Bildquelle: Pressefoto GESCO AG

Ich habe ja ein Faible für Beteiligungsgesellschaften, denn sie ermöglichen es Otto Normalbürger, sich am Motor des Wirtschaftswunders zu beteiligen, am Deutschen Mittelstand. Jedes Land auf der Erde beneidet uns Deutsche um unseren breit aufgestellten und erfolgreichen Mittelstand und wer reich werden möchte, sollte sich hier möglichst stark engagieren. Über die vielen an der Börse gelisteten Beteiligungsgesellschaften ist dies ohne Schwierigkeiten möglich und auf meiner Empfehlungsliste finden sich eine ganze Reihe der Erfolgreichsten, wie 3U Holding, Aurelius, Blue Cap, Deutsche Beteiligung, GBK Beteiligungen, KAP Beteiligung, MAX Automation, MBB, m-u-t (bald Nynomic) oder Ringmetall. Und nun auch GESCO (WKN: A1K020 / ISISN: DE000A1K0201), die ich aus guten Gründen bisher immer verschmäht hatte. Bis jetzt…

Über börsennotierte deutsche Beteiligungsgesellschaften und ihre unterschiedlichen Ausrichtungen habe ich in den letzten Jahren drei ausführliche Artikel verfasst:

Und in keinem der Artikel konnte ich Gesco viel abgewinnen, zu schlecht waren die operativen Ergebnisse, zu gering die Erfolge im Beteiligungsgeschäft und zu schlecht Aussichten im Vergleich mit der Peergroup. Und wer in diesen fünf Jahren nicht in Gesco investiert hat, hat auch nichts verpasst. Im Gegenteil: das Geld wäre in fast jeder anderen deutschen Beteiligungsgesellschaft besser aufgehoben gewesen, von Ad Capital und Greiffenberger mal abgesehen…

Vor einiger Zeit begann sich das Blatt zu wenden und Gesco fand langsam zurück in die Erfolgsspur. Da ich damals das Umsteuern ausführlich beschrieben habe, spare ich mir das an dieser Stelle. Und ich bin natürlich gefragt worden, ob Gesco dann nicht auch auf meine Empfehlungsliste gehören würde. Doch drei Gründe haben mich zurückgehalten:

  1. Nach einer so langen Zeit des Vorsichhindilettierens muss ein Unternehmen erst einmal beweisen, dass der Turnaround auch nachhaltig gelungen ist. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer.
  2. Gescos größter Fehlgriff war die Beteiligung Protomaster und ich wollte erst sichergestellt wissen, dass man sich dieser Altlast endgültig entledigt und das Desaster bilanziell verarbeitet hat.
  3. Eine weitere Altlast, ein Kartellverfahren gegen die Gesco-Tochter Dörrenberg Edelstahl, drohte mit einer Kartellstrafe in zweistelliger Millionenhöhe und auch hier wollte ich nicht mit einer offenen Flanke operieren.

Den Aktienkurs haben meine damaligen Bedenken nicht interessiert, der hat sehr viel Phantasie vorweggenommen und ist von 23 Euro auf 36 Euro bis Ende 2017 hinaufgeschossen. Und wie Ikarus kam er Sonne zu nah und taumelt seitdem wieder abwärts, weil die erste Euphorie einfach zu groß war. Gesco konnte zwar operativ deutlich stärkere Ergebnisse vorweisen und auch verbesserte Margen, aber die (letztmalige) Abschreibung auf Protomaster belastete noch einmal deftig. Und Anfang des Jahres bekam man ein Vergleichsangebot im Kartellverfahren auf den Tisch und hat sich entschieden, die dafür benötigten 8,5 Mio. Euro als Rückstellungen in den Jahresabschluss einzustellen.

Und da sind wir beim Thema: das Geschäftsjahr von Gesco läuft vom 1. April bis 31. März – auch deshalb besteht man darauf, dass alle Tochtergesellschaften ihrerseits den Jahresabschluss per 31.12. erledigen. Und für diesen Jahresabschluss 2017/18 gibt es keine Rettung mehr: trotz der tollen operativen Fortschritte wird er durch die letztmalige Abschreibung auf Protomaster und die Millionenrückstellung aufgrund der Kartellstrafe belastet. Die Börse hatte sich eine Verdreifachung beim Gewinn ausgemalt und quittierte diese Entwicklung („nur noch“ Gewinnverdopplung) mit deutlichen Kursrücksetzern bis auf nun aktuell 27,50 Euro. Aber… an der Börse wird die Zukunft gehandelt!

Mund abputzen, weiter machen!
Der positive Aspekt ist, dass alle meine drei genannten Problemfelder nun abgearbeitet sind: der Turnaround bestätigt sich, der Verkauf von Protomaster ist im Dezember 2017 final erfolgt und auch die Kartellstrafe belastet nicht mehr, da sie bilanziell im Jahresabschluss 2017/18 als Rückstellung abgefrühstückt wurde.

Die vorläufigen Zahlen für 2017/18 zeigen dann auch die enormen Fortschritte, die Gesco im letzten Jahr gemacht hat. So lag der Konzernumsatz mit rund 547,2 Mio. Euro um gut 13% über dem Vorjahreswert von 482,5 Mio. Euro. Noch stärker stieg der Konzernjahresüberschuss nach Anteilen Dritter, der mit 16,1 Mio. Euro mehr als das Doppelte des Vorjahreswertes von 7,9 Mio. Euro erreichte.

Der Hauptversammlung am 30. August wird folgerichtig ein Dividendenvorschlag von 0,70 Euro je Aktie unterbreitet, der den Vorjahreswert von 0,35 Euro ebenfalls fast verdoppelt. Gesco will hier weiterhin der Prämisse folgen, jeweils rund 40% des Jahresüberschusses als Dividende auszukehren und die aktuelle Dividendenrendite von 2,6% ist durchaus attraktiv…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter…

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Michael C. Kissig / Pressefoto GESCO AG

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