Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Der Goldpreis bewegt sich seit längerem genau parallel zur chinesischen Währung. Ist das nur Zufall oder hat China da bewusst die Finger im Spiel?

Der enge Zusammenhang zwischen der chinesischen Währung und dem Goldpreis ist schon sehr auffällig (Grafik 1). Der Zusammenhang wird dabei immer offensichtlicher. Seit einem Jahr ist der Verlauf fast genau parallel. Schon davor war die Korrelation hoch, doch in den letzten 12 Monaten hat sie nochmals deutlich zugenommen.

Die Parallelen der Kursverläufe sind so hoch, dass es einem schwerfällt, an einen Zufall zu glauben. Es ist auch tatsächlich kein Zufall. Der Grund ist allerdings ein anderer, als viele vielleicht denken.

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China steuert den Goldpreis nicht durch seine Währung. Vielmehr ist die hohe Korrelation Ausdruck einer grundlegenden Veränderung in der chinesischen Wechselkurspolitik.

Seit 2015 wird die Währung mehr und mehr liberalisiert. Sie darf in beide Richtungen schwanken. Vor 2015 wertete die Währung kontinuierlich auf. Das ist nicht mehr der Fall. Sie bewegt sich mehr und mehr wie jede andere Währung zum Dollar und der Dollar war zuletzt in einem Aufwärtstrend.

Es ist also nicht die chinesische Währung, die hier den Ausschlag gibt, sondern die US-Währung. Gold wird in Dollar gehandelt. Wertet der Dollar auf, fällt der Goldpreis in Dollar gerechnet (Grafik 2). Der Goldpreis ist nicht nur durch den Dollar bestimmt. Deswegen ist die Korrelation nicht immer so perfekt wie in den letzten 10 Jahren.

Der Dollar wiederum wird zum großen Teil durch die Realzinsen bestimmt (Grafik 3). Es ist daher auch kein Zufall, dass Realzins und Goldpreis einen sehr engen Zusammenhang haben. Mitte 2017 bis Anfang 2018 entkoppelten sich der Goldpreis und der Realzins. Gold blieb auf hohem Niveau während der Realzins anstieg. Gold hätte eigentlich fallen müssen, tat es aber bis vor kurzem nicht. Diese Divergenz wird jetzt aufgelöst, indem der Goldpreis fällt.

Gold steht als Anlage am ehesten mit den Realzinsen in Konkurrenz. Gold wirft kein Einkommen ab (schüttet keine Dividenden oder Kupons aus wie Aktien bzw. Anleihen). Langfristig gleicht der Goldpreis die Inflation aus. Sind die Zinsen von Anleihen höher als die Inflation (positiver Realzins), ist es lukrativer Anleihen zu kaufen. Ist der Realzins negativ, ist Gold die bessere Wahl.

Derzeit sind Anleihen attraktiver. Wie lange das so bleibt, ist schwer zu sagen. Noch steigen die Zinsen in den USA. Allerdings steigt auch die Inflation. Die Frage ist also, was schneller steigt. Aktuell sind die Zinsen gegenüber der Inflation im Vorteil. Das wird den Goldpreis bis auf weiteres belasten.

In einem Worst-Case Szenario kann der Goldpreis noch einmal die Verlaufstiefs des seit 2011 vorherrschenden Trends bei 1050 Dollar erreichen. Gesichert ist das natürlich nicht. Aktuell sieht es aber danach aus, dass der Goldpreis unter Druck bleiben wird und nur eine Zinswende diesen Druck abwenden kann. Eine Zinswende in den USA ist aber aktuell nicht zu erkennen.

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Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

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