Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Das Nachwirken der Zolldebatte und sicherlich auch die Probleme innerhalb der Automobilindustrie zogen den Deutschen Aktienindex in der Vorwoche um mehr als zwei Prozent nach unten. Erst zum Wochenausklang setzte die Erholung ein, die Schlimmeres verhinderte. Haben wir damit das Schlimmste bereits überstanden? Lesen Sie hier meinen Wochenausblick aus charttechnischer Sicht.

Die Schwankungen der Vorwoche basierten auf…

Bereits zum Wochenstart wartete der DAX mit einer Eröffnung im Minus auf und notierte nur sehr kurz über der Marke von 12.500 Punkten. Der Titel „Angeschlagener DAX…“ aus der Vorwochenanalyse hatte weiterhin Bestand und löste am Montag weitere Stopp-Orders aus. Mit rund 250 Punkten Tagesschwankung und einem Schlusskurs auf Tagestief war dies auch der schwächste Tag der Handelswoche. Nicht aber der Tag mit den tiefsten Kursen. Dazu später, denn vermerkt werden kann an dieser Stelle der schnelle Rutsch zur 12.300, welchen ich in der Vorwoche mit diesen Worten anmahnte:

Charttechnisch ist ein direkter Durchbruch zur 12.300 somit einzukalkulieren und dann wäre die Zone aus dem Sommer des Vorjahres wieder im Fokus der Anleger.

Auf diese Zone gehe ich im Ausblick dann noch einmal gesondert ein.

Der Verkaufsdruck nahm am Dienstag und Mittwoch sogar noch zu und führte erst bei 12.124 Punkten zu einer merklichen Erholung. Von dort aus stieg der DAX um mehr als 220 Punkte an und sorgte für den stärksten Tag der Woche. Das Wochentief lang mit 12.104 Punkten am Donnerstag jedoch noch einmal leicht darunter, hatte jedoch keinen weiteren Angriff der Bären zur Folge.

Hausgemachte Probleme, wie etwa der „Sinkflug“ der Deutschen Bank Aktie mit neuen Allzeittiefs und die Probleme mit Flugausfällen bei der Deutschen Lufthansa, lasteten zunächst auf dem Gesamtmarkt. Auch die Nachwehen der Zölle für Importe aus den USA und entsprechender Exporte in die USA vermiesten die Stimmung. Ermutigend stand erst die positive Wall Street nach einem Test der 24.000 am Donnerstag (nach gestiegenen Daten zu den Arbeitslosenhilfe-Erstanträgen) zur Seite. Dort wurden positive Daten aus dem FED-Stresstest der Banken vermeldet. Zudem gab es eine Einigung in Brüssel zum Asyl-Streit und eine weiterhin hohe Beschäftigungsquote in Deutschland. Skeptiker hatten bereits mit einer Regierungskrise in Deutschland gerechnet und sich womöglich im Vorfeld aus dem Markt verabschiedet. Doch der EUR/USD als „Einheitswährung“ konnte hier bereits zeigen, dass Europa nicht zerstritten ist.

 

Dies bringt mich an dieser Stelle auf die Idee, weitere Märkte mit einzubinden.

Spannung bei Gold, Öl und Bitcoin

Besonders schwach war der Goldpreis in dieser Woche. Er verlor erneut mehr als ein Prozent und markierte bereits am Dienstag ein neues Jahrestief. Dazu gab es im Forum auch eine lebhafte Diskussion:

Konträr dazu verhielt sich der Ölpreis. Er näherte sich erneut der 80-Dollar-Marke und damit dem Mehrjahreshoch an. Man kann hier die Fortsetzung des großen Trends unterstellen, auf den ich am Mittwoch im Forum hingewiesen hatte:

Ein zweischneidiges Schwert, denn einerseits ist ein niedriger Goldpreis gelegentlicher Indikator für steigende Aktienmärkte aber anderseits bremst ein hoher Ölpreis widerum die Investoren und Konsumenten mittelfristig aus. Ohne sich darüber zu viele Gedanken zu machen, gehe ich lieber zum DAX-Ausblick über.

