Konjunkturelle Erholung in Europa?

Europäische Aktie haben zu Beginn des Jahres 2025 eine Outperformance gegenüber US-Titeln verzeichnet. Kann es so weitergehen?

(Bildquelle: Pressefoto Volkswagen)

Deutsche und europäische Aktien verzeichneten – gemessen am DAX sowie dem EURO STOXX 50 – mit jeweils 10 Prozent Kursplus einen außerordentlich positiven Jahresstart. Mit Blick auf US-Aktien und einem Kursanstieg von gerade einmal 3 Prozent im S&P 500 beeindruckt diese Entwicklung umso mehr. Auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass sich die Entwicklung der ersten 5 Handelswochen genauso fortsetzt, scheint doch ein veränderter Blick auf Europa eingepreist zu werden. Dazu tragen einige Aspekte bei, die in Summe einen stärkeren Fokus auf europäische Aktien rechtfertigen:

Zumindest auf europäischer Ebene ist die Bewertung vor allem bei breit gefassten Indizes wie dem STOXX 600 im historischen Kontext und im Vergleich mit US-Aktien günstig. Gerade einige ambitioniert bewertete große US-Technologieaktien, die für einen Großteil der sehr positiven Indexperformance der vergangenen Monate verantwortlich sind, befinden sich seit der Veröffentlichung des chinesischen Sprachmodells DeepSeek Mitte Januar in einer Phase der Neuorientierung. Es wird sich zeigen müssen, ob die bisherigen sehr hohen Margen und Wachstumserwartungen nach der Erkenntnis, dass auch mit weniger Aufwand hilfreiche auf Künstlicher Intelligenz basierende Werkzeuge entwickelt werden können, haltbar sind.

In Europa wiederum deutet sich eine zaghafte konjunkturelle Erholung an, die durch ggf. mögliche Strukturreformen durch eine baldige neue Bundesregierung sowie die neu formierte EU-Kommission zur Ertüchtigung des Standorts weiter Fahrt aufnehmen könnte. Hinzu kommt die Möglichkeit, dass im Falle einer Beendigung des Ukrainekriegs oder eines Waffenstillstands ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor der letzten Jahre wegfallen und der beginnende Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur vielen hiesigen zyklischen Unternehmen, bspw. Maschinen- oder Anlagenbauern sowie der Baustoffindustrie neue Aufträge bescheren könnte.

Die Verabschiedung eines Haushalts für das Jahr 2025 in Frankreich mit der Zielsetzung einer Reduktion des laufenden Defizits hat für sinkende Risikoprämien französischer im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen gesorgt. Die akute Sorge vor einer erneuten Euro-Vertrauenskrise dürfte dadurch bei einigen Beobachtern abgenommen haben.

Nicht zuletzt werden in der Eurozone die Zinsen deutlich stärker sinken als in den USA. Diese Gemengelage an kleinen, potenziell positiv wirkenden Aspekten könnte den Vorteil europäischer Aktienmärkte noch einige Zeit weitertragen, wenngleich die Bedrohung eines eskalierenden Handelskonflikts mit den USA weiter zu den größten Risiken gehört.

Ein Beitrag von Carsten Mumm

Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.

 

 

 

 

 

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