Bild: Gerry Weber

In wenigen Tagen beginnen die Gerry Weber Open 2018. Das prestigeträchtige, auf Rasen ausgetragene Tennisturnier findet nun schon zum 26. Mal statt. Spieler wie Roger Federer oder der neue deutsche Superstar Alexander Zverev werden in Halle, Westfalen viel Ruhm versprühen. Auch der Sponsor, das Bekleidungsunternehmen Gerry Weber (WKN: 330410 / ISIN: DE0003304101), sehnt sich nach den Tagen zurück, als man noch selbst Ruhm versprühen konnte.

Damit ist es jedoch seit einer ganzen Weile vorbei. Vor einigen Jahren war die Gerry-Weber-Aktie noch im MDAX zu finden. Inzwischen reicht es nicht einmal mehr für den deutschen Kleinwerteindex SDAX. Dabei steckt nicht nur Gerry Weber in der Krise. Die gesamte deutsche Bekleidungsindustrie hat damit zu kämpfen, dass die Kunden nicht mehr in Massen in die Innerstädte strömen, sondern ihre Kleidung viel lieber im Internet bestellen oder bei Textil-Discountern kaufen.

Gerry Weber selbst machte ebenfalls einiges falsch. Der schleppende Ausbau des Internetgeschäfts und vor allem die zu schnelle Expansion mit der Eröffnung eigener Läden fiel dem Unternehmen auf die Füße. Die Folge waren deutliche Kurseinbrüche der Gerry-Weber-Aktie und mehrere Sparmaßnahmen des Managements. Jetzt hat Gerry Weber ein weiteres Sparprogramm angekündigt. Außerdem soll das Geschäftsmodell grundlegend umgebaut werden.

Gerry-Weber-Chart: boerse-stuttgart.de

Ein solches Programm kostet natürlich erst einmal Geld. Auch sonst liefen die Geschäfte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2017/18 (Ende April) nicht besonders. Die Umsätze schrumpften um 5,4 Prozent auf 404,7 Mio. Euro. Das EBIT rutschte um 46,7 Prozent auf 3,2 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr geht das Management von einem Umsatz von 830 bis 840 Mio. Euro (bisher: 870 bis 890 Mio. Euro) aus. Das EBIT wird bei -10 bis 0 Mio. Euro gesehen (bisher: 10 bis 20 Mio. Euro). Schuld sind die Kosten des neuen Umbauprogramms.

Am Donnerstag reagierten Marktteilnehmer auf die erneute Prognosesenkung geschockt. Die Gerry-Weber-Aktie rutschte um mehr als 10 Prozent in die Tiefe. Es half nichts, dass sich das Management mittelfristig wieder optimistischer zeigte. Dank des neuen Umbauprogramms will Gerry Weber die Umsatzerlöse in den nächsten drei bis fünf Jahren deutlich und stärker als der Markt steigern. Die Kosten sollen im mittleren, zweistelligen Millionenbereich gesenkt werden. Dadurch soll innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre für das operative Ergebnis (EBIT) ein zusätzliches Potenzial in Höhe von bis zu jährlich 35 bis 40 Mio. Euro ermöglicht werden.

FAZIT. Gerry Weber hat in den vergangenen Jahren einige Umbau- und Sparprogramme aufgelegt. Es ist nicht sicher, dass dieses nun den entscheidenden Durchbruch bringen soll, zumal die gesamte Branche aufgrund der Internetkonkurrenz unter Druck steht und sich die Kaufgewohnheiten der Kunden gerade grundlegend verändern. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Anleger sollten daher mit Investments warten, bis sich Anzeichen für eine nachhaltige Erholung zeigen.

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