Über den Bitcoin gab es lange kaum Positives zu berichten. Immerhin verlor die Kryptowährung rund 60 Prozent an Wert in diesem Jahr. Doch nun könnten bei BTC/USD mehrere Faktoren zum Tragen kommen, die mit dem Chartbild zusammen für Aufmerksamkeit bei uns Tradern sorgen sollten. Schauen Sie dazu auf das aktuelle Bild im Tageschart:

Vertiefend ist dies hier einmal ausführlich dargestellt:

Bitcoin unter 6.000 Dollar: 9 Monate „Blase“ abgebaut, und nun?

Ist der DAX im Bärenmarkt?

Mit dem Rutsch unter die Zone von 12.500 Punkten wurde weiteres Terrain für die Bären freigesetzt. Diesen Tageschart hatte ich in der Vorwoche eingebunden – zur Erinnerung:

 

Das noch verträgliche Wochenminus von 2,18 Prozent scheint trügerisch, denn im Tief standen wir schon tiefer und haben damit eine weitere mögliche Unterstützung tangiert. Diese befindet sich, im Update des Tagescharts hier nun klar zu sehen, nur knapp über der runden Marke von 12.000 Punkten:

 

 

Sie lässt sich aus dem Tiefpunkt Anfang März und dem erfolgten Ausbruch in der zweiten Aprilwoche ableiten. Besonders tragfähig muss dies nicht sein, da die Auflagepunkte weite auseinanderliegen. Dennoch kann man sich diesen Bereich einmal vermerken und als Daytrader für die kommende Woche im Chartbild belassen.

In der kleineren Zeiteinheit, dem 4-Stundenchart, wurde mit der Gegenbewegung zum Wochenausklang dann doch ein „Hoffungsschimmer“ im Chartbild verzeichnet. Denn dort endete vorerst (?) die sehr dynamische Abwärtsbewegung der vergangenen Wochen. Zur besseren Sichtbarkeit habe ich dies eingekreist und die aus dem Tageschart erarbeitete Zone auch in dieser Einstellung gelb beibehalten:

Eine Gegenbewegung könnte hierbei charttechnisch bis zum Hochpunkt und somit der Auflagefläche an diese Tendenz-Linie gehen. Gemeint ist das Hoch vom Mittwoch bei 12.439 Punkten und knapp darüber dann der Vorwochen-Eröffnungsbereich. Beides zeichne ich hier nun für die bullische Variante ein:

 

Negativ wäre zu vermerken, wenn das „Mini-GAP“ von Freitag geschlossen werden würde. Denn dann läge der DAX nur sehr knapp über der gelben Unterstützungszone und könnte diese bei entsprechendem Momentum am Markt durchbrechen. Ein schneller Spike zur runden Marke von 12.000 schließe ich damit verbindend an der Stelle nicht aus und würde somit auch mit zum Bären werden.

Für diesen Blick schwenke ich zurück auf den Tageschart und zeichne die nächste mögliche Haltelinie ein. Sie befindet sich nicht bei der runden 12.000er-Marke, sondern etwas darunter, wie man deutlich sehen kann.

Eine Spekulation auf das Halten einer solchen runden Marke lohnt sich erfahrungsgemäß nicht. Zu viele Emotionen spielen bei den Marktteilnehmern eine Rolle und entsprechende Umschichtungen sorgen für Volatilität. Fokussieren Sie sich daher im Falle des Bruchs der gelben Zone eher auf einen Rutsch, als entgegen der Marktdynamik das vermeintliche Tief treffen zu wollen.

Seitens der Wirtschaftsmeldungen wird erst die zweite Wochenhälfte interessant. Hier steht am Donnerstagabend das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank FED an. Am Freitag wird dann vermutlich der US-Arbeitsmarkt wieder für Schlagzeilen sorgen. Was hierbei genau erwartet wird, entnehmen Sie bitte dem Wirtschaftskalender.

Somit wünsche ich eine optimale Wochenvorbereitung und in dieser dann viel Erfolg beim Trading.

Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

andreasmuellerAndreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen u.a. auf wallstreet-online seit dem Jahr 2005 in den „Tages-Trading-Chancen“ ein und ist dort Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf markteinblicke.de analysiert er den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Original abrufbar unter Trading-Treff.de bezieht sich auf den DAX (ISIN DE0008469008 | WKN 846900).

Bildquellen: Andreas Mueller / Pressefoto Deutsche Börse AG

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