Warum Gold ins Depot gehört

Gold gilt seit Jahrhunderten als sicherer Hafen. Das gilt erst recht in Zeiten von Zollstreit und Handelskrieg! Immer neue Rekordhöhen beim Goldpreis zeigen dies.

(Bildquelle: unsplash / Zlaťáky.cz)

Die angespannte geopolitische Lage, zuletzt durch neue US-Zollankündigungen von Präsident Donald Trump verschärft, hat die weltweiten Aktienmärkte in Aufruhr versetzt. In solch unsicheren Zeiten steigt traditionell die Nachfrage nach sogenannten „sicheren Häfen“ – allen voran Gold. Seit Jahresbeginn 2025 hat das Edelmetall rund ein Viertel an Wert gewonnen und gleich mehrfach neue Rekordstände erreicht. So wurde erstmals die Marke von 3.500 US-Dollar je Feinunze überschritten.

Wichtig zu wissen: „Die beeindruckende Rallye, die die Erwartungen der meisten Analysten für das gesamte Jahr übertrifft, bedeutet, dass wir uns nun in unbekanntem Gebiet befinden.“ Darauf weist Kerstin Hottner, Head of Commodities, bei der Schweizer Bank Vontobel hin. „Traditionelle Faktoren, die einst den Goldpreis beeinflusst haben, wie die US-Inflation und die Zinssätze, sind nicht mehr die Haupttreiber. Stattdessen heizen die Unsicherheit über die Zölle und die Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum, kombiniert mit der Marktreaktion auf die Kritik an der Fed, die Nachfrage nach sicheren Anlagen an.“ Ist Gold also nur aktuell die Ultima-Ratio-Anlage?

Sicherer Hafen vs. Verbrauchsgut

Zugegeben: Goldskeptiker sagen immer wieder, dass das Edelmetall keine laufende Rendite wie Zinsen bietet. Doch um Zinsen geht es bei Gold nicht. Gold dient primär als Lebensversicherung gegen Risiken des globalen (Finanz-)Systems und der Geopolitik, das wird auch Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG, nicht müde zu sagen. Er nennt einen Goldanteil von bis zu 10 Prozent des liquiden Anlagevermögens als sinnvoll.

Da können dann auch andere Einflussfaktoren auf den Goldpreis, wie etwa die Schmuckindustrie ausgeblendet werden. Klar ist: Wenn der Preis eines Rohstoffs so hoch und so schnell steigt, kommt in der Regel irgendwann ein Nachfrageeinbruch. Der Schmuckverkauf schwächt sich bereits angesichts der Rekordpreise ab, was die Goldnachfrage beeinträchtigt.

Das Nachfragevolumen des Schmuckmarktes ist etwa doppelt so groß wie das der Zentralbanken im Jahr 2024 und daher ein wichtiger Treiber. Wenn Sie Schmuck kaufen, machen Sie das normalerweise mit einem festen Budget und nicht, weil Sie an einen bestimmten Goldanteil denken. Das reduziert die Menge an gekauftem Gold. Auch einige Zentralbanken, die in den vergangenen Jahren die Hauptquelle der Goldnachfrage waren, verfolgen einen taktischeren Ansatz und halten weitere Käufe in Erwartung eines Preisrückgangs zurück.

So unkalkulierbar die Zollpolitik von Donald Trump derzeit auch ist, so sicher ist das Vertrauen der Märkte in Gold. Dieses Kaufinteresse zeigt sich auf dem Gold-Futures-Markt und sogar bei den Zuflüssen in Gold-ETCs, die in letzter Zeit deutlich zugenommen haben. Sie liegen jedoch volumenbasiert immer noch rund 20 Prozent unter ihren Höchstständen von 2020, so dass noch viel Spielraum für eine Aufholjagd besteht.

Wie weit geht die Reise?

Hottner sieht in jedem Rückgang des Goldpreises einen attraktiven Einstiegspunkt. „Wenn die Nachfrage nach sicheren Anlagen in den kommenden Monaten stark bleibt, könnte Gold bis Mitte des Jahres, wenn nicht sogar früher, die Schwelle von 3.700 US-Dollar überschreiten.“

Ähnlich sieht das die US-Investmentbank Goldman Sachs. Dort wurde das Kursziel zu Jahresende auf 3.700 US-Dollar angehoben, mit einer Range von 3.650 bis 3.950 US-Dollar. „Sollte es zu einer Rezession kommen, könnten sich die Zuflüsse in die börsengehandelten Gold-ETCs weiter beschleunigen und den Goldpreis bis zum Jahresende auf 3.880 US-Dollar pro Feinunze anheben“, sagen die Experten.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Grundsätzlich gilt aber weiterhin der Grundsatz: Wer den langfristigen Vermögensaufbau erfolgreich vollziehen will, kommt an stabilen Blue Chips wie Baustein-Aktien nicht vorbei. Aber nicht nur in unsicheren Zeiten gilt: Gold bleibt als kleiner Bestandteil des Portfolios wichtig.

In diesem Sinne, bleiben Sie weiter engagiert (an der Börse), alle Daten der kommenden Handelswoche und Prognosen finden Sie in unserem Wirtschaftskalender.

Ihre marktEINBLICKE-Herausgeber

Christoph A. Scherbaum & Marc. O. Schmidt

Vertrag widerrufen