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Es ist passiert! Die deutsche Nationalelf ist aus dem laufenden WM-Turnier ausgeschieden! In der Vorrunde! Nach einer (verdienten, das muss leider gesagt werden) Niederlage gegen Südkorea. Die in ihrer Heimat für diese Leistung vermutlich zu Helden ernannt werden. Wahnsinn! Den attestierte übrigens auch der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel (immer noch SPD) den beiden Unionsparteien CDU und CSU in einem Interview mit der deutschen Presseagentur, sollten die (also CDU/CSU, nicht die dpa) mit ihrem Asylstreit zur Unzeit die Regierungskoalition und damit einen tragenden Pfeiler des europäischen Fundaments sprengen. Landtagswahl in Bayern hin oder her, aber es gibt „scho au“, wie Herr Löw sagen würde, anderes zu besprechen als den Themenblock, den Innenminister Horst Seehofer gerade zur Chefsache emporgehoben hat. Die Sache mit dem Handelskrieg beispielsweise. Und da ist Präsident Trump jetzt sein protektionistischer Aktionismus auf die Füße gefallen, denn ausgerechnet die ur-amerikanische Motorradschmiede Harley Davidson (WKN: 871394 / ISIN: US4128221086) aus Wisconsin – in etwa so amerikanisch wie Stars and Stripes an jedem Fahnenmast, Truthahn an Thanksgiving, Marshmallows am Grill und Super-Bowl am Ende der NFL-Saison – verkündete als Reaktion auf die Strafzölle der EU, Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern. WHAT??? Für Harley Davidson ein logischer Schritt, denn die Trump’schen Stahlzölle (und EU-Gegenzölle) würden die Exporte des Unternehmens laut eigenen Angaben um 80 bis 100 Millionen Dollar pro Geschäftsjahr verteuern. Dann doch lieber gleich im Ausland produzieren, so der Ansatz der Motorradbauer. Trump schäumte vor Wut, aber: es wird nicht bei dem einen Unternehmen bleiben, das vor seinem Handelskrieg flieht. Andere werden folgen, denn Handel funktioniert, auch wenn der Präsident das noch nicht ganz verstanden hat, mittlerweile global. Womit die Verlierer dieses Konflikts überall zu finden sein werden. Auch in Wisconsin. Minnesota. Iowa. Undsoweita.

Im Rausch der Tiefe

Auf dem Parkett übrigens auch. Denn da schlug die Wucht der Ereignisse in dieser Woche mit voller Härte zu, und die Aktienmärkte rauschten auf breiter Front in die Tiefe. Wie? Das haben wir an exakt dieser Stelle vor Wochenfrist genauso geschrieben? Nun – dann können Sie sich ja ungefähr vorstellen, was das für ein Gemetzel war, in den zurückliegenden Sitzungen. Der DAX schmierte dabei auf ein neues Monatstief bei 12.104 Zählern ab. Und liegt für den Monat Juni aktuell mit -3,4% hinten. Bitterböse erwischt hat es dabei die Autobauer und deren Zulieferer, das war zu erwarten, aber auch die Banktitel. Für die Deutsche Bank (WKN: 514000 / ISIN: DE0005140008) ging es beispielsweise auf ein neues Allzeittief bei 8,76 Euro. Puh! Übel auch der Kursverlauf bei Infineon (WKN: 623100 / ISIN: DE0006231004), die binnen Wochenfrist 10% abgaben und damit innerhalb von nur zwei Wochen vom Jahreshoch bei 25,76 Euro auf das Monatstief bei 21,05 Euro abstürzten. Für alle Statistiker: Macht ein Minus von 18,3% in nur 9 Handelstagen. Doppel-Puh! Am schlimmsten erwischte es jedoch einen Wert, der nicht im DAX, sondern bei den Nebenwerten im MDAX gelistet ist: Osram (WKN: LED400 / ISIN: DE000LED4000) Licht musste aufgrund der drohenden Zölle auf EU-Automobile die zweite Gewinnwarnung binnen zwei Monaten herausgeben und verlor gestern 22%. Dreifach-Puh – mit Schnappatmung! Keine Angst, jetzt hat es sich ausgepuht, aber dieser kleine Abriss zeigt, dass die Märkte aktuell tendenziell an Minenfelder erinnern. Daran dürfte sich in der kommenden Woche wenig ändern, es sei denn, es geschehen ein bis zwei Wunder in Washington oder Berlin. Oder sonst wo. Dass man sich darauf heutzutage allerdings nicht mehr verlassen kann, haben wir am Mittwoch in Kasan gesehen!

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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