Kombination zwischen Zins und Aktie

In der aktuellen Marktphase könnte der Blick auf Strukturierte Wertpapiere interessant sein. Zu diesen gehören unter anderem Aktienanleihen.

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Der Boom rund um KI- und Halbleiterwerte wie NVIDIA hat 2023 und auch im laufenden Jahr für eine beeindruckende Kursrallye an den Aktienmärkten gesorgt. Allerdings stellt sich immer mehr die Frage, wie viel Luft nach oben bleibt. Zumal die Geopolitik, die schwache Konjunktur oder steigende Ölpreise für Unsicherheiten sorgen. In einer solchen Phase könnte der Blick auf Strukturierte Wertpapiere interessant sein. Zu diesen gehören Aktienanleihen. Dieser Produktkategorie könnte unter anderem die Aussicht auf Leitzinssenkungen vonseiten der Fed und der EZB zugutekommen.

Im Kampf gegen die ausufernde Inflation hatten die wichtigsten Notenbanken der Welt die Leitzinsen stark angehoben. Dies war einer der Gründe, warum Aktienanleihen bei Anlegern in Strukturierte Wertpapiere an Beliebtheit eingebüßt hatten. Laut Statistiken des Bundesverbandes für Strukturierte Wertpapiere (BSW) kamen Aktienanleihen Ende 2022 auf einen Marktanteil unter den Anlageprodukten von 14,0 Prozent. Ende 2023 lag dieser Anteil nur noch bei 8,3 Prozent. Allerdings könnte sich diese Entwicklung umkehren.

Die EZB könnte bald damit beginnen, die Leitzinsen zu senken. (Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank)

Aktienanleihen bieten mehr Klarheit

Wenn Anleger ihr Vermögen in klassische Sparprodukte stecken, sind ihnen die jeweiligen Zinssätze und Renditen bekannt. Für Aktien gilt dies jedoch nicht. Aktienanleihen sorgen für mehr Planbarkeit und konkrete Renditen, die Anleger vorab vergleichen können. Darüber hinaus spielen Aktienanleihen ihre Stärken tendenziell in Niedrigzinsphasen aus, da sie durch das Aktienrisiko einen Renditeaufschlag gegenüber den niedrig rentierlichen Zinsprodukten bieten können.

Zwar zögert die EZB, genauso wie die US-Notenbank Fed angesichts einer erhöhten Inflation, die Leitzinsen zu senken, allerdings scheint es an den Aktienmärkten als ausgemacht zu gelten, dass Leitzinssenkungen zu einem Zeitpunkt im Laufe dieses Jahres kommen sollten.

Aktienanleihen bieten Anlegern eine feste jährliche Verzinsung, unabhängig davon, wie sich der Basiswert entwickelt. Die Rückzahlung am Laufzeitende hängt von der Entwicklung der zugrunde liegenden Aktie ab. Art und Höhe entscheidet sich am letzten Bewertungstag. Entweder erhält der Anleger den Nominalwert oder eine bestimmte Anzahl an Aktien geliefert, deren Gegenwert wiederum unterhalb des Nominalwerts liegen würde.

Entsprechend wird bei Aktienanleihen von der Kombination aus Zins und Aktie gesprochen. Die Verbindung mit Aktien sorgt dafür, dass Anleger bei Aktienanleihen von einer höheren Verzinsung als bei klassischen Anleihen oder Sparprodukten profitieren. Damit geht aber auch ein höheres Risiko einher. Wie bei klassischen Anleihen bieten Aktienanleihen einen Zinskupon und eine Preisstellung in Prozent, während der Anleger bei Aktien ein Kursrisiko trägt.

Quelle: LBBW

Abgerechnet wird zum Schluss

Bei einem Nominalwert von 1.000 Euro ergibt sich bei einem Basispreis von 100 Euro für Aktie A ein Bezugsverhältnis von 10 Aktien. Angenommen, die Laufzeit beträgt 1 Jahr, bei einem Zinssatz von 10 Prozent. Auch hierbei entscheidet sich am letzten Bewertungstag die Art der Rückzahlung und damit auch, ob der Anleger einen Gewinn erzielt. Notiert die Aktie A am Bewertungstag bei 100 Euro oder mehr, erhält der Anleger den Zinssatz von 10 Prozent und den Nennwert von 1.000 Euro. Insgesamt werden 1.100 Euro überwiesen.

Sollte die Aktie jedoch bei weniger als 100 Euro notieren, z.B. bei 95 Euro, erhält der Anleger den Zinsbetrag i.H.v. 100 Euro und eine Aktienlieferung von 10 Aktien. Der Anleger wird auf diese Weise vom Anleihenbesitzer zum Aktionär. Der Wert des Investments entspricht somit 1.050 Euro, sodass am Ende immer noch ein Gewinn zu Buche steht. Erst ab Kursen unterhalb von 90 Euro macht der Anleger Verluste. Allerdings auch nur, wenn er die 10 gelieferten Aktien sofort verkauft. Werden diese im Depot weiter gehalten, besteht die Chance, dass sich der Kurs von Aktie A erholt.

Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass der Kurs der Aktie A noch weiter sinkt. Aktienanleihen spielen ihre Stärken dementsprechend nicht nur in Zeiten niedriger Zinsen aus, sondern tendenziell auch in Phasen seitwärts tendierender oder leicht steigender bzw. fallender Aktienmärkte. Anleger, die an Aktienanleihen interessiert sind, werden beispielsweise bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) fündig. Laut BSW-Statistiken schaffte es die LBBW 2023 auf Platz eins bei Aktienanleihen nach Börsenumsätzen. Mit Blick auf das Marktvolumen wurde wiederum zum Ende des Vorjahres Platz zwei gehalten.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Die Aussicht auf niedrigere Zinsen sowie Unsicherheiten über die Fortführung der Aktienmarktrallye könnten die Beliebtheit von Aktienanleihen erhöhen. Dabei gibt es diese nicht nur in der klassischen Ausführung. Bei Barriere-Aktienanleihen fällt der Zinssatz niedriger als bei klassischen Aktienanleihen aus, dafür steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger den Nominalbetrag ausgezahlt bekommt.