Nach einer gewissen Verschnaufpause nahm die KI- bzw. Halbleiterrallye zuletzt wieder mehr Schwung auf. Im Fokus standen dabei unter anderem NVIDIA und Oracle. Allerdings haben die jüngsten Übernahmespekulationen rund um Intel (WKN: 855681 / ISIN: US4581401001) sowie die überzeugenden Quartalsergebnisse bei Micron Technology gezeigt, dass auch abseits von NVIDIA & Co rund um das Thema Künstliche Intelligenz reichlich was los ist.
Intel hatte zuletzt versucht, den Befreiungsschlag auf eigene Faust zu bewerkstelligen, nachdem der Tech-Dino und einstige unangefochtene Nummer eins am Markt für Halbleiter im Zuge verschlafener Trends wie Smartphones und nun der KI zurückgefallen war. Nun aber könnte die Lösung externer Natur sein. Schließlich hat Branchenkonkurrent Qualcomm Interesse an Teilen von Intel angemeldet. Entsprechend schaut die Halbleitergemeinde ganz genau hin, obwohl Intel selbst nicht mehr den Stellenwert früherer Tage genießt.
Schwieriges Unterfangen
Der in Schieflage geratene Chip-Konzern Intel möchte unter anderem ein eigenständiges Auftragsfertigungsgeschäft schaffen, das sich damit potenziell für Investoren öffnen würde. Gleichzeitig werden die Zusammenarbeit mit Amazon Web Services und der gemeinsame Bau von kundenspezifischen KI-Chips stark ausgebaut, während man sich ebenfalls über einen 3 Mrd. US-Dollar schweren Auftrag der US-Regierung freuen durfte. Nun kamen jedoch die Übernahmespekulationen auf. Dabei dürfte Qualcomm nicht an Intel als Ganzem interessiert sein, insbesondere nicht am Foundry-Bereich.
Das Unternehmen, das mit Halbleitern für Smartphones groß wurde, lässt die von ihm designten Chips von Taiwan Semiconductor oder Samsung fertigen. Es wird auf jeden Fall spannend. Bereits Anfang September hatte Reuters mit Verweis auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichtet, dass Qualcomm die Möglichkeit prüfen würde, Teile des Designgeschäfts von Intel zu übernehmen. Nun legte das Wall Street Journal nach. Demnach würde man bei Qualcomm mit dem Gedanken spielen, Teile des angeschlagenen Chipherstellers zu übernehmen.

Cristiano Amon, CEO von Qualcomm, sei sogar persönlich an den Verhandlungen zur Übernahme von Intel beteiligt. Allerdings bleiben viele Fragen, unter anderem, ob die US-Wettbewerbshüter einem solchen Deal zustimmen würden. In den vergangenen Jahren sind einige Deals in der Branche gescheitert. Beispielsweise versuchte NVIDIA 2021 vergeblich ARM zu übernehmen, während Broadcom 2017 daran scheiterte, Qualcomm zu übernehmen. Neben Wettbewerbsfragen sind auch Themen wie die nationale Sicherheit wichtig, insbesondere im Hinblick auf den Handelsstreit zwischen den USA und China.
Micron überzeugt nicht nur mit Wachstum
Die jüngsten Übernahmegerüchte haben der stark gebeutelten Intel-Aktie etwas Schwung verliehen. Einen deutlichen Satz nach oben machte wiederum Micron Technology (WKN: 869020 / ISIN: US5951121038), nachdem der Halbleiterwert mit seinen Quartalsergebnissen und dem Ausblick überzeugt hatte. Seit Jahresbeginn weist Micron eine Kursperformance von +21 Prozent aus. Zeitweise lagen die Kurzuwächse in der Spitze jedoch bei mehr als 90 Prozent auf 157 US-Dollar. Aktuell hält sich das Papier knapp oberhalb der Marke von 100 US-Dollar. Micron konnte zuletzt zeigen, dass die starken Geschäfte rund um KI-Rechenzentren, Schwächen in Bereichen wie PCs oder Smartphones mehr als wettmachen. Micron ist vor allem im Bereich High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) stark.
