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Vor einem Monat war es noch undenkbar, von neuen Allzeithochs zu sprechen. Jetzt sind sie zum Greifen nahe. Doch was geschieht, wenn sie erreicht sind?

Beim Dax fehlen nur noch 5,4 % zu einem neuen Allzeithoch. Beim Dow Jones sind es knapp 6 %, beim S&P 500 noch gut 3 % und der Nasdaq hat bereits ein neues Hoch erreicht. Vor wenigen Wochen war das noch unvorstellbar. Der Markt bewegte sich am Abgrund. Eine ganze Reihe an Entwicklungen haben es Anlegern schwer gemacht, bei Aktien zuzugreifen. Da waren zu Jahresbeginn Zins- und Inflationsängste. Diese traten angesichts der Handelspolitik der USA schnell in den Schatten. Noch immer beschäftigt das Thema Handel die Anleger.

Die nächsten Wochen werden in diesem Zusammenhang kritisch. Mit China wird weiterhin verhandelt. China scheint anzubieten, dass es den USA Waren im Wert von 70 Mrd. zusätzlich abnimmt. Treten allerdings die Zölle auf chinesische Waren im Wert von 50 Mrd. Mitte des Monats in Kraft, ist das Angebot vom Tisch.

Keiner weiß, ob sich die USA und China einigen werden. Die Lage bewegt sich zwischen Einigung und Eskalation. Die USA fordern von China eine deutliche Reduktion des Handelsbilanzdefizits. Im Idealfall soll China zusätzlich Waren im Wert von 200 Mrd. abnehmen. Das ist praktisch ausgeschlossen, da die USA derzeit gar nicht die Kapazität haben, Waren in diesem Umfang an China zu verkaufen (Waren, die China auch braucht).

Mit der EU und NAFTA ist die Lage ebenfalls noch nicht geklärt. Stahl und Aluminium werden nun mit höheren Zöllen belegt. Die EU, Mexiko und Kanada werden ebenfalls Zölle verhängen. Hier stehen die Zeichen ziemlich eindeutig auf Eskalation.

Die EU würde verhandeln, doch nicht, wenn die USA Zölle verhängen. Genau das ist nun geschehen. Die EU reitet damit auf Prinzipien herum, die zwar bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar sind, aber realpolitisch wenig taugen.

Die EU und Eurozone können sich diese harte Haltung eigentlich nicht leisten. Die Euroaufwertung im vergangenen Jahr hat ihre Bremsspuren bereits hinterlassen. Die Wirtschaft kühlt in der Eurozone derzeit schnell ab. Das zeigt sich gerade erst beim Auftragseingang der Industrie in Deutschland (Grafik 1).

Derzeit wird der Auftragseingang noch vom Ausland über Wasser gehalten (Grafik 2). Im Inland und der Eurozone ist das Wachstum bereits negativ oder stark abnehmend (Grafik 3). Das ist inzwischen keine kleine Wachstumsdelle mehr, sondern eine handfeste Abkühlung.

Das gilt nicht nur für Deutschland. In Italien ist der Einzelhandelsumsatz im Vergleich zum Vorjahr im freien Fall. Der Rückgang beträgt fast 5 %. Das beinhaltet noch nicht die Auswirkungen der politischen Unsicherheit der letzten drei Wochen.

Bis vor kurzem hatte ich noch mehr die USA auf dem Radar, was eine Abkühlung anbelangt. Steuerreform und Mehrausgaben des Staates scheinen hier aber zu fruchten und die Wirtschaft anzuschieben. Man muss sich aktuell sehr viel mehr um Europa sorgen.

Das sind viele Gründe, weshalb der Markt hierzulande nicht unbedingt ein Allzeithoch erreichen sollte. Mein favorisiertes Szenario, welches seit der heftigen Korrektur zu Jahresbeginn propagiere, sieht ohnehin neue Allzeithochs in den USA vor. In Deutschland hängt letztlich alles am Euro. Wertet dieser ab, hat der Dax Chancen. Wertet der Euro wieder auf, wird es mit dem neuen Allzeithoch schwierig.

Ich bleibe also dabei: in den USA gibt es noch neue Hochs. Eines – beim Nasdaq – ist bereit erreicht. Jetzt fehlt noch der S&P 500 und im Idealfall der Dow Jones. Und danach? Wie oben beschrieben gibt es viele Risiken, gerade was den Handel angelangt. Im Juni werden wir hier Klarheit erlangen. Eskaliert die Lage weiter, halte ich eine vom Allzeithoch ausgehende Rallye von 10 % oder mehr für sehr unwahrscheinlich. Vielmehr sollte man sich nach den Hochs auf eine längere Abwärtsbewegung einstellen.

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Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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