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So, dann hätten wir das auch hinter uns – also die erste Handelswoche im Monat Juni, damit wir uns nicht missverstehen. Und ja, diese Woche, die war dann auch gar nicht mal so schlecht. Auf der politischen Bühne wurde quasi pausiert, das bisschen Bamf-Skandal war kaum geeignet, um die Aktienmärkte zu bewegen, und auch der US-Präsident, ansonsten immer für einen Market Mover zu haben, war in den vergangenen Tagen ganz offensichtlich anderweitig beschäftigt. Was Wunder, der Mann will sich am kommenden Dienstag in Singapur schließlich für den diesjährigen Friedensnobelpreis empfehlen. Ach nein, halt, der Anmeldeschluss für die Nominierungen des laufenden Jahres war ja schon, am 01. Februar, na hoffentlich hat da einer aus dem Weißen Haus in vorauseilendem Gehorsam, quasi pro forma, den Vorschlag rechtzeitig auf den Weg nach Oslo gebracht. Denn, und das ist ein interessanter Fakt am Rande, falls Sie mal bei Günter Jauch auf dem Stuhl sitzen sollten: Der FRIEDENSnobelpreis ist die einzige der insgesamt fünf bzw. sechs Auszeichnungen (Medizin/Physiologie, Physik, Chemie, Literatur, Frieden sowie den nachträglich installierten Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, der auf die Schwedische Reichsbank und nicht auf Nobel selbst bzw. auf dessen Testament zurückzuführen ist), die NICHT von einer schwedischen Akademie, sondern vom fünfköpfigen NORWEGISCHEN Komitee vergeben wird! Weswegen der Preis eben auch in Oslo, und nicht in Stockholm verliehen wird. Weder da noch dort spielte sich in dieser Woche jedoch das Börsengeschehen ab, weshalb wir den hohen Norden auch schnell wieder verlassen und uns thematisch einer anderen Region zuwenden. Nämlich dem Parkett. Und dort wurden keine Preise verliehen, sondern Kurse gestellt. Das sah in der Zusammenfassung dann ungefähr so aus:

Und der Druck steigt

Der deutsche Leitindex legte in den vergangenen Tagen immerhin 0,7% zu und machte die Verluste aus der Vorwoche damit wett. Auch die Juni-Bilanz kann sich dadurch mit aktuell +1,6% durchaus sehen lassen. Allerdings, und das trübt die Freude über das Vorangestellte zusätzlich, reichte es damit längst nicht für den ganz großen Befreiungsschlag. Das lag – ja, woran eigentlich? Gut, der Euro erholte sich sichtlich von seinem Jahrestief bei 1,1513 US-Dollar, das noch in der Vorwoche markiert wurde. Der Sprung zurück über die 1,18er-Marke infolge erster Äußerungen aus dem EZB-Ratszirkel zu einer möglichen Straffung der Geldpolitik lastete auf den bekanntlich stark exportorientierten deutschen Titeln. Aber, und das muss ganz klar gesagt werden, ein EUR/USD-Kurs von 1,18irgendwas sollte den DAX nicht am Angriff auf die 13.000er-Schwelle hindern. Dass die Blue Chips dennoch mit merkwürdig angezogener Handbremse agierten, scheint vielmehr an einer Art allgemeiner Verunsicherung zu liegen. Die Angst, in der aktuellen Marktsituation auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, ist offenbar größer als die Aussicht auf weitere Kursgewinne. Die im vergangenen Editorial in den Raum gestellte Frage, wie belastbar die Aktienmärkte derzeit also sind, muss mit einem „tendenziell robust, aber ausgesprochen risikoavers“ beantwortet werden. Wobei sich daraus sofort die nächste Frage ableitet: Wann wird aus risikoavers wieder ein kopfloses Nix-wie-raus? Die Antwort darauf wird die kommende Woche bringen, wenn in Singapur und Frankfurt möglicherweise Geschichte geschrieben wird. In Frankfurt? Ja, denn da tagt am Donnerstag der EZB-Rat und wird eventuell das Ende der jahrelangen Nullzinspolitik verkünden. Oder wenigstens in Aussicht stellen. Oder so tun als ob. Auf jeden Fall hat die Sitzung diesmal durchaus das Potenzial, die Märkte zu bewegen. Und das ist ja auch schon mal was!

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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