Lenzing kehrt in die Gewinnzone zurück

Mit einem EBITDA-Plus von 118,8 Prozent überrascht die Lenzing Gruppe im schwierigen Marktumfeld. CEO Rohit Aggarwal bleibt jedoch vorsichtig.

Bildquelle: Pressefoto Lenzing AG; Fotograf: Markus Renner / Electric Arts
Lenzing AG (WKN: 852927 / ISIN: AT0000644505), ein führender Anbieter von regenerierten Cellulosefasern, hat im ersten Quartal 2025 trotz weiterhin schwieriger Rahmenbedingungen deutliche Fortschritte erzielt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,8 Prozent auf 690,2 Mio. Euro. Das EBITDA erhöhte sich um 118,8 Prozent auf 156,1 Mio. Euro, wozu auch Sondereffekte aus dem Verkauf von EU-Emissionszertifikaten (25,5 Mio. Euro) und biologischen Vermögenswerten (9,2 Mio. Euro) beitrugen. Die EBITDA-Marge wuchs auf 22,6 Prozent (Vorjahr: 10,8 Prozent).
Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg auf 74,3 Mio. Euro (erstes Quartal 2024: 1,5 Mio. Euro), das Ergebnis vor Steuern (EBT) lag bei 35,1 Mio. Euro (erstes Quartal 2024: minus 17,8 Mio. Euro). Nach Steuern erzielte Lenzing einen Gewinn von 31,7 Mio. Euro und kehrte damit erstmals seit dem dritten Quartal 2022 in die Gewinnzone zurück.

Die Lenzing-Zahlen überraschen

„Die Lenzing Gruppe hat ihren Erholungskurs im ersten Quartal des Jahres 2025 fortgesetzt und dank unseres Performance-Programms deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen erzielt“, kommentierte CEO Rohit Aggarwal.
Er warnte zugleich: „Die Unsicherheit der Märkte und damit auch die eingeschränkte Ergebnisvisibilität haben sich durch eine zunehmend aggressive Zollpolitik weiter verschärft. Daher werden wir nicht nachlassen und die eingeleiteten Maßnahmen entschlossen umsetzen, um den Turnaround vollständig zu vollziehen und unsere Position als führendes integriertes Faserunternehmen weiter zu stärken.“
Lenzing: Mit einem Performance-Programm wieder aus der Verlustzone gekommen. (Bildquelle: Pressefoto Lenzing AG; Fotograf: Franz Neumayr)
Das Performance-Programm zielt auf verbesserte Widerstandsfähigkeit, höhere Agilität und nachhaltige Kostensenkungen ab. Bereits 2024 wurden über 130 Millionen Euro eingespart; ab 2025 strebt Lenzing jährlich über 180 Mio. Euro Kosteneinsparungen an.
Der Free Cashflow lag bei 14,5 Mio. Euro (erstes Quartal 2024: 87,3 Mio. Euro). Die Investitionen (CAPEX) beliefen sich auf 32,7 Mio. Euro (erstes Quartal 2024: 33,4 Mio. Euro). Der Liquiditätsbestand betrug zum 31. März 2025 439,9 Mio. Euro.

Der Ausblick ist nüchtern …

Trotz eines weiterhin volatilen Marktumfelds und internationaler Handelskonflikte bestätigt Lenzing die Prognose eines höheren EBITDA für das Gesamtjahr 2025. Der Vorstand erwartet zudem eine steigende Nachfrage nach umweltverträglichen Fasern und plant weiteres profitables Wachstum mit Spezialfasern und im Bereich Nachhaltigkeit.
Analysten prognostizieren für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 2,817 Mrd. Euro und ein EBITDA von 456 Mio. Euro, was einer EBITDA-Marge von 16 Prozent entspricht.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Respekt! Lenzing hat sich aus der Verlustzone herausgearbeitet. Der kleine Gewinn im ersten Quartal macht Investoren und Aktionären Mut. Sollten sich die aktuellen Handelsrisiken etwas mildern, und die Kundennachfrage weiter anspringen, wäre Lenzing ein potenzialer Kandidat für eine wirklich erfolgreiche Turnaround-Story –  langjährige Aktionäre hoffen wohl darauf, angesichts der schwachen Kurs-Vergangenheit:
Seit 2015 weist die österreichische Aktie einen jährlichen Verlust von durchschnittlich mehr als 8,1 Prozent an Verlust  aus. Auf Sicht einer Dekade sind damit aus 10.000 Euro nur 4.825 Euro geworden. Hoffnung für eine Turnaround-Story gibt die nackte Charttechnik: Mit dem Anstieg über die 30 Euro-Marke hat die Lenzing-Aktie jüngst die 200-Tage-Linie nach oben gekreuzt, der Aufwärtstrend könnte gestartet sein.