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Schon Monate bevor US-Sanktionen in Kraft getreten sind ging es mit der iranischen Wirtschaft bergab. Trotzdem kommt der Moment der Wahrheit erst jetzt.

Der Iran befindet sich auf einer Achterbahnfahrt. Seit Aufhebung des Ölembargos sind nicht einmal drei Jahre vergangen. Diese drei Jahre nutzte der Iran so gut es ging. Die Ölproduktion wurde von knapp 3 Mio. Barrel pro Tag auf 4 Mio. Barrel nach oben geschraubt (Grafik 1).

Der Anstieg der Ölexporte war noch beeindruckender (Grafik 2). Zeitweise wurden weniger als 1 Mio. Barrel exportiert. Zu den besten Zeiten nach Ende des Embargos waren es 2,5 Mio. Barrel/Tag. Noch bevor die neuen Sanktionen in Kraft getreten sind, ging es mit den Exporten bergab.

Viele Unternehmen bereiten sich auf die neuen Sanktionen vor. Die erste Runde an Sanktionen ist vergangene Woche in Kraft getreten. Öl war davon noch nicht betroffen. Dieses folgt im November. Viele Firmen sehen allerdings schon jetzt von Ölimporten aus dem Iran ab, sodass die Gesamtexporte bereits um 300.000 Barrel/Tag sanken.

Nach aktuellem Stand der Dinge könnten die Exporte ab November zumindest auf 1,5 Mio. Barrel fallen. Dafür, dass die USA ein Importverbot von Öl aus dem Iran in der ganzen Welt durchsetzen wollen, ist das noch relativ viel. Das liegt daran, dass die Rückgänge der Exporte in Länder der EU, Südkorea und Japan durch Indien und China ausgefangen wurden (Grafik 3).

Der Moment der Wahrheit besteht nun darin: gelingt es China, Indien und auch der EU an den US-Sanktionen vorbeizuarbeiten? Aktuell werden mehrere Systeme geprüft. China versucht unter anderem ein Barter-Handel (Tauschhandel). Es wird dabei kein Geld ausgetauscht, sondern einfach nur Waren. Der Iran tauscht sein Öl z.B. gegen Autos.

Finanzströme zu vermeiden ist der sicherste Weg, um die Sanktionen zu umgehen. Abgesehen davon, dass es nur wenige Finanzinstitute gibt, die sich auf ein Abenteuer mit dem Iran überhaupt einlassen. Selbst vor Ankündigung der Sanktionen war der Handel mit dem Iran schwierig, weil keine Bank involviert sein wollte.

Russland versucht es daher über kleine Banken, die keinen internationalen Bezug haben. Die EU prüft, ob Zahlungen über die Zentralbank abgewickelt werden könnten. Das wird vermutlich nicht funktionieren. Welches Unternehmen auch immer das Geld an die Zentralbank überweist, damit diese es dann weiterleitet, dürfte ebenfalls sanktioniert werden.

Noch ist unklar wie gut die Umgehungsmechanismen funktionieren werden und ob sie überhaupt genutzt werden. Für den Iran ist das ein Problem. Es geht dabei nicht nur um kurzfristige Finanzströme, sondern auch um die Modernisierung der Wirtschaft und Infrastruktur. Ohne Importe wird daraus nichts.

Zudem ist es für den Iran mehr als nur ärgerlich, wenn es seinen Rohstoffreichtum nicht nutzen kann. Die Ölreserven sind die drittgrößten der Welt (Grafik 4). Bei Erdgasreserven kommt der Iran sogar auf den zweiten Platz weltweit. All dieser Reichtum nutzt wenig, wenn man ihn nicht exportieren kann. Ob es überhaupt soweit kommt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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