Diese spielen in der KI-Industrie eine wichtige Rolle. Von Managementseite geht man davon aus, dass der adressierbare Markt (TAM) in diesem Bereich von 4 Mrd. US-Dollar im Jahr 2023 im kommenden Jahr auf über 25 Mrd. US-Dollar anwachsen wird. Neben SK Hynix aus Südkorea und Samsung gehört Micron hier zu den wichtigsten Playern. Auch deshalb traut sich das Management für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2024/25 Rekord-Umsatzerlöse in Höhe von 8,50 bis 8,90 Mrd. US-Dollar zu. Analysten hatten Micron zuletzt lediglich 8,31 Mrd. US-Dollar zugetraut.
Ein Grund, warum die Micron-Aktie stark positiv auf diese Prognose reagierte. Im abgelaufenen vierten Quartal schossen die Umsätze im Vorjahresvergleich bereits um 93 Prozent auf 7,75 Mrd. US-Dollar nach oben. In dieser Zeit ist jedoch auch der Blick auf die Ergebnisseite wichtig. So hatte Super Micro Computer Anleger trotz eines starken Wachstums unter anderem mit dem Blick auf die Margen enttäuscht. Micron lag im abgelaufenen Quartal mit einer Bruttomarge von 36,5 Prozent über den Konsensschätzungen. Im laufenden Dreimonatszeitraum traut man sich einen Wert zwischen 38,5 und 40,5 Prozent zu. Auch hier wurden die Konsensschätzungen übertroffen. Diese lagen bei 37,7 Prozent.
Starkes KI-Geschäft
Auf Analystenseite zeigte man sich entsprechend von den Zahlen und Aussichten bei Micron angetan. Bank of America-Analyst Vivek Arya nutzte die Gelegenheit, um das Kursziel für die Aktie von Micron Technology von 110 auf 125 US-Dollar anzuheben. Außerdem wurde das „Buy“-Rating bestätigt. Im abgelaufenen Quartal sei das Halbleiterunternehmen trotz des zunehmenden makroökonomischen Gegenwinds in der Lage gewesen auf der Grundlage einer soliden Nachfrage im Bereich Rechenzentren über den Erwartungen liegende Ergebnisse zu liefern, einschließlich des anhaltenden Wachstums seiner KI-gesteuerten High-Bandwidth-Memory (HBM)-Verkäufe.
Citigroup-Analyst Christopher Danely bekräftigt seinerseits das „Buy“-Rating für Micron Technology und traut dem Titel sogar einen Sprung auf 150 US-Dollar zu. J.P. Morgan-Analyst Harlan Sur geht sogar noch einen Schritt weiter. Neben einem „Outperform“-Rating liegt das Kursziel bei 180 US-Dollar. Nach den starken Ergebnissen würde der Markt beim Halbleiterunternehmen weiterhin steigende Umsätze, Margen und eine sich verbessernde Ertragskraft erwarten. Der Analyst glaubt, dass die Beschleunigung im Geschäft mit Speichern mit hoher Bandbreite und Künstlicher Intelligenz zusammen mit einer günstigen Branchendynamik bis ins Jahr 2025 anhalten wird.
Das marktEINBLICKE-Fazit
Micron und Intel sind nur zwei Beispiele dafür, dass in der KI- und Halbleiterbranche derzeit auch abseits von NVIDIA & Co einiges in Bewegung geraten ist und sich Anlegern Investmentgelegenheiten bieten. Gleichzeitig hat das Thema bereits eine derartige Dimension erreicht, dass ein möglicher Deal zwischen Qualcomm und Intel sowie der Erfolg oder Misserfolg von Intels Umstrukturierung nur eine geringe Bedeutung haben dürften, wenn es um das große Ganze und die in Gang gesetzte KI-Revolution geht.
Wer auf die positive Kursentwicklung eines ganzen Aktienkorbs von Unternehmen im Bereich Künstliche Intelligenz setzen möchte, kann sich das Indexzertifikat auf den Global AI Index (WKN: DA0AAX / ISIN: DE000DA0AAX6) anschauen.








