Bildquelle: Pixabay / Engin_Akyurt

Das Wochenminus im DAX von 1,5 Prozent stammte von einem einzigen Handelstag und einer nicht ganz neuen Situation: Der aufkeimenden Türkei-Krise am Freitag. Sie sorgte für Unmut bei den Anlegern und wirkte sich massiv auf den Währungsmarkt aus. Hierzu finden Sie die Hintergründe und einen Ausblick auf den Deutschen Aktienmarkt.

DAX-Sturz am letzten Handelstag

Relativ wenig Volumen und teilweise sehr geringe Bewegungen ließen auch diese Sommerwoche im DAX ruhig anlaufen. Von der Unterstützung bei rund 12.500 Punkten ausgehend, bewegte sich der Deutsche Aktienindex erneut auf die oberen Markierungen aus der Vorwochenanalyse zu, welche ich hier noch einmal abbilde:

DAX kneifft | Quartalsergebnisse überzeugen an Wall Street
DAX kneifft | Quartalsergebnisse überzeugen an Wall Street

Damit wurde der anvisierte Trading-Bereich erst einmal durchschritten. Zwischen 12.538 im Tief und 12.738 im Hoch gab es kaum nennenswerte Bewegungen im Index bis zum Freitag. Einzelwerte bestimmten das Geschehen, wie die tollen Geschäftszahlen von Adidas oder auch die schweren Auflagen an die Linde AG. Beide Werte waren jeweils die Ausreißer bei den DAX-Aktien auf der positiven und negativen Seite. Doch am Freitag setzten sich die Bären letztlich durch – mit Anlauf sogar. Hierbei wurde die Zone um 12.520 – anders als in den Wochen zuvor – unterschritten. Im Chartbild hat sich damit ein Verkaufssignal bemerkbar gemacht, auf dass vor allem die Range-Trader vorher acht geben mussten. Denn hier rasselten Stopps in den Markt und verstärkten den Druck sogar:

Damit war der „Weg frei“ bis zur nächsten Unterstützung im Chartbild. Auch dies hatte ich in der Vorwoche optisch vermerkt und weise noch einmal darauf mit Bild und Zitat hin:

Was man aus dem Chartbild noch ableiten kann und muss, ist die Gefahr bei einem Unterschreiten dieses gelben Bereichs. Unter 12.480 Punkten etwa könnte es sehr ungemütlich werden und eine hohe Anzahl an Stopps die Kurse belasten. Treffen diese auf geringes (Sommer-)Volumen, ist eine schnelle Bewegung vorprogrammiert. Im ersten Anlauf vielleicht „nur“ bis zur 12.380/12.420, um die Tiefs der zweiten Juliwoche noch einmal zu testen.

 

Mit 12.390 Punkten traf der DAX somit auf diese weitere Unterstützung. Sie resultiert aus dem Tiefpunkt vor genau 4 Wochen und ist in diesem aktuellen Chart noch einmal aufgezeigt:

Mit zwei Prozent Verlust am Freitag wurden alle Gewinne der Woche ausgelöscht und der Kalendermonat August hat aktuell 3 Prozent Minus inne. Kann diese kleine Unterstützung sich etablieren und warum kam es es zu diesem Abverkauf?

Was steckt hinter der Türkei-Krise?

Der Streit begann nicht zwischen Europa und der Türkei, wie man meinen könnte, sondern vielmehr zwischen Donald Trump, als US-Präsidenten, und dem Türkischen Präsidenten Erdogan. Hierbei spielen Strafzölle eine wichtige Rolle, die beidseitig angedroht wurden. Das alleine ist jedoch nur die halbe Story, denn Erdogan hat bereits mit dem Russlandchef Putin telefoniert. Hierbei ging es unter anderem um Syrien, was nach einem anfänglichen Wirtschaftsstreit auch schnell in eine militärische Auseinandersetzung umschlagen könnte. Immerhin gehört die Türkei auch seit 1952 der NATO an.

Während diese Punkte für Verunsicherung sorgten, litt zuerst die Türkische Lira als Landeswährung der Türkei. Inländische Unternehmen können teilweise Kredite nicht mehr bedienen. Insgesamt geht es um Verbindlichkeiten der türkischen Firmen (ohne den Finanzsektor) in Fremdwährungen von rund 200 Milliarden Dollar. Wie alle Kredite sind auch diese mit Fälligkeiten versehen. Davon werden laut der Süddeutschen Zeitung in den nächsten zwölf Monaten allein 66 Milliarden Dollar fällig – eine gefährliche Schieflage.

