Medios: Viel Phantasie nach dem Ceban-Deal

Medios zählt zu den bekanntesten Unternehmen auf dem Wachstumsmarkt der Specialty-Pharma-Arzneimitteln in Deutschland. Nun hat das Unternehmen einen Zukauf angekündigt, der viel mit sich bringt.

(Bildquelle: Pressefoto MEDIOS AG)

Die Medios AG (WKN: A1MMCC / ISIN: DE000A1MMCC8) ist ein Unternehmen, das sich auf den Bereich Specialty Pharma konzentriert. Mit “Specialty Pharma” wird eine Kategorie innerhalb der pharmazeutischen Industrie bezeichnet, die sich auf spezielle, oft hochpreisige Medikamente für seltene, chronische oder schwer zu behandelnde Erkrankungen konzentriert. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Formen von Krebs, Autoimmunerkrankungen, Hämophilie, multiple Sklerose und HIV/AIDS.

Fokus auf hochpreisige Medikamente

Diese Medikamente unterscheiden sich von herkömmlichen Pharmaprodukten durch verschiedene Faktoren, beispielsweise im Preis. Aufgrund der hohen Forschungs- und Entwicklungskosten, der spezialisierten Herstellungsprozesse sowie der begrenzten Zielgruppen sind Specialty Pharma-Produkte oft wesentlich teurer als herkömmliche Medikamente. Das bedeutet:

Medios ist kein Hersteller von Medikamenten im traditionellen Sinne, sondern spezialisiert sich auf die Versorgung und den Vertrieb von speziellen pharmazeutischen Produkten und Dienstleistungen, insbesondere eben für Patienten mit seltenen und chronischen Erkrankungen.

Mit sogenannten Specialty Pharma verdient Medios gutes Geld. Nun planen die Berliner einen Zukauf, der sich schon in diesem Jahr bilanziell auswirken soll.  (Bildquelle: Pressefoto MEDIOS AG)

Das Dienstleistungsangebot des Berliner Unternehmens umfasst unter anderem die Herstellung und Bereitstellung von patientenindividuellen Therapien, die Belieferung von Apotheken mit Spezialmedikamenten, logistische Dienstleistungen sowie Beratung und Support im Bereich Specialty Pharma.

Spezialisierung auf einen Nischenmarkt

Durch die Spezialisierung auf diesen Nischenmarkt kann Medios maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die über die Möglichkeiten klassischer Pharmahersteller oder Großhändler hinausgehen. Die Firma spielt damit eine wichtige Rolle in der Versorgungskette von Spezialmedikamenten, indem sie sicherstellt, dass diese sensiblen Produkte effizient und sicher zu den betreffenden Patienten gelangen.

Das Geschäft läuft auch gut – das zeigen die jüngsten Bilanzen. Das Unternehmen hat im Neunmonatszeitraum 2023 nach einem starken dritten Quartal erneut ein deutliches Wachstum generiert. So stieg der Umsatz sowie das EBITDA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Laut Medios sei das dritte Quartal das stärkste in der Unternehmensgeschichte gewesen.

Medios sieht sich voll auf Kurs

“Mit der sehr guten Entwicklung im dritten Quartal sind wir voll auf Kurs, unsere Jahresziele zu erreichen. Der Umsatz wird voraussichtlich den oberen Rand unseres ursprünglichen Prognosekorridors erreichen. Das zeigt sehr deutlich, dass wir mit unserer erweiterten Wachstumsstrategie auf dem richtigen Weg sind. Damit leiten wir die nächste Phase der Unternehmensentwicklung ein und werden in den nächsten Jahren insbesondere mit der geplanten Expansion in weitere europäische Länder sowohl den Umsatz als auch das Ergebnis von Medios weiter erhöhen“, so CEO Matthias Gärtner vergangenes Jahr bei der Zahlenpräsentation.

Die geplante Expansion treibt Medios auch voran. Das Unternehmen hat jüngst Ceban Pharmaceuticals B.V. (“Ceban”), eine schnell wachsende pharmazeutische Compounding-Plattform in den Niederlanden, mit Niederlassungen in Belgien und Spanien übernommen.

Durch den Zusammenschluss mit Ceban internationalisiert Medios sein Geschäftsmodell und vollzieht eigenen Aussagen zufolge einen wichtigen Schritt zur Schaffung einer europäischen Specialty Pharma-Plattform. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Erfüllung üblicher Vollzugsbedingungen und wird für das zweite Quartal 2024 erwartet.

Medios-Aktie mit schwacher Charttechnik

Unter Annahme eines Abschlusses der Akquisition von Ceban noch im zweiten Quartal 2024 erwartet Medios in der Folge für das Geschäftsjahr 2024 unter anderem einen Umsatz von 1,9 bis 2,1 Mrd. Euro.

Die Nachricht von dem Ceban-Deal hat danach den Aktienkurs von Medios zeitweise um mehr als 10 Prozent klettern lassen. Für langjährige Aktionäre eine gute Nachricht, denn sie schauen auf eine Position im Depot, die schon bessere Zeiten erlebt hat. Nimmt man die Trend-Indikatoren zur Hilfe, so zeigt sich, dass der kurz-, mittel- wie auch der langfristige Trend abwärts gerichtet ist. Die Aktie zeigt eine deutliche Schwäche.

Medios-Aktie: Börse Stuttgart

Eine etwas ältere Studie von Warburg aus dem November 2023 macht da ein bisschen Mut. Die Analysten hielten es damals für möglich, dass Medios die Guidance für 2023 am oberen Ende erreiche. Damals vor einem halben Jahr wurde entsprechend das Kursziel bei 43 Euro gesehen. Das wäre ein schönes Comeback für eine Aktie, dessen Unternehmen in den vergangenen Jahren eigentlich nichts großartig falsch gemacht hat.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Medios agiert in einem spezifischen und wachsenden Segment des Gesundheitsmarktes, das durch die zunehmende Bedeutung von zielgerichteten Therapien für seltene Krankheiten gekennzeichnet ist. Specialty Pharma hat sich als ein wichtiges Segment der pharmazeutischen Industrie etabliert. Der Ceban-Deal dürfte der eigentlich soliden Wachstumsgeschichte neuen Schub geben, und dem Aktienkurs ebenfalls. Aktuell ist die Aktie mit einem 2024-KGV von knapp 8,6 bewertet.

Anleger, die gehebelt auf Kurssteigerungen bei der Aktie von Medios setzen wollen, können mit einem Mini-Future Long (WKN: MB87HH / ISIN: DE000MB87HH5) überproportional von einem Anstieg des Aktienkurses profitieren.