Bildquelle: Pressefoto Goldcorp.

Kennen Sie Molycorp, Ucore Rare Metals oder Lynas? Vor Jahren galten diese Unternehmen als die neuen Superstars auf dem Parkett. Rohstoffunternehmen, sogenannte Explorer, die als die großen Profiteure des Megatrends Seltene Erden gefeiert wurden. Und heute?

An den Börsen kommen immer wieder sogenannte „Megatrends“ auf. Spezielle Themen werden hochgejubelt. Der Herdentrieb ist dann auf dem Parkett in vollem Gange. Viele dieser (Mega-)Trends entpuppen sich tatsächlich als Zukunftstrends, andere verschwinden genauso schnell von der Bildfläche wie sie aufgetaucht sind.

Ein Beispiel für letzteres sind die Seltenen Erden. Sie haben vor einigen Jahren viele Investoren regelrecht verrückt gemacht. Es gab kaum einen Aktienbrief, der nicht über die großen Chancen von Minenunternehmen aus dem Bereich Seltene Erden berichtet und diese hochgelobt hatte. Viele Versprechen von damals haben sich nicht erfüllt, trotzdem ist das Thema auch heute nicht vollständig aus den Köpfen verschwunden. Denn einige Unternehmen sind weiterhin am Markt aktiv und rechnen sich unter anderem dank eMobility ganz neue Chancen aus. Zumal die Argumente von damals auch heute noch vorgebracht werden können.

Eine Einordnung. Zu den Metallen der Seltenen Erden oder Seltenerdmetallen (engl. Rare-Earth-Elements, REE’s) werden in der Regel 17 Elemente gezählt. Scandium, Yttrium. Im Periodensystem der Elemente haben diese die Ordnungszahlen (21) und (39). Hinzu kommen die so genannten Lanthanoide, aus der Lanthanreihe. Diese befinden sich im Periodensystem zwischen den Ordnungszahlen 57 und 71. Los geht es mit Lanthan (57) und den 14 Elementen, die auf Lanthan folgen: Cer (58), Praseodym (59), Neodym (60), Promethium (61), Samarium (62), Europium (63), Gadolinium (64), Terbium (65), Dysprosium (66), Holmium (67), Erbium (68), Thulium (69), Ytterbium (70) und Lutetium (71).

Um es klarzustellen: In unserer Erdkruste kommt von den Seltenen Erden lediglich Promethium richtig selten vor. Die anderen „Seltenen Erden“ verdienen diesen Namen eher nicht. Viele von ihnen kommen sogar häufiger vor als Gold. Trotzdem ist die Verknappung bei den Seltenen Erden allgegenwertig. Die Vorkommen sind zwar häufig, jedoch nicht besonders groß. Die Förderung ist extrem aufwendig und in vielen Fällen sehr stark umweltbelastend und aufgrund einiger Nebenprodukte auch radioaktiv, was die Kosten und Auflagen enorm in die Höhe steigen lässt.

China hat ein Quasi-Monopol auf die Seltenen Erden. Laut Daten der US Geological Survey war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Jahr 2017 für rund 81 Prozent der weltweiten Minenproduktion von Seltenen Erden verantwortlich. Australien kam auf etwa 15 Prozent. Sämtliche andere Länder kommen lediglich auf verschwindend geringe Anteile. Während das Angebot fast vollständig von China bedient wird, steigt die Nachfrage nach Seltenen Erden immer weiter. Gerade deshalb schreckt man im Rest der Welt jedes Mal auf, wenn China den Export von Seltenen Erden drosselt.

Seltene Erden werden in vielen Zukunftstechnologien eingesetzt. Aus unseren Smartphones sind sie, auch wenn sie nur in sehr kleinen Mengen vorkommen, kaum noch wegzudenken. Andere High-Tech-Produkte wie Computer oder Digitalkameras sehnen sich ebenfalls nach den Seltenen Erden. In Smartphones wird beispielsweise Neodym für den Lautsprecherbau verwendet, Praseodym ist im Bereich der Leiterplatten zu finden, während Yttrium, Gadolinium, Europium oder Cer in den verwendeten LEDs zu finden sind.

Rohstoff für Hightech. Kürzlich hat der japanische Automobilkonzern Toyota den weltweit ersten hitzebeständigen Magneten entwickelt, der mit weniger Seltenen Erden auskommt. Laut Konzernangaben benötigt der von Toyota neu entwickelte Magnet weder Terbium (Tb) noch Dysprosium (Dy) – zwei besonders Seltene Erden, die begrenzt verfügbar, teuer und in geopolitisch risikoreichen Regionen zu finden sind.

