Bildquelle: markteinblicke.de

Die Wirtschaftspolitik der USA soll eigentlich dazu dienen, das Land wieder groß und stark zu machen. Das Gegenteil kann der Fall sein, denn die USA pokern derzeit mit hohem Einsatz und wenn der Bluff auffliegt, sind die Kosten hoch.

Die US-Regierung zieht ihr Wahlprogramm durch. Erreicht wurden bisher eine Steuerreform, das indirekte Scheitern von Obamacare und höhere Staatsausgaben. Nun kommen Zölle hinzu und möglicherweise eine Besteuerung ausländischer Produkte. Wer am Ende überhaupt Zölle und in welcher Höhe zahlen muss, ist derzeit noch offen.

Auf dem Papier mögen die Schritte durchaus Sinn machen. Die Senkung der Unternehmenssteuern macht auch nicht nur auf dem Papier Sinn, sondern auch in der Realität. Unternehmen siedeln sich dort an, wo die Steuern günstig sind. Das schafft Arbeitsplätze. Die Steuersenkung für Unternehmen kann man also durchaus als etwas Positives verbuchen.

Die Schaffung von Arbeitsplätzen soll zusätzlich durch Zölle und Steuern auf ausländische Produkte unterstützt werden. Werden ausländische Produkte teurer, greifen Inländer zu einheimischen Produkten, die dann plötzlich billiger erscheinen. Zudem ist es ein Anreiz für ausländische Unternehmen in den USA selbst zu produzieren, um die Steuern zu vermeiden.

Theoretisch ist das Konzept stimmig. Es schafft Arbeitsplätze, sorgt so für Mehreinnahmen, schiebt das Wachstum an und reduziert das Handelsbilanzdefizit mit anderen Ländern. In der Realität wird dieses Konzept dem Land aber wohlmöglich mehr schaden als nützen.

Die Steuersenkung führt zunächst zu Mindereinnahmen, einmal ganz davon abgesehen, dass von der Einkommenssteuersenkung vor allem die Reichen profitieren und die niedrigsten Einkommenssichten nach Auslaufen der Steuersenkung sogar noch mehr bezahlen.

Kurz- und mittelfristig steigt das Defizit des Staates gehörig an. Gleichzeitig werden Konsumgüter erst einmal teurer, wenn neue Zölle eingeführt werden und es nicht bei Stahl und Aluminium bleibt. Die USA importieren viele Güter und Rohwaren. Werden diese durch Zölle und Steuern teurer, zahlt das der Konsument. Auf inländische Güter auszuweichen geht kurzfristig nicht, da viele gar nicht in den USA produziert werden. Es dauert Jahre bis sie verfügbar sind.

Das Haushaltsdefizit wird definitiv steigen. Ab 2020 wird es aller Wahrscheinlichkeit nach die Billionenmarke überschreiten und dort auf ewig verharren. Konsumenten müssen für Produkte mehr zahlen. Entscheiden sie sich dafür, trotzdem genauso viel zu konsumieren wie vor dem Preisanstieg, bleibt unterm Strich weniger Geld übrig, um zu sparen.

Nun gibt es hier einen klaren Zusammenhang aus Spar- und Investitionsquote und der Leistungsbilanz (Import und Export von Waren und Dienstleistungen). Die Leistungsbilanz entspricht der Sparquote weniger der Investitionsquote. Der Zusammenhang ist in Grafik 1 dargestellt.

Grafik: GodmodeTrader.de

Sinkt die Sparquote (Staat gibt mehr aus und Defizit steigt, Konsumenten zahlen höhere Preise und sparen weniger) und bleiben die Investitionen konstant oder steigen sogar (wird durch die Steuersenkung gefördert), muss das Leistungsbilanzdefizit ebenfalls steigen. Das ist praktisch ein Naturgesetz und erzielt am Ende genau das Gegenteil dessen, was eigentlich erreicht werden soll.

Hinzu kommt, dass die Defizite und der Dollar relativ eng miteinander verknüpft sind (Grafik 2). Man kann von einer anhaltenden Dollarschwäche ausgehen. Das verteuert Importe, erhöht die Inflation und belastet Konsumenten noch mehr.

Grafik: GodmodeTrader.de

Haben all die Maßnahmen Erfolg, geschieht mit den USA folgendes: Es herrscht zwar Vollbeschäftigung, doch wegen hoher Inflation sinkt der Lebensstandard mittelfristig. Die Defizite (Haushaltsdefizit, Handelsbilanz) weiten sich aus, was die Handlungsfähigkeit des Staates beeinträchtigt. Am Ende verliert vor allem der Durchschnittsamerikaner.

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Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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