Während große Unternehmen aus Asien wie Alibaba oder Tencent häufig die Schlagzeilen dominieren, bieten mittelgroße Unternehmen – sogenannte Mid-Caps – oftmals ein erhebliches Wachstumspotenzial, das von vielen Anlegern unterschätzt wird, zum einen auch, weil es eher unbekannte Unternehmen sind.
Was sind Mid-Caps und warum eigentlich Asien?
Mid-Caps sind Unternehmen mit einer mittleren Marktkapitalisierung, in der Regel zwischen 2 und 10 Milliarden US-Dollar. Sie stellen den Übergang von kleinen, wachstumsorientierten Unternehmen zu großen, etablierten Firmen dar. In Asien, wo zahlreiche aufstrebende Märkte existieren, gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die zwar noch nicht die Größe internationaler Konzerne erreicht haben, aber dennoch über starke Wachstumschancen verfügen.

Der asiatische Wirtschaftsraum, angeführt von Ländern wie China, Indien und Südkorea, bietet einen fruchtbaren Boden für diese Unternehmen. Besonders in der Region des asiatisch-pazifischen Raums wächst die Mittelschicht rapide, was zu einer erhöhten Nachfrage nach Konsumgütern, Dienstleistungen und Innovationen führt. Mid-Caps in diesen Ländern befinden sich oft in Branchen, die von diesem Wachstum profitieren, wie beispielsweise Technologie, Gesundheitswesen, erneuerbare Energien und Konsumgüter.
Warum asiatische Mid-Caps interessant sind für Anleger
Während Blue-Chip-Aktien in der Regel stabilere und vorhersehbarere Renditen bieten, haben Mid-Caps oft einen größeren Spielraum für Wachstum. Viele dieser Unternehmen befinden sich in einem Expansionsstadium, in dem sie neue Märkte erschließen und innovative Produkte einführen.
Analysten betonen, dass diese Unternehmen oft flexibler sind als größere Konzerne und somit schneller auf Marktveränderungen reagieren können – die Kehrseite der Medaille ist, das ein solches Engagement per se mit mehr Risiko verbunden ist.

Ein weiterer Grund lässt sich mit dem Stichwort „Unterbewertete Chancen“ zusammenfassen. Viele Mid-Caps sind im Vergleich zu den großen Playern relativ unbekannt und damit oft unterbewertet. Dies bietet Anlegern die Möglichkeit, zu einem günstigeren Zeitpunkt in ein Unternehmen zu investieren, bevor es breitere Aufmerksamkeit erhält und die Aktienkurse in die Höhe schießen. Noch bleiben asiatische Mid.-Caps unter dem Radar internationaler Investoren, obwohl sie solide Fundamentaldaten aufweisen.
Bei allen Risiken – ein bisschen über den Tellerrand schauen
Asiatische Mid-Caps bieten zudem eine Möglichkeit, das eigene Portfolio geografisch und nach Unternehmensgröße zu diversifizieren. Während große Unternehmen häufig stark von globalen wirtschaftlichen Entwicklungen abhängen, sind viele Mid-Caps stärker regional fokussiert. Dies kann dazu führen, dass sie weniger von globalen Schwankungen betroffen sind und somit zur Stabilität eines Portfolios beitragen.
Natürlich sind Investments in Mid-Caps generell nicht ohne Risiken. Ein typisches Risiko besteht in der Volatilität der Aktienkurse. Solche Aktien können empfindlich(er) auf Markt- und Konjunkturschwankungen reagieren als größere Unternehmen.
Ein weiterer Faktor ist der Mangel an Transparenz bei einigen dieser Unternehmen. Während große Konzerne häufig gut überwacht und transparent sind, haben Mid-Caps in Asien möglicherweise weniger ausgereifte Berichtssysteme, was das Risiko erhöht, dass Anleger nicht alle relevanten Informationen erhalten. Dennoch, bei allen Risiken – viele Analysten blicken gen Asien. Laut Yoojeong Oh, Investment Director Asian Equities von abrdn, sei jetzt ein guter Zeitpunkt, einzusteigen.

