Bildquelle: markteinblicke.de

Der 2011 verstorbene Pop-Art-Künstler James Rizzi hat es bereits in seinem Bildtitel treffend auf den Punkt gebracht: Kreuzfahrten können eines der schönsten Dinge im Leben sein. Wir gehen für Sie an Bord – kommen Sie mit. In einer dreiteiligen Serie wollen wir uns dem Thema Kreuzfahrten aus verschiedenen Blickwinkeln widmen. In Teil 3 kommen zwei große Kreuzfahrtfans zu Wort und erzählen von ihren Erlebnissen.

Sie vereint nicht nur das Geschehen rund um die Finanzmärkte – beide sind auch bekennende Kreuzfahrer: Investor und Kapitalmarktstratege Christian W. Röhl (CWR) hat mit seiner Frau Christina im vergangenen Jahrzehnt mit 13 Schiffen auf 35 Reisen 106 Destinationen gesucht. marktEINBLICKE-Mitherausgeber Christoph A. Scherbaum (CAS) kommt bei neun Reisen in drei Jahren auf 20 Destinationen. Ein lockeres Gespräch über Passagiere, die besten Kabinen, das Zuspätkommen beim Auslaufen und natürlich die Schiffe selbst.

Links: Christian W. Röhl mit Frau Christina und Nachwuchs, Rechts: Christoph A. Scherbaum (Bildquelle: markteinblicke.de)

Warum geht Ihr so oft auf Tour mit einem Schiff?

CWR: Weil man mit dem Schiff die Welt erkunden kann – und gleichzeitig ein komfortables Zuhause für einen erholsamen Urlaub hat. Und weil es so viele magische Momente gibt während einer Kreuzfahrt: Das Ablegen und Anlegen, Aufbruch und Ankommen…

CAS: … und dazwischen mit einem Gin Tonic und einem Aperol Spritz sowie bei den Kids mit den Cocktails Dodo und Itzi (AIDA) in der Hand Arm in Arm an der Reling stehen und auf’s Meer schauen. Mee/hr geht nicht – das ist immer wieder auf’s Neue unbeschreiblich schön. Das ist Urlaub, das ist Abschalten.

CWR: Dazu gibt es natürlich immer wieder Highlights wie die Einfahrt morgens früh in New York. Um 5.00 Uhr unter der Verrazano Bridge durch und dann den Sonnenaufgang aus derselben Perspektive erleben wie einst die Pioniere – Erinnerung für die Ewigkeit. Oder die Elbpassage nach Hamburg, von Cuxhaven durchs Alte Land und dann am Schulauer Fährhaus vorbei nach Blankenese.

CAS: Nicht zu vergessen das Einlaufen in Madeira am frühen Morgen mit dem wunderschönen Lichtermeer der Hauptstadt. Dafür stehst Du im Urlaub um 4:50 Uhr auf – nebst Kinder, die den eigenen Fotoapparat dann zücken. Eigentlich verrückt.

Sind die Reisen über die Jahre teurer geworden?

CWR: Nein, im Gegenteil. Die Reisen sind im Durchschnitt günstiger als vor zehn Jahren. Kreuzfahrten sind ein Wachstumsmarkt. Je Jahr laufen ein bis zwei Dutzend Schiffe vom Stapel, von denen jedes ein paar Tausend Passagiere beherbergen kann. Und diese Kapazitäten wollen ausgelastet werden, weshalb Schiffsreisen vom Elite-Urlaub zum Massenmarkt geworden sind.

CAS: Man mag das vielleicht kritisch sehen, aber parallel kommt auf den Schiffen das Klassen-Denken wieder. Natürlich nicht so wie einst auf der Titanic. Aber es gibt zunehmend Bereiche, die nicht mehr für alle Gäste offen sind, sondern nur gegen Aufpreis – Essen, Wellness oder auch bestimmte Liegeflächen.

CWR: Wir investieren die Ersparnis, die wir gegenüber früher beim reinen Reisepreis realisieren, gerne in A la Carte-Essen. Und diesbezüglich stimmt das Klischee schon: Wer auf einer Kreuzfahrt nicht zunimmt, hat etwas falsch gemacht! (lacht)

Bildquelle: markteinblicke.de

Wie alt sind die Passagiere, alles nur Altersheim?

CWR: Beim langjährigen ZDF-Traumschiff, der altehrwürdigen „MS Deutschland“ – inzwischen außer Dienst – soll „MS“ ja laut Christoph Maria Herbst („Stromberg“) für „Mumienschieben“ gestanden haben. Aber so kennen wir das nicht. Wenn man nicht gerade mit der „Queen Mary 2“ über den Atlantik schippert, gibt’s an Bord einen bunten Alters-Mix von 0 bis 99 Jahre.

CAS: Da ich ausschließlich nur die Zeiten der Ferien nutzen kann, um an Bord mit Kind und Kegel anzuheuern, kann ich mich über den Mangel an jungem Publikum, also Familie & Co nicht beschweren. Der Kids-Club ist dann auch recht schnell voll – ebenso die Pool-Bar…

CWR: Auf den Nordsee- und Ostsee-Routen mit viel Kulturprogramm und Start/Ziel in Hamburg, Warnemünde oder Kiel ist das Durchschnittsalter natürlich höher. Aber wer im Sommer im Mittelmeer fährt, trifft wahnsinnig viele junge Leute und hat richtig Partystimmung an Bord. Und im Frühjahr in der Karibik geben die „Mittelalten“ richtig Gas.

Welches Schiff passt zum welchem Passagier-Typ?

CWR: Wer Highend-Premium-Luxus will, reist mit der „Europa“ oder der „Europa 2“, sozusagen die Yachten unter den Kreuzfahrtschiffen. Ebenfalls ganz oben angesiedelt sind die Seabourn-Schiffe sowie die bereits erwähnte „Queen Mary 2“.

CAS: Ansonsten ist es auch die Grundsatzfrage: Deutsch oder nicht? Deutsch als Bordsprache gibt’s beim heimischen Marktführer Aida oder auf der „Mein Schiff“ von TUI – wobei letztere auf All-inklusive setzt. Muss man mögen. Ich selbst bin bekennender AIDA-Fan, meine Kinder auch – die Clubbies Alwine, Itzi, Dodo und Achwasachwas sind bei uns zu Hause omnipräsent.

CWR: Auch auf den großen internationalen Schiffen gibt es inzwischen zumindest deutschsprachige Gäste-Betreuung oder auch Ausflüge mit deutschsprachiger Reiseleitung. Wer’s sehr zwanglos mag, darf sich mal Norwegian Cruise Lines anschauen, Schnäppchenjäger werden öfters bei den italienischen Reedereien (Costa, MSC) fündig… und wenn’s neben Jeans am Abend auch mal „Black Tie“ sein darf (nicht muss!), vielleicht Royal Caribbean. Zu denen gehören auch die größten Schiffe der Welt, mit 6.000 Passagieren und 3.000 Mann Besatzung sozusagen eine kleine Stadt. Hört sich furchtbar trubelig an, aber die Schiffe sind so durchdacht, dass man selbst dort immer ein ruhiges Plätzchen findet – auch außerhalb der Kabine.

Bildquelle: Pressefoto TUI Group

Wo sind die besten und leisesten  Kabinen?

CWR: Inzwischen gibt’s sogar Innenkabinen mit videoanimiertem Bullauge, aber wir brauchen einen Balkon und die Balkonkabinen sind eigentlich immer gut gelegen. Oben schaukelt’s halt ein bisschen mehr bei heftigem Seegang, unten merkt man’s eher. Aber der Ausblick spricht halt klar für oben!

CAS: Ansonsten gilt: Je weiter hinten und unten man ist, umso mehr hört man die Schiffsschraube oder wird morgens beim Anlegen vom Seitenstrahlruder geweckt. Das ist dann Marine pur! Muss aber nicht sein in den Ferien. In der Nähe der Aufzugsgänge kann’s etwas laut werden.

CWR: …. unser Favorit sind deshalb Kabinen, die irgendwo mittschiffs angesiedelt sind, sozusagen zwischen Essen und Fitness.

Was packe ich für die Kreuzfahrt ein?

CWR: Auch wenn es auf Schiffen wie Aida oder Mein Schiff sehr ungezwungen zugeht (also ohne Smoking oder Dinnerjacket): Lange Hose zum Abendessen ist für die Herren Pflicht… und das sollte keine Jogginghose sein. Auch wird es selbst auf Spaßschiffen nicht als spießig empfunden, wenn das starke Geschlecht am Abend ein Freizeithemd statt T-Shirts der Marke „Bier formte diesen schönen Körper…“ trägt.

CAS: In der heutigen Zeit auch wichtig – zwar haben die meisten Schiffe erst wenige Jahre auf dem Buckel, trotzdem sind immer viel zu wenige Steckdosen in der Kabine für all die Handys, iPads, Kindles, Kameras etc., die man so mitschleppt. Eine Mehrfachsteckdose ist deshalb durchaus nützlich.

CWR: Ja, es soll Kreuzfahrer geben, die nach der Ankunft erst einmal das Zimmer professionell verkabeln.

CAS: Ansonsten gibt’s natürlich alles auf dem Schiff… wobei Körperpflegeartikel schon ziemlich teuer sind. Muss ja alles ans andere Ende der Welt transportiert werden! Gleichzeitig ist Übergepäck im Flieger auch nicht billig. Aber im Mittelmeer-Raum oder in den USA kann man vieles von dem, was man so braucht, lokal in der Drogerie kaufen.

CWR: … in die Karibik hingegen sollte man gut ausgestattet reisen.

CAS: Wichtig ist auch, was man NICHT mitnehmen sollte: Heizkissen, Bügeleisen, Tauchsieder… sind an Bord nicht erlaubt und werden bei der Gepäckkontrolle garantiert aussortiert. Außerdem braucht es so etwas eh nicht: Heißes Wasser gibt’s an jeder Bar und alle Schiffe, auf denen wir waren, hatten einen Waschsalon mit Bügel-Möglichkeit.

CWR: Überdies ein Tipp für Paare: Dass im Flugzeug ein Koffer weg oder nicht mitkommt, ist unwahrscheinlich – kann aber passieren. Bei stationärem Urlaub ist das nicht so schlimm, aber gerade wenn das Schiff in Regionen unterwegs ist, wo nicht jeden Tag ein paar Dutzend Flieger von und nach Europa gehen, kann es dauern, bis der Koffer nachgeliefert wird… und dann spielen sich an Bord tragische Szenen ab, wenn Vaddis Klamotten da sind, aber die Muddi nicht mal ’nen Ersatzschlüppi hat. Deshalb auch hier die gute alte Investment-Regel: Nicht alle Eier in einen Korb, nicht alle Klamotten in einen Koffer, sondern in jeden Koffer ein paar Sachen für SIE und IHN.

Bildquelle: Pixabay / DocLawson

Habt Ihr schon mal ein Schiff „verpasst“ …?

CWR: Nein – auch wenn’s manchmal ziemlich knapp war. Aber wir haben es schon mitbekommen, dass das Schiff ablegt und während des Anlegemanövers plötzlich Nachzügler die Pier entlang rennen. Muss ein schönes Gefühl sein, unter dem Beifall von ein 1.000 Leuten zuzusteigen!

Aber Spaß beiseite. Wer auf eigene Faust unterwegs ist, muss sich des Risikos bewusst sein: Ob das Schiff wartet oder nicht, ist Entscheidung des Kapitäns und nicht jeder ist so entspannt wie der großartige Hanjo Müller, der in Ajaccio mal eine Stunde auf zwei Fußballfans gewartet hat, die auf dem Rückweg vom Sonntagsspiel im Stau gesteckt haben…

CAS: .. es gab auch schon mal die Situation, dass verspätete Passagiere mit dem Lotsenboot „nachgeliefert“ wurden. Solche Aktionen können allerdings richtig ins Geld gehen. Gerade im Mittelmeer-Raum sind Italiener & Co sehr schnell mit den Extra-Gebühren dabei. Also lieber pünktlich an Bord und das Geld entspannt in einen guten Topfen investieren und auf den schönen Landgang anstoßen!


Witzigkeit kennt keine Grenzen – Eine Handvoll Kreuzfahrer-Sprüche

  • „Wieso gibt’s hier auf dem Schiff kein Kabelfernsehen?“ [Antwort: „Letzte Reise hatten wir’s noch, aber dann hat der Käpt’n zu viel Gas gegeben und das Kabel ist gerissen.“]
  • „Schläft die Crew auch hier an Bord?“ [Antwort: „Nur die Offiziere. Die anderen werden abends zum Schlafen mit dem Rettungsboot an Land gebracht.“]
  • Zwei ältere Damen an der Reling: „Schau mal, ein Deckoffizier… die Reederei denkt auch wirklich an alles.“
  • Wer seekrank ist: Vor dem Ablegen Pfefferminztee trinken und Schokolade essen. Hilft zwar auch nicht, aber wenn’s Essen hochkommt, schmeckt’s nach After Eight.

Hier geht es zurück zu Teil 1.

Hier geht es zurück zu Teil 2.

Dieser Beitrag ist ein Stück aus marktEINBLICKE – dem Quartals-Magazin der marktEINBLICKE.de-Redaktion für Geldanlage und Lebensart. Erhältlich am Kiosk, als Online-Ausgabe oder im Abo. www.markteinblicke.de

Bildquelle: markteinblicke.de

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