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Neben Gold gilt Silber als das zweitwichtigste währungähnliche Gut auf der Welt. Der Rollentausch der beiden Edelmetalle liegt inzwischen anderthalb Jahrhunderte zurück. Da Silber etwa 20-mal häufiger vorkommt, spielt es inzwischen in vielen Lebensbereichen eine Rolle – ganz abseits seiner Rolle als Wertspeicher.

Jahrtausende alte Tradition. Silber wird seit anderthalb Jahrtausenden von den Menschen überall auf der Welt verarbeitet. Egal ob Assyrer, Griechen oder Römer – alle nutzten das Metall als Basis für Münzen oder Schmuck. Stammte das Silber zu Beginn vor allem aus Vorkommen in Griechenland oder Vorderasien, wurden im Laufe der Zeit immer mehr Silbervorkommen entdeckt und ausgebeutet.

Silberbergbau in Deutschland. Man mag es kaum glauben, aber im Mittelalter waren Silberbergwerke in Mitteleuropa die weltweit wichtigsten Förderstätten. Neben den deutschen Mittelgebirgen wie dem Harz, dem Erzgebirge oder dem Schwarzwald waren es die Alpen, die in dieser Zeit ihre Silbervorkommen einbüßten.

Der kleine Tiroler Ort Schwaz war dank der Entdeckung gewaltiger Silber- und Kupfervorkommen im 15. und 16. Jahrhundert die größte Bergbaumetropole Europas mit 20.000 Einwohnern. Doch nicht nur im heutigen Österreich, sondern auch in Deutschland finden sich solche Silberstädte – Goslar, das sächsische Freiberg oder das badische Haslach. Letzteres fand aufgrund seiner bedeutenden Silbererzvorkommen sogar Einzug in das Badnerlied.

Aber nicht alle Ortschaften mit Silberbezug konnten sich über die Zeit retten. Von den einstigen Bergbausiedlungen am Schauinsland – dem Hausberg des südbadischen Freiburg – ist so gut wie nichts mehr erhalten. Lediglich ein Besucherbergwerk zeugt noch heute von den jahrhunderte-überdauernden Aktivitäten.

Südamerika toppt alles. Rohstoffförderung ist in Deutschland heute kaum noch vorhanden. Nur die Förderung von Stein- und Braunkohle wird aktiv betrieben. Hinzukommen einige Ölförderanlagen sowie kleinere Bergwerke mit speziellem Fokus. Eine davon ist eine Besonderheit: die Grube Clara im Schwarzwald. In einer der mineralienreichsten Gruben der Welt werden die Industrieminerale Schwerspat und Flussspat unter Tage gewonnen – jährlich etwa 160.000 Tonnen Roherz. Silber ist dort zwar ebenfalls zu finden, spielt aber keine Rolle mehr. Das Gros des heute geförderten Silbers kommt aus Nord- und Südamerika.

Insgesamt werden laut dem United States Geological Survey jährlich etwa 25.000 Tonnen Silber gefördert, davon kommen 40 Prozent aus Mexiko und Peru. Daneben wird Silber aber auch in China, Russland und Polen in größerem Maßstab abgebaut. Recycling spielt daher bei Silber im Gegensatz zu Gold eine Nebenrolle. Der in einem Jahr weltweit angefallene Elektroschrott enthält rund 1.600 Tonnen Silber mit einem Wert von etwa 900 Mio. Euro. Dagegen sind 500 Tonnen Gold im Wert von fast 19 Mrd. Euro im Elektroschrott enthalten.

Einer der Hauptgründe ist die Verfügbarkeit von Silber. Derzeit sind weltweit etwa 530.000 Tonnen an Silbervorkommen bekannt. Die größten Vorkommen mit jeweils rund 90.000 Tonnen sind dabei in Peru, Australien und Polen beheimatet.

Silber als Münzmetall. Die Bedeutung von Silber im Mittelalter rührte von der Verwendung als Münzmetall. Die Preisbildung war von Region zu Region unterschiedlich. Erst mit der Einführung des Silberfixings 1897 in London wurde die Preisbildung nachvollziehbar. Doch da war Silber als Münzmetall schon auf dem absteigenden Ast. Auslöser hierfür war der Goldstandard, der ab 1870 Stück für Stück umgesetzt wurde. In Deutschland war dies 1871 der Fall.

Spekulationsobjekt Silber. Im Gegensatz zu Gold hat Silber nicht unbedingt den Ruf eines sicheren Hafens. Die Werthaltigkeit allein aus dem Material heraus ist zwar als Edelmetall ebenso gegeben. Dennoch ist der Ruf einfach nicht (mehr) unbefleckt.