Der Zinssenkungszyklus in Asien hilft den Unternehmen
„Wir befinden uns aktuell an einem Wendepunkt für die asiatischen Volkswirtschaften. Die damit verbundenen veränderten Rahmenbedingungen kommen gerade auch kleinen und mittleren Unternehmen zugute“, so Oh und erklärt warum:
„Mit dem Beginn des Zinssenkungszyklus in Asien wird der Druck auf die asiatischen Währungen nachlassen, was den Regierungen mehr Spielraum zur Förderung des Wirtschaftswachstums gibt. Dies wiederum wird den heimischen Volkswirtschaften zugutekommen, was vor allem den asiatischen Small-Cap-Unternehmen entgegenkommt, da diese eher auf die Inlandsmärkte ausgerichtet sind.“
Darüber hinaus werde ein fallender Dollar die Zuflüsse in asiatische Aktien ankurbeln, wobei eine Allokation in kleinere Unternehmen besonders von diesem Rückenwind profitieren dürfte. „Das Niedrigzinsumfeld verringert auch den Finanzierungsstress für Small-Cap-Unternehmen und ermöglicht es ihnen, Wachstumschancen effektiver zu nutzen.“
Laut Oh wird für kleinere asiatische Unternehmen ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum von rund 41 Prozent im Jahr 2024 prognostiziert, „womit sich dieses deutlich vom negativen Ergebnis des Jahres 2023 erholt.“ Dieses Wachstum liege auch deutlich über dem ihrer größeren Pendants, wobei für asiatische Large Caps ein Gewinnwachstum von ca. 19 Prozent und für weltweite Aktien von ca. 7 Prozent erwartet wird. Bemerkenswert sei, dass die Gewinne von asiatischen Small-Cap-Unternehmen nicht nur positiv ausfallen, sondern dass sie den Prognosen zufolge bis 2025 das größte Gewinnwachstum aufweisen dürften.
Der Blick nach Japan ist interessant
Yunyoung Lee und Nick Sheridan, Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors, haben derweil vor allem den Blick auf Japan gerichtet. „Kleine und mittelgroße japanische Unternehmen werden derzeit zu attraktiven Bewertungen gehandelt und dürften nach der Rallye ihrer größeren Pendants eine überdurchschnittliche Performance erzielen“, heißt es in einem Kommentar der beiden Profis.

„Wir glauben, dass die Performance japanischer Aktien erst am Anfang einer Erholung steht. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Zum einen die moderate Inflation aufgrund steigender Lohnkosten. Normalerweise führt eine moderate Inflation tendenziell zu besseren Bewertungen. Zum anderen hat sich das makroökonomische Umfeld verändert, beispielsweise die weltweite Erweiterung der Produktionsstätten angesichts der Handelsspannungen zwischen USA und China.“
Neben der Automatisierung durch KI-Technologie und der erwarteten Yen-Schwäche im Vergleich zu vor drei Jahren gäbe es Anzeichen für eine Rückverlagerung von Produktionsstandorten ins Inland, insbesondere im Halbleiter- und Medizinproduktebereich, so die Portfolio Manager. „Dies dürfte den Aufbau neuer Lieferketten begünstigen und sich auf die Inlandsnachfrage auswirken.“
Mögliche Outperformance von Small- und Mid-Caps gegenüber Large-Caps
„Anleger sollten wissen, dass die Rallye der japanischen Aktien in erster Linie auf die Performance der Large-Caps zurückzuführen ist“, so Yunyoung Lee und ergänzt: „Unter gleichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wäre es jedoch verwunderlich, wenn Small- und Mid-Cap-Aktien nicht so gut wachsen würden wie Large-Cap-Aktien. Eine wachsende Inlandsnachfrage kommt den kleinen und mittleren Unternehmen in der Regel mehr zugute als ihren größeren Pendants. Sollte sich die Binnenwirtschaft weiter verbessern, deutet vieles auf eine positive Entwicklung der Small- und Mid-Caps hin.“
Das marktEINBLICKE-Fazit
Asiatische Midcaps bieten Anlegern eine attraktive Kombination aus hohem Wachstumspotenzial, unterbewerteten Aktien und der Möglichkeit, vom wirtschaftlichen Aufstieg der asiatischen Märkte zu profitieren. Trotz der Risiken, die mit diesen Investitionen verbunden sind, zeigen die Analystenmeinungen, dass Mid-Caps eine lohnenswerte Ergänzung für jedes diversifizierte Portfolio darstellen. Wer frühzeitig auf diese Aktien setzt und bereit ist, kurzfristige Schwankungen auszusitzen, hat gute Chancen auf langfristige, überdurchschnittliche Renditen.
Hierzu bedarf es aber guter Recherche. Denn „ein Merkmal des Small-Cap-Marktes ist der Mangel an gründlichen Analysen. Die japanischen Small- und Mid-Cap-Aktien werden nicht ausreichend analysiert, um so genau bewertet zu werden wie die Large Caps“, sagt Yunyoung Lee und verweist nur auf das Beispiel Japan:
„Japanische Small- und Mid-Cap-Aktien im Vergleich zu US-Aktien nur sehr wenig oder überhaupt nicht von Analysten abgedeckt, insbesondere solche mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 200 Mrd. Yen. Aktien, die bereits berücksichtigt werden, haben oft ihre besten Zeiten hinter sich oder sind nicht mehr gefragt.“








