Über 60 Prozent der Anleger erwarten derzeit steigende Kurse nach den US-Wahlen. Das ist eines der Ergebnisse des Trends des Monats des Branchenverbandes BSW. 32,5 Prozent gehen davon aus, dass die Wiederwahl Donald Trumps von den Märkten positiv aufgenommen wird und 30,1 Prozent prognostizieren steigende Kurse infolge der Wahl von Kamala Harris zur US-Präsidentin.
Diese Einschätzungen sind durchaus spannend, sehen doch diverse Marktexperten für den Markt derzeit ein paar Unsicherheitsfelder, mit denen sich die Börse auseinandersetzen muss, um weiter gen Norden zu klettern. Es ist nicht nur die US-Wahl …
Was bringt die neue Berichtsaison?
Stephen Auth, Chief Investment Officer Equities bei Federated Hermes sieht fünf Unsicherheitsfelder. Zum einen die Berichtsaison für das dritte Quartal. Diese hat begonnen und die Analysten haben ihre Gewinnprognosen um etwa 3,5 Prozent gesenkt. Zwar liegt dies nur leicht über dem historischen Durchschnitt, ist jedoch nicht weiter außergewöhnlich.
Auth identifiziert hierbei vor allem eine Komponente: „Insbesondere Energietitel sind die Hauptschuldigen, jedoch kann dies primär auf den Rückgang der Ölpreise im dritten Quartal zurückgeführt werden. Hinzukommt eine ungewisse Inflationsrate.
Nachdem die Arbeitsmarktdaten der vergangenen Woche bestätigt haben, dass die US-Wirtschaft weiterhin robust sei, würden die Märkte ihren Fokus nun verstärkt auf die Inflationszahlen richten. Auth fügt hinzu: „Fortschritte in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der Fed wären ein positives Signal für den weiteren Verlauf der Zinssenkungen.“
Inflation, Arbeitsmarkt und China …
Mit der Inflationsrate verbunden ist der weitere Zinskurs der Fed. „Die guten Arbeitsmarktdaten der vergangenen Woche haben die Erwartungen, einschließlich unserer eigenen, hinsichtlich der weiteren Zinspolitik der Fed deutlich verändert“, sagt Auth. Es wird nun wahrscheinlicher, dass die Fed ihre Zinssenkungen weniger zügig vornehmen wird. Natürlich vorausgesetzt, dass der Arbeitsmarkt keine stärkeren Anzeichen eines Einbruchs zeigt.
Der nächste entscheidende Termin für die Fed ist die Sitzung am 7. November. Sollte die erwartete Zinssenkung um 25 Basispunkte erfolgen und die Zwischenberichte zum Arbeitsmarkt weiterhin positiv ausfallen, dürfte sich dies positiv auf die Märkte auswirken, so die Einschätzung von Auth.
Auch der Blick nach China ist ein Faktor für die Börsen. Die chinesische Zentralbank hatte zu einem geldpolitischen Paukenschlag ausgeholt, um die marode Wirtschaft wieder anzukurbeln. „Wir und viele andere warten weiterhin darauf, dass der nächste Stein ins Rollen kommt – sprich auf einen substanziellen fiskalischen Stimulus“, so Auth weiter.
Und am Ende kommt noch die besagte US-Präsidentschaftswahl und deren Ausgang hinzu – auch wenn Anleger laut dem BSW sich schon sehr sicher zu sein scheinen. Denn angesichts der unterschiedlichen Szenarien, die bei einem Sieg von Harris oder einem Sieg von Trump zu erwarten sind, ist die anstehende Wahl in den USA für Anleger von großer Bedeutung. Konkret:
Die US-Wahl bringt auf jeden Fall Verlierer mit sich
Je nach Wahlausgang würden andere Sektoren zu den vermeintlichen Gewinnern gehören, müssten Anleger wiederum die Gewichtung ihres Portfolios genau im Blick behalten. „Ein neuer, umfassender Marktaufschwung vor der Auszählung der Stimmen ist daher nicht zu erwarten“, so Auth und ergänzt:
„Ein Sieg von Trump – mit niedrigeren Steuern, weniger Regulierung und einer steileren Renditekurve – würde wahrscheinlich der traditionellen Wirtschaft, „Value“- und Small-Cap-Aktien zugutekommen. Im Gegensatz dazu könnte ein Sieg von Harris – mit höheren Steuern, mehr Regulierung und einer flacheren Renditekurve – die Wachstumsbranche begünstigen. Diese Wahl hat daher erhebliche Bedeutung.“ Für Auth lautet derzeit daher die Devise:
„Wir behalten vorerst unsere moderate Übergewichtung von Aktien sowie unsere Präferenz für Value-Titel, Small Caps und Schwellenländer bei.“
Das marktEINBLICKE-Fazit
Der Aktienmarkt ist von Natur aus volatil und kurzfristige Schwankungen gehören zum täglichen Geschäft. Es gibt immer wieder Phasen von Unsicherheit, in denen temporäre Risiken die Märkte durchschütteln. Doch genau in solchen Zeiten neigen viele Anleger dazu, emotional zu reagieren – und das kann teuer werden.
Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt oft darin, langfristig zu denken und auf solide Werte zu setzen, die als stabile Bausteine in einem Portfolio fungieren. Langfristige Investments in sogenannte Baustein-Aktien, also Aktien von etablierten Unternehmen mit starken Fundamentaldaten, bieten genau dieses gute Gefühl der Sicherheit.
Baustein-Unternehmen zeichnen sich durch eine robuste Marktposition, kontinuierliches Wachstum und eine verlässliche Dividendenpolitik aus. Sie mögen in turbulenten Zeiten ebenfalls kurzzeitig an Wert verlieren, doch über die Jahre hinweg zeigen sie eine beeindruckende Resilienz und neigen dazu, ihre Verluste wieder wettzumachen.
Der Grund dafür liegt in der Substanz dieser Unternehmen. Sie haben oft über Jahrzehnte bewiesen, dass sie nicht nur in guten Zeiten bestehen können, sondern auch in Krisen die nötige Stabilität und Innovationskraft mitbringen, um langfristig erfolgreich zu bleiben. Ein weiteres Argument für den langfristigen Ansatz: Die Zeit spielt dem Anleger in die Hände. Wer Geduld hat und auf kurzfristige Bewegungen verzichtet, kann von der natürlichen Erholung und dem Wachstum der Märkte profitieren – vor allem wenn er diese Börsenregeln konsequent beachtet.
In diesem Sinne, bleiben Sie weiter engagiert (an der Börse),
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