Toyota sieht in Motoren, in anderen Bereichen wie der Robotik, weitere Einsatzmöglichkeiten des neuen Magnettyps, neben dem Einsatz in Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Die Japaner rechnen damit, den Einsatz innerhalb von zehn Jahren Hochleistungsmotoren elektrifizierter Fahrzeuge auszuweiten, was für die Umwelt ein langer Zeitraum sein könnte. Schnellere Lösungen sind gefragt.

Spekulation vs. Risiko. Das Zusammenspiel von einer erwarteten Nachfragesteigerung und eines knappen Angebots lässt Anleger auf steigende Preise für Seltene Erden spekulieren. Auch heute noch. Allerdings kann man nur schwer direkt in die Seltenen Erden investieren.

Besonders gerne werden Aktien von Minengesellschaften gekauft, die sich dem Abbau solcher Metalle verschrieben haben. Börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds) sind ebenso eine beliebte Möglichkeit. Allerdings waren die Risiken schon in den Jahren 2010/11, als das Thema an der Börse Hochkonjunktur hatte relativ groß – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Minenbetreiber, die sich auf den Abbau von Seltenen Erden spezialisiert haben, sind nicht selten im Penny-Stock-Bereich zu finden. Die Handelbarkeit solcher Werte lässt manchmal zu wünschen übrig. Die Abhängigkeit von nur wenigen, manchmal nur einem Minenprojekt, sorgt für zusätzliche Risiken.

Verschuldung ein (Mega-)Trend. Zudem ist die Verschuldung in der Anfangszeit groß. Die Minen müssen erst einmal zum Laufen gebracht werden. Wenn später die Preise für die Seltenen Erden fallen, Umweltauflagen erhöht werden und sich das Marktumfeld verschlechtert, kann die Schuldenlast erdrückend sein. So ist es auch zu erklären, dass es einige der damaligen Stars der Branche gar nicht mehr gibt oder sie einen schwierigen Sparkurs fahren mussten.

Als China im Jahr 2010 den Export von Seltenen Erden beschränkte katapultierte dies die Preise in die Höhe. Die Aktienkurse von Unternehmen wie Molycorp, Avalon Advanced Materials, Ucore Rare Metals oder Lynas Corporation schossen ebenfalls nach oben. Allerdings war der Spuk auch schnell wieder vorbei. Die hohen Erwartungen erfüllten sich nicht, so dass Anleger am Ende viel Geld verloren.

Der zwischenzeitliche Preissturz bei Seltenen Erden sorgte beispielswiese dafür, dass das hochgelobte US-Minenunternehmen Molycorp einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 stellen musste, zur Reorganisation und Restrukturierung seiner Schulden. Heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen Neo Performance Materials.

Für einige der tief gefallenen Branchenhelden könnte es jedoch wieder Hoffnung geben – zumindest wenn man diversen Rohstoffexperten glauben mag. Grund dafür ist das Wachstum im Bereich Elektromobilität. Seit der Diesel-Affäre will plötzlich jeder Elektroautos bauen. Von diesem Trend profitiert unter anderem die australische Lynas Corporation.

Die Lynas-Aktie erlebte zeitweise einen fast schon unglaublichen Kursverlust von 99 Prozent. Das Unternehmen verkauft ein Neodym-Praseodym-Gemisch (NdPr), das in Magneten für Elektroautomotoren benötigt wird. Die Grundstoffe werden in der Mount Weld Mine im Westen Australiens abgebaut und in Malaysia weiterverarbeitet. Das interessante dabei:

Die Mine arbeitet nicht das ganze Jahr durch. In wenigen Monaten wird genug Material gefördert, so dass die Weiterverarbeitungsanlage in Malaysia das ganze Jahr ausgelastet ist. Auch dank einer Preiserholung am Markt für Seltene Erden, konnte Lynas im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 35 Prozent auf umgerechnet 164 Mio. Euro steigern, während der Nettoverlust reduziert wurde. Sollte die Markterholung voranschreiten, könnte auch Lynas wieder zu einem Star der Branche werden. Wer weiß es schon.

Fazit. Investoren sollten sich bei Trendthemen sehr gut überlegen, in wie weit sie einsteigen. Das Anlagethema Seltene Erde ist unserer Meinung nach keines, dass ein langfristiger Aktienanleger für seinen persönlichen Vermögensaufbau ernsthaft nutzen sollte. Trends kommen schnell – sie gehen auch oftmals genauso rasch wieder…

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Bildquelle: Pressefoto Goldcorp.

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