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Als Disruption bezeichnet man einen Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst bzw. zerschlagen wird; Produkte, Dienstleistungen oder Technologien werden also ganz oder teilweise verdrängt.

Der Unterschied zu normalen Innovationen, die in allen Branchen alltäglich sind, liegt in der Art und Weise der Veränderung. Während eine Innovation eine Fortentwicklung, eine Anpassung ist, bezeichnet die Disruption einen totalen Um- oder Zusammenbruch des bestehenden Modells.

Die Idee disruptiver Innovation in der Wirtschaft lässt sich auf den österreichischen Nationalökonom und Politiker Joseph Schumpeter zurückführen, der sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte. Der Harvard-Absolvent Clayton Christensen führte 1997 aus, dass jedes noch so erfolgreiche und etablierte Unternehmen eines Tages von einer solchen Existenz beraubenden Revolution bedroht wird. Christensen beschreibt diesen disruptiven Prozess dennoch als notwendig für eine funktionierende Weiterentwicklung des Marktes.

Verlierer sind in diesem Fall zumeist große Unternehmen, die ihrerseits selbst mit einer radikalen Innovation ins Geschäft eingestiegen sind. Denn für etablierte Unternehmen sei es geradezu unmöglich, ihr Geschäftsmodell von Grund auf zu verändern. Ausschließlich Neugründer, die wenig zu verlieren und viel zu gewinnen hätten, seien in der Lage, derartige Risiken einzugehen.

Vor allem im Bereich des Internets und der neuen, digitalen Medienwelt wird häufiger von Disruption gesprochen, aber auch in der Startup-Szene gilt es als Zauberwort für Finanzierungszusagen. Doch nicht alles, was irgendwie neu und quer gedacht erscheint, ist auch disruptiv…

Ein paar Beispiele für Disruption
Kodak war der Platzhirsch bei der Fotografie, man stellte die besten Farbfilme her. Und man entwickelte als erster die Digitalkamera – um sie im Tresor verschwinden zu lassen. Inzwischen hat die Digitalkamera Kodak den Todesstoß versetzt. Das Aufkommen digitaler Fotografie hat den Markt für herkömmliche Fotoapparate und Filme vollständig zusammenbrechen lassen. Und den Digitalkameras droht das gleiche Schicksal, denn aufgrund er heutigen Smartphone-Fähigkeiten braucht kaum noch jemand eine eigenständige Kamera.

Der Einzelhandel kämpft ums Überleben, was nicht nur dem eigenen ruinösen Wettbewerbsdruck geschuldet ist, sondern der immer stärker nachgefragten Online-Konkurrenz von Amazon & Co. Obwohl Amazon (WKN: 906866 / ISIN: US0231351067) auch „nur“ Waren verkauft, wurde durch das Online-Shopping der Markt für kleine Einzelhändler zunehmend ausgedünnt und sie mussten aufgeben. Ein Trend, der inzwischen auch vor den größeren Supermarktketten und Einzelhandelsketten nicht halt macht.

Zeitungen verlieren immer mehr Leser an Online-Angebote. Der Markt hat sich gewandelt und klassische Printmedien geraten immer mehr aufs Abstellgleis. Sie verlieren Leser und damit Reichweite und damit Anzeigenkunden. Diese investieren lieber in Online-Werbung, weil sie dort immer mehr Menschen erreichen. Und aufgrund des Kostendrucks dünnen die Verlage ihre Redaktionen immer mehr aus, um Kosten zu sparen, und daher werden die Zeitungen immer weniger lesenswert. Und verlieren so weitere Leser und Anzeigenkunden.

Der Walkman war eine revolutionäre Entwicklung, machte er doch das Musikhören mobil. Und Sony zu einer Elektronik-Weltmacht. Doch kaum zwanzig Jahre später kam Apples Ipod auf den Markt und damit das Ende der Kassettengeräte. Und Apple hat noch andere Märkte zerstört. Ganz am Anfang den von Xerox und IBM, die Welt der Großrechner, als Steve Jobs den Personal