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Der EZB-Zinsentscheid hat keine Überraschung gebracht. Stattdessen war es das Beiwerk zum Entscheid, welches hellhörig macht.

Es gab heute in der Geldpolitik eine bestimmende Frage: Was ist bloß mit der Wirtschaft der Eurozone los? Nun, so recht wissen weder wir es, noch die Notenbanker. Sie sind ein wenig ratlos, übertünchen dies allerdings blumig und reden von einer Mäßigung des hohen Wachstumstempos.

Die EZB will jetzt erst einmal abwarten, was geschieht. Es kann ja sein, dass die ernüchternden Wirtschaftsdaten in diesem Jahr nur vorübergehend sind. Es wäre nicht das erste Mal, dass es zu kleineren Auf- und Abbewegungen im Konjunkturzyklus kommt. Der Konjunkturzyklus ist nicht gradlinig. Kleinere Abweichungen vom übergeordneten Trendverhalten kann es immer wieder geben.

Die Daten sind nun allerdings schon eine ganze Weile schlecht. Im Normalfall hätte schon ein Licht am Ende des Tunnels aufblitzen sollen. Das ist bisher nicht geschehen. Nicht umsonst spricht die Notenbank das Thema an. Das ist auch gut so.

In den USA sehen wir schon lange, dass sich der Konjunkturzyklus dem Ende entgegen neigt. Das wird nicht zuletzt durch die immer flacher werdende Zinskurve untermauert. In der Eurozone hielten sich die Zinskurven auf anständigem Niveau und machten die Abflachung in den USA in den vergangenen 12 Monaten nicht mit (siehe Grafik).

Seit wenigen Wochen kommen bei Investoren aber anscheinend Zweifel auf. In Italien flacht die Zinskurve über ihre normalen Schwankungen ab. Der Zinsspread befindet sich aktuell fast schon im freien Fall. Deutschland und Frankreich schleppen sich mühsam auf niedrigem Niveau seitwärts.

Betrachtet man die Spreads in der Eurozone und vergleicht sie mit dem Spread in den USA, wird schnell klar, dass die US-Zinskurve der europäischen vorausläuft. Anfang der 90er Jahre (Wiedervereinigung) gab es den seltenen Fall, dass die Kurven nicht parallel verlieren. Ansonsten geben die USA den Takt vor. Insbesondere invertiert die US-Kurve einige Monate, bevor es auch in der Eurozone soweit ist.

Man kann sich bei der Entwicklung der US-Kurve ausmalen wie es in der Eurozone weitergeht. Es muss schon ein kleines Wunder geschehen, damit sich die Kurven nicht weiter abflachen. Auch in der Eurozone geht das Hoch des Konjunkturzyklus zu Ende. Den Zenit haben wir bereits überschritten.

Ich gehe davon aus, dass sich die Wirtschaftsdaten in diesem Jahr noch einmal verbessern werden. Die zunehmende Verlangsamung wird das nicht aufhalten. Ich vermute sogar sehr stark, dass die EZB den Leitzins vor dem nächsten Abschwung nicht mehr wird anheben können. Mit etwas Glück löst sich der Leitzins minimal von seinem aktuellen Niveau von 0 %. Das wäre das ähnlich wie 2011 als der Zins zwei Mal angehoben wurde. Das war ein Fehler und die Zinsen sanken danach sofort wieder. Das könnte sich wiederholen, wenn der Zins vor der nächsten Rezession überhaupt noch einmal steigt.

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Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

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