweist auf die aktuelle ZEW-Umfrage. Diese überraschte in der vergangenen Woche positiv. Man darf gespannt sein, was in der nächsten Woche die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes in Deutschland, Frankreich und der Eurozone sowie das ifo Geschäftsklima Deutschland aussagen.

Für Unruhe sorgte aber auch wieder einmal US-Notenbankchef Jerome Powell. Dieser räumte jüngste Anzeichen für eine Abkühlung der Inflation ein, erklärte jedoch am Donnerstag, dass die Zentralbank „entschlossen“ an ihrem 2-Prozent-Mandat festhalten werde. In einer mit Spannung erwarteten Rede vor dem Economic Club of New York vermied es Powell, sich auf einen bestimmten politischen Kurs festzulegen, gab aber keinen Hinweis darauf, dass er zu einer Zinserhöhung neigt.

… und schon ist Gold wieder hipp

Auf einmal ist wieder Gold gefragt. Natürlich – der „sichere Hafen“ wird nun von Anlegern angesteuert. Der Goldpreis ist entsprechend auf dem höchsten Stand seit elf Wochen. Doch nicht alle sehen in Gold das nützliche Investment. Sharmin Mossavar-Rahmani, Chefanlagestrategin bei der Goldman Sachs Investment Strategy Group, sagt, dass Gold nach internen Studien nicht sonderlich gut als Inflationsabsicherung bringe.

Auf einmal ist wieder Gold gefragt. (Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG)

In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte sie weiter, dass Gold keine Zinsen wie Anleihen bringe, zudem der Goldpreis nicht mit den Gewinnen so wie Aktien von Unternehmen steige und von daher Gold In einem Portfolio keinen Zweck erfülle. „Wir raten von Gold als Anlage ab“, sagte sie klar.

Ebenso sagte sie dem Handelsblatt, dass der größte Fehler, den Investoren machen könnten, es sei, bei fallenden Aktienmärkten in Panik zu verfallen und zu verkaufen. Lieber regelmäßig überprüfen, ob das eigene Risikoprofil noch stimmig sei.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Denn wer Aktien als Vehikel für den persönlichen Vermögensaufbau ansieht, wird diese nicht aus dem Depot entferne – egal was für Krisen derzeit die Börsen beschäftigen. Baustein-Aktien werden langfristig einem Anleger zu einer soliden Rendite verhelfen.

Das bringt die neue Börsenwoche (KW43-2023)

Die EZB-Ratssitzung steht am Donnerstag im Fokus. „Die Entscheidungsbereitschaft dürfte in diesem schwierigen Umfeld eher gering sein“, schreibt die Helaba. Seit dem Angriff der Hamas auf Israel sind die Zinserwartungen diesseits und jenseits des Atlantiks leicht gestiegen. Damit wurde vermutlich eine größere Wahrscheinlichkeit für steigende Rohölpreise eingepreist. Darauf deuten auch höhere Inflationserwartungen der Anleger hin. „Das Risiko, dass die EZB in diesem Umfeld die Leitzinsen noch einmal anhebt, ist gering. Die Zinserhöhungserwartungen dürften wieder abebben“, so die Helaba.

Zum Wochenschluss kommen die BIP-Zahlen aus den USA. „Die Wachstumszahlen für das dritte Quartal werden wohl zeigen, dass die konjunkturelle Dynamik wieder zugenommen hat. Eine spürbare Abkühlung lässt weiter auf sich warten“, prognostizieren die Experten.

Statt sich zu verlangsamen, wie von vielen erwartet wurde hat die US-Konjunktur im dritten Quartal wohl Fahrt aufgenommen. (Bildquelle: unsplash / Joseph Barrientos)

„Statt sich zu verlangsamen, wie von vielen erwartet wurde – und wie es vor dem Hintergrund der restriktiven Geldpolitik ja auch normal wäre – hat die US-Konjunktur im dritten Quartal wohl Fahrt aufgenommen.“ Der Bloomberg- Konsens für den Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt bei 4,3 Prozent (annualisierte Vorquartalsrate). Dies wäre der beste Quartalswert seit Ende 2021 und fast doppelt so viel wie im ersten Halbjahr (etwa 2,2 Prozent im Schnitt). Die Helaba ist mit 2,8 Prozent vorsichtiger.

Alle anderen Daten der Woche und Prognosen finden Sie in unserem Wirtschaftskalender.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Wie wird nach einem überraschend robusten Jahr der Jahresausklang für Wirtschaft und Kapitalmärkte ausfallen? Nach Einschätzung von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, drohen die Gefahren für das wirtschaftliche Wachstum in den nächsten Monaten zuzunehmen. Das klingt erst einmal nicht so gut.

Noch sieht Ökonom Galler den Aktienmarkt aber gut gewappnet. „Die Bewertungen außerhalb der US-Technologiewerte sind moderat günstig, weshalb die Aktienmärkte mit Gewinnrückgängen von bis zu zehn Prozent gut leben könnten. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte lehrt uns, dass moderate Gewinnrückgänge nicht automatisch in einen Bärenmarkt münden“, führt Galler aus.

Vieles wird auch von der Entwicklung im Nahen Osten abhängen. Kurzfristige Engagements an den Börsen scheinen aktuell eher das falsche zu sein. Die Füße still halten und Geduld haben, ist die bessere Idee. Denn wie sagte schon André Kostolany: „An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil.“

In diesem Sinne, bleiben Sie weiter engagiert (an der Börse),

Ihre marktEINBLICKE -Herausgeber

Christoph A. Scherbaum & Marc. O. Schmidt