Einer der Gründe ist die Silberspekulation der Brüder Hunt in den 1970er-Jahren. Diese erwarben zusammen mit vermögenden Geschäftsleuten aus Saudi-Arabien riesige Mengen an Silber sowie Silberkontrakten an den Warenterminbörsen und manipulierten den Preis auf ein Rekordhoch. Zwar wurden in der Folge drastische Regulierungen für den Rohstoffhandel erlassen. Der Ruf von Silber war aber dennoch dahin.

Notenbanken setzen auf Gold. Die führenden Notenbanken investieren schwerpunktmäßig in Gold und nicht in Silber. Silber wird stattdessen in Industrie und Schmuckherstellung eingesetzt und hat auch dadurch einen weniger edlen Charakter als Gold. Dennoch hoffen Silberfans immer auf die „Erholung“ des Silberpreises. Die Argumentation ist dabei stets dieselbe: Der Goldbestand ist begrenzt und wird preislich durch die Notenbanken stark beeinflusst. Sachwert-orientierte Anleger müssten also zwangsläufig irgendwann auf Silber umschwenken. Doch die Realität sieht anders aus. Silber ist weitaus schwankungsanfälliger und bietet sich eher als Spekulationsobjekt, denn als wertstabiles Investment an.

Die Gold-Silber-Ratio. Einer der Gründe, warum Silberfans dennoch auf den Goldpreis schauen liegt im sogenannten Mint Act aus dem Jahr 1792 begründet. Damals fixierte die US-Regierung anlässlich der ersten amerikanischen Münzprägung den Goldpreis auf 20,67 US-Dollar je Unze und den Silberpreis auf 1,29 US-Dollar je Unze. Daraus ergibt sich ein Preisverhältnis je Unze von 1 zu 16. Im Verlauf der Jahrhunderte konnte dieses Verhältnis nicht mehr gehalten werden und war daher auch immer nur kurze Zeit existent – zuletzt 1979/1980.

Solche Verhältnisse taugen in der Realität aber wenig, denn sie schwanken aufgrund der viel einfacheren Förderung. Dennoch sieht so mancher Silberfan das Verhältnis von damals als langfristig wieder erreichbar an. Bei einem wertstabilen Goldpreis würde dies eine deutliche Verteuerung von Silber bedeuten. Letztlich muss jeder selbst wissen, was Silber für einen bedeutet und welchen Wert man dem Edelmetall beimisst.


Was ist Silber?

Silber ist ein Edelmetall und chemisches Element mit dem Elementsymbol Ag, was vom lateinischen Wort Argentum abstammt. Silber weißt die höchste elektrische Leitfähigkeit sowie die höchste thermische Leitfähigkeit aller Metalle aus. In der Natur kommt Silber sowohl in Körnern und kleinen Nuggets als auch in sulfidischen Mineralen vor. Dabei muss Silber durch chemische Prozesse von den anderen Mineralen getrennt werden.


Münzprägung in Deutschland

In Deutschland wird heute noch in fünf staatlichen Münzen Geld geprägt. Man erkennt die Prägeorte an den jeweiligen Buchstaben, die klein auf der Münze zu sehen sind. Dabei stehen folgende Buchstaben für die Prägeorte:

A Berlin (ehem. Königreich Preußen)

D München (ehem. Königreich Bayern)

F Stuttgart (ehem. Königreich Württemberg)

G Karlsruhe (ehem. Großherzogtum Baden)

J Hamburg (Hansestadt Hamburg)

Die Berliner Münze bietet in ihren Räumlichkeiten eine Dauerausstellung über die Münzprägung in Deutschland. Neben der Euro-Münzprägung wird dort die jahrhundertelange preußische Geschichte sowie das Münzwesen der DDR beleuchtet. www.muenze-berlin.de


mE-Tipp:

Grube Clara

Die Grube Clara ist eine der zwei mineralreichsten Gruben der Welt – hier wurden bereits über 400 verschiedene Mineralien gefunden, einige sogar weltweit zum ersten Mal. Zwischen April und Anfang November besteht die Möglichkeit, in einem besonders abgetrennten Areal zwischen Wolfach und Kirnbach auf dem Gelände der Aufbereitungsanlage der Grube Clara Steine zu klopfen und auf die Suche nach den Schätzen aus dem dunklen Bauch der Erde zu gehen. Das Material wird täglich ausgetauscht, Erfolgserlebnisse sind also garantiert. www.mineralienhalde.de

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