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Am Donnerstagabend nach Börsenschluss hat der Online-Gigant Amazon (WKN: 906866 / ISIN: US0231351067) seine Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt und die Märkte reagieren entsprechend mit saftigen Kursaufschlägen – die Amazon-Aktie spurtet Richtung eines neuen Allzeithochs.

Das ist besonders für jene Börsengurus schmerzhaft, die vor einiger Zeit auf die Shortseite gewechselt sind und nicht müde wurden, das Unternehmen schlecht zu reden. Sie dürften Milliarden versenkt haben und viele Anleger, die ihrem Ratschlag gefolgt sind und die Aktien in den letzten Wochen aus dem Depot geworfen hatten, dürften nun den steigenden Kursen hinterher trauern. Aber was genau macht die Zahlen von Amazon so besonders?

Nun, Amazon ist ein Unternehmen mit einer Börsenkapitalisierung von 650 Mrd. Dollar. Und es macht im Q1/18 einen Umsatz von 51 Mrd. Dollar. Es ist also kein kleines Unternehmen, bei denen man starke Wachstumsraten erwarten kann, sondern es ist ein Gigant, ein Koloss. Und doch haute Amazon ein Umsatzwachstum von 43% raus. Und das ist kein einmaliges Ereignis, solche Wachstumsraten kann Amazon schon seit vielen Jahren vorweisen – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Aber auch beim Gewinn konnte Amazon die Erwartungen übertreffen. Denn einer der größten Kritikpunkte ist bisher immer gewesen, dass Amazon zwar seinen Umsatz und seinen Cashflow stetig stark steigern könne, aber das ganze Geld wieder ins Business reinvestiere, so dass unterm Strich keine gewinne hängen blieben. Tja, Amazon reinvestiert weiter Milliarden in neue Geschäftsfelder und in den Ausbau seiner Logistik. Allerdings konnte man dennoch einen Milliardengewinn präsentieren. So verdiente Amazon im Q1/18 1,6 Mrd. Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Und es ist das erste Mal in der Firmengeschichte, dass in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen ein Milliardenplus heraus kam. Denn in Q4/17 hatte Amazon bereits 1,9 Mrd. Gewinn eingefahren, auch dank des megastarken Weihnachtsgeschäfts.

Als größter Wachstums- und Gewinntreiber präsentierte sich einmal mehr die Cloudsparte AWS. In diesem sehr profitablen Geschäftsfeld steig der Umsatz um 49% auf 5,4 Mrd. Dollar und der operative Gewinn stieg auf 1,4 Mrd. Dollar (Vorjahr: 890 Mio. Dollar). Amazon-Chef Jeff Bezos meinte, AWS habe „den ungewöhnlichen Vorteil eines siebenjährigen Vorsprungs“ gegenüber der Konkurrenz.

Im Handelsgeschäft verbuchte Amazon in Nordamerika ein operatives Ergebnis von 1,15 Mrd. Dollar bei einem Umsatz von 30,7 Mrd. Dollar. Verluste von 622 Mio. Dollar fuhr man allerdings weiter im internationalen Geschäft ein, weil Amazon stark in umkämpften Märkten wie Asien investiert. Hier trifft man auf agile Platzhirsche wie Alibaba, die im/mit Onlinehandel große geworden sind, und nicht nur auf stationäre Einzelhändler, die eher wie gelähmte Häschen agieren, wenn Amazon in ihren Markt vordringt und diesen disruptiert.

Amazon-Chart: boerse-frankfurt.de

Ausblick
Freude macht den Anlegern wohl auch, dass Amazon zunehmend die gewinne im Blick hat. So hat man angekündigt, für US-Neukunden das Prima-Angebot teurer zu machen. Der Preis soll um 20 Dollar auf 119 Dollar pro Jahr steigen. Damit einher geht allerdings eine kostenfreie Lieferung und vielfältige Streamingangebote. Für Deutschland ändert sich der Prima-Preis nicht und kostenlose Lieferungen sind hier ohnehin bereits enthalten.

Und Prime ist der zweite Gewinnmotor von Amazon, denn Primekunden machen bei/auf Amazon durchschnittlich dreimal so viel Umsatz wie normale Kunden. Auch deshalb freute sich Jeff Bezos so, als er kürzlich das Durchbrechen der magischen Zahl von 100 Millionen Primekunden verkünden konnte.

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Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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