Bildquelle: Porsche

Der mittlerweile zum Volkswagen-Konzern (WKN: 766403 / ISIN: DE0007664039) gehörende Sportwagenbauer Porsche geriet dieser Tage wegen Problemen beim Verkauf von Neufahrzeugen in die Schlagzeilen. Porsche fahren erscheint daher dieser Tage deutlich leichter, als einen zu kaufen – oder?

Die neuen Normen. Alle Welt spricht über den Dieselgate-Skandal und dessen Folgen. Vergessen wird dabei, dass auch Benziner vor gewaltigen Herausforderungen stehen. Die FAZ macht mit der Überschrift „Porsche versinkt im Abgasnebel“ klar, dass es ums Ganze geht. Denn: Durch die Umstellung der Emissionsmessung vom bisherigen NEFZ-Zyklus auf WLTP (Worldwide Harmonized Light Duty Vehicles Test Procedure) und seinen noch strengeren Kompagnon RDE (Real Driving Emissions) sollen die Verbrauchs- und Abgasangaben der Autohersteller realitätsnäher sein. Doch hieraus ergeben sich unerwartete Herausforderungen.

Die Umsetzung. Seit kurzem erhält der geneigte User im Online-Konfigurator von Porsche folgende Meldung: „Das von Ihnen ausgewählte Modell ist nicht mehr als frei konfigurierbarer Neuwagen erhältlich. Gerne möchten wir Ihnen dennoch die Möglichkeit geben, das Modell weiterhin im Car Configurator zu betrachten. Bitte wenden Sie sich bei Interesse bezüglich konfigurierbarer Neuwagen, verfügbarer Bestandsfahrzeuge und jungen Gebrauchtfahrzeugen an Ihr Porsche Zentrum.“ Dahinter verbirgt sich ein ernsteres Problem, als man auf den ersten Blick annimmt. Um die WLTP-Norm zu erfüllen müssen die direkteinspritzenden Benzinmotoren einen Partikelfilter erhalten. Dass das nicht mal ebenso geschieht, hat man auch bei Porsche gemerkt. Mit öffentichkeitswirksamen Folgen.

Alles dauert etwas länger. Laut Porsche können wegen der Umstellung der Fahrzeuge auf Ottopartikelfilter (OPF) und einer Neutypisierung bis spätestens 1. September 2018 nur eingeschränkte Konfigurationsmöglichkeiten online angeboten werden. Beim Händler vor Ort soll aber alles wie bisher laufen. Dennoch führt die Umstellung zu gewaltigen Problemen, denn die Umstellung kann nur gestaffelt ablaufen.

Noch im September starten ausgewählte Modelle der Sportwagen-Baureihen 911 und 718 mit Ottopartikelfilter. So wird der 911 4 GTS mit Allradantrieb und PDK von Anfang an in drei Karosserieformen verfügbar sein – als Coupé, Cabriolet und Targa. Gleichzeitig mit den 911 4 GTS-Derivaten wird die neue Technologie mit Ottopartikelfilter (OPF) beim 718 Basis und GTS und dann in den anderen Modellreihen eingeführt.

Prioritäten… Die Umstellung der Modellreihen priorisiert Porsche so, dass den Kunden ein möglichst attraktives Produktprogramm zur Verfügung steht. Bei den zweitürigen Sportwagen, bei denen der Automatik-Anteil zum Teil bei mehr als 90 Prozent liegt, werden beispielsweise diese Versionen besonders zügig in den Markt eingeführt. Bei den in die Umstellungsphase fallenden Neuanläufen gehen alle von Beginn an verfügbaren Modellvarianten mit Benzinmotor mit Ottopartikelfilter an den Start. Die Markteinführung der einzelnen Derivate erfolgt schrittweise, wie bei Neuanläufen üblich.

Die Probleme bei diesen Maßnahmen liegen auf der Hand: Jede Modellvariante muss einzeln getestet werden. Jedes paar Felgen in Kombination mit anderen Ausstattungsvarianten führt zu anderen Messwerten. Porsche spricht von einer „hohen Anzahl an Messungen“. Porsche-Chef Oliver Blume: „Die kurzfristig um ein Jahr vorgezogenen EU-Fristen zur WLTP-Zertifizierung setzen uns enorm unter Last. Unsere Vorbereitungen laufen bereits seit über einem Jahr auf Hochtouren und wir kommen gut voran. Aufgrund erheblicher Engpässe bei den Prüfstandsverfügbarkeiten, die alle Hersteller treffen, ist das aktuell eine große Herausforderung. Wir müssen priorisieren. Nichtsdestotrotz befürworten wir die realitätsnähere Emissionsermittlung.“

Infografik: Wo die Porsche-Fahrer wohnen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

FAZIT. So oder so, dürfte der Bestellengpaß nichts an der derzeitigen regionalen Verteilung der Porsches ändern. Das Stammland Baden-Württemberg ist und bleibt das Land mit der höchsten Porsche-Dichte. Allerdings werfen die Problem bei Porsche wieder einmal ein schlechtes Licht auf den Volkswagen-Konzern insgesamt. Zwar haben alle anderen Autohersteller die gleichen Vorgaben zu erfüllen. Aber wieder ist es eine Konzernmarke aus Wolfsburg, die in die Schlagzeilen gerät. Egal ob VW, Audi oder jetzt Porsche: Der Image-Bonus ist nicht unerschöpflich.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage und beim alltäglichen Lebensgenuß

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