Wunsch vs. Wirklichkeit

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Deutschland passenden ebenso wenig wie die zuletzt veröffentlichten Konjunkturprognosen zu den jüngsten DAX-Rekorden.

(Bildquelle: Unsplash / Yohann Lc)

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Deutschland passenden ebenso wenig wie die zuletzt von ifo oder OECD veröffentlichten Konjunkturprognosen zu den jüngsten DAX-Rekorden. Dabei wird augenscheinlich einmal mehr deutlich: Die erste deutsche Börsenliga hat wenig mit der deutschen Wirtschaft gemein. Stattdessen wird klar, dass der DAX eine Sammlung global agierende Konzerne ist. Die deutsche Industrie trifft man daher eher in MDAX und SDAX. Hier ist dann auch die Kursentwicklung weitaus schlechter – eben analog zur Lage im Land.

Schwierige Lage in Deutschland

Die deutschen Auftragseingänge sind im Dezember ohne Großaufträge aus der Kategorie „Sonstiger Verkehr“ (Flugzeuge, Schiffe und Züge) um 2,2 Prozent zurückgegangen. Diese Daten zeigen auf, dass die überwiegende Mehrheit der Industriebranchen der deutschen Wirtschaft weiterhin unter Druck steht. Beherrschendes Thema bleiben die Energiekosten. Auch die Einschränkungen in der Lieferkette – infolge der Angriffe im Roten Meer – dürften eine Rolle bei der aktuellen Entwicklung spielen. Ebenso bleibt die Endverbrauchernachfrage in Form von Einzelhandelsumsätzen in der EU schwach und wird wahrscheinlich auch nicht wesentlich zunehmen.

(Bildquelle: Pressefoto Volkswagen)

Bei der Auslandsnachfrage drückt die Konjunkturschwäche in China gleichfalls auf die deutsche Auftragslage, während das starke US-Wachstum bereits einen Großteil der deutschen Auftragseingänge ausmachen dürfte. Tomasz Wieladek, Chefvolkswirt für Europa bei T. Rowe Price, rechnet mit Blick auf die niedrigen Lagerbestände in der Industrie zwar nicht mit einem Wirtschaftsboom, aber dafür mit einer moderaten Erholung – und damit, dass die deutschen Industrieaufträge zumindest nicht weiter schrumpfen werden. Die Weltwirtschaft wiederum erweist sich bislang als robust, auch wenn sich für 2024 eine Verlangsamung abzeichnet.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Wenn eine globale Rezession abgewendet werden kann, dürften sich Aktien aus Sicht von Mark Baribeau, Head of Global Equities bei Jennison Associates, gut entwickeln, wenn auch mit moderateren Renditen als 2023. Zwar werden Volatilitätsschübe erwartet, da die Märkte sich an die Realität der längerfristig höheren Zinsen anpassen, aber solange große Überraschungen ausbleiben, dürfte die Neubewertung zum Großteil abgeschlossen sein, so Baribeau. Unabhängig davon ist der Blick auf die Herkunft der Unternehmensgewinne für eine sinnvolle Portfolio-Zusammensetzung essentiell – der Spagat zwischen deutschen Aktienkursen und Wirtschaftsdaten macht dies deutlich.

In diesem Sinne, bleiben Sie weiter engagiert (an der Börse),

Ihre marktEINBLICKE-Herausgeber

Christoph A. Scherbaum & Marc. O. Schmidt