Gegenmaßnahmen aus dem eigenen Land, wie der Appell an alle Landsleute, Geld in Lira zu tauschen und sie zu stärken, verfehlten bisher ihre Wirkung. Nicht einmal der Zinssatz von mehr als 16 Prozent stützt die Währung aktuell. Darüber hatte ich bereits Ende Mai mit Bauchschmerzen berichtet:

Rettung der Türkischen Lira: Politik trifft auf Marktwirtschaft

Mittlerweile muss selbst der Staat um 20 Prozent zahlen, wenn er sich am Kapitalmarkt refinanzieren möchten. Europäische Banken leiden mit, insofern sie bereits Anleihen besitzen oder an türkischen Banken und Firmen beteiligt sind. Die Redaktion von wallstreet-online titelte sogar von einem „Radioaktiven Niederschlag„, der europäische Großbanken treffen könnte.

Genau dies ist die Angst, die auch auf die Einheitswährung EUR/USD überschwappte. Am Freitag brach dort eine mittelfristige Unterstützung, deren Bruch wohl nur eine Frage der Zeit in diesem Umfeld war, wie ich auf Facebook darstellte:

Der Bruch ist sogar im Tageschart sehr deutlich zu sehen und notierte das erste Mal seit Juli 2017 kurz unter der Marke von 1,14:

Könnte dies den DAX ggf. stützen?

Chartanalyse DAX KW33

Es bleibt die Frage im Raum stehen, ob die gezeigte kleine Unterstützung um 12.380 bis 12.420 nur eine Zwischenstation der Bären war. Sie ist im Tageschart recht schwach, da es nur wenige Auflagepunkte gibt. Dennoch halte ich sie hier fest:

Hält dieser Bereich nicht, wären wir bei weiterem Abgabedruck in einer bärishen Bewegung durchaus bis 12.120 Punkte nicht mehr groß unterstützt. Dies ergibt sich ebenfalls aus dem Tageschart:

Bullish sollte man erst wieder sein, wenn der Rebound, den es sicher nach so einem Rutsch immer wieder geben wird, den DAX über 12.520 führt. Dann ist die ehemalige gelbe Unterstützung, die nun zum Widerstand im Chartbild fungiert, durchaus wieder spannend und lockt Käufer an bzw. lässt Bären aus dem Markt aussteigen. Hierbei ist zur Orientierung auch die fallende Trendlinie zu nutzen, welche ich bereits in der Vorwoche in das Chartbild einzeichnete. Sie ist jedoch aktuell rund 300 Punkte vom aktuellen Kurs entfernt:

Abseits der Türkei und Donald Trump sind auf jeden Fall das BIP am Dienstag aus Deutschland und der EU, die Einzelhandelsdaten am Mittwoch aus den USA und die EU-Verbraucherpreise am Freitag im Wirtschaftskalender interessant. Hier könnte abseits der Politik gerne wieder ein wirtschaftlicher Impuls die Märkte bewegen – wenn es nach mir ginge. Ansonsten nehmen wir die Kurse und Meldungen wie sie kommen und managen unser Risiko.

Soweit mein Vorsatz und die Orientierung für die kommende Woche,

viel Erfolg vorab wünscht Andreas Mueller (Bernecker1977)

andreasmuellerAndreas Mueller ist unter dem Pseudonym „Bernecker1977“ als Trader, Referent und Coach seit 2001 aktiv. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs. Dabei basiert sein Trading auf Sentimentdaten und Charttechnik. Als studierter Diplom-Kaufmann streut Andreas Mueller seine Erfahrungen u.a. auf wallstreet-online seit dem Jahr 2005 in den „Tages-Trading-Chancen“ ein und ist dort Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen. Auf markteinblicke.de analysiert er den DAX mit Hilfe der Charttechnik. Weitere Informationen erhalten Sie in seinem Facebook-Kanal und auf seinem Blog www.bernecker1977.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Original abrufbar unter Trading-Treff.de bezieht sich auf den DAX (ISIN DE0008469008 | WKN 846900) und dem EUR/USD.

Bildquellen: Andreas Mueller / Pixabay / Engin_Akyurt

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[…] Türkei-Krise den Bären in die Hände spielt, titelte ich bereits in der Vorwochenanalyse (an dieser Stelle nachzulesen) und erörterte dabei die Punkte im Zusammenspiel mit der Türkei selbst. Daran hat sich […]

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[…] Trotz dieser eher langweiligen Handelswoche gab es natürlich auch im Chartbild einige spannende Situationen. Vor allem der Wochenstart hatte es in sich, denn hier wurde noch einmal die Unterstützung aus der vorherigen Wochenanalyse (zum Nachlesen) bestätigt: […]