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Bei so mancher heißbegehrten Aktie stockt die Rally. Das ändert jedoch wenig an den langfristigen Perspektiven. Technologieaktien bleiben Geldmaschinen.

Fitch hat die Bonitätsnote Italiens vergangenen Freitag auf BBB belassen. Dafür hat die Rating Agentur den Ausblick gesenkt. Oftmals bedeutet das nichts anderes, als dass das Rating nach ca. 6 Monaten angepasst wird. Das Abrutschen Italiens in den Ramschbereich ist also aktuell nur verschoben.

Die italienische Regierung zeigte sich nach dem Entscheid geradezu ekstatisch. Das zeigt wie angespannt die Lage war. Die Nerven lagen blank. Aufgeschoben ist freilich nicht aufgehoben. Es ist auch kein rein italienisches Problem, wenn das Rating abrutscht.

Die Schulden des italienischen Staates befinden sich zu einem überschaubaren Teil in Besitz der Notenbank (Grafik 1). Italienische Privatinvestoren sind aus dem Markt fast vollständig geflüchtet. Banken halten nach wie vor einen beträchtlichen Teil der Schulden, aber auch weniger als noch vor ein paar Jahren.

Ein Großteil der Schulden befindet sich in ausländischem Besitz (Grafik 2). Der Anteil ist zwar von zwei Drittel auf 60 % gesunken, aber das ist immer noch ziemlich viel. Hätte die Notenbank nicht gekauft, sähe es anders aus. Außer der Notenbank kauft kein Inländer mehr italienische Anleihen.

Die Renditen der Anleihen sind höher als in den meisten Ländern in Europa (Grafik 3). Die Rendite ist sogar deutlich höher, als man es aufgrund des Ratings erwarten würde. Das zeigt, dass viele früher oder später eine Verschlechterung erwarten.

Bisher ist die große Krise ausgeblieben. Das haben wir dem Umstand zu verdanken, dass das Thema recht isoliert betrachtet wird. Anleger gehen nicht von einer Ansteckung aus. Den Markt hält es ruhig, wenn es als isoliertes Problem betrachtet wird. Es ist nun aber schlichtweg kein isoliertes Problem.

Das erkennt man unter anderem am Euro-Wechselkurs (Grafik 4). Steigt der Spread italienischer Anleihen gegenüber deutschen, tendiert auch der Euro zur Schwäche. Darüber hinaus halten vor allem ausländische Investoren italienische Anleihen. Einen besseren Mechanismus für die Ansteckung gibt es fast nicht.

Noch hat Italien sein Rating behalten. Rutscht es in den Junk Bereich ab, gibt es Probleme. Viele Investoren können keine Ramschpapiere halten. Sie müssten verkaufen. Wer dann einspringt, ist offen. Italienische Banken sind schon jetzt nicht besonders gut kapitalisiert. Jeglicher Verlust in der Bilanz tut weh.

Von einem Downgrading zum Kreditausfall ist noch ein weiter Weg. Der Stein darf allerdings gar nicht erst ins Rollen kommen. Gibt es ein Downgrading in den Ramschbereich, verkaufen Anleger, die Renditen steigen, noch mehr Anleger verkaufen usw. Die Zinsen sind dann schnell so hoch, dass sich der Staat die Schulden nicht mehr leisten kann. Italien muss unter allen Umständen sein Investment-Grade Rating behalten. Der Moment der Wahrheit kommt 2019 und zwar für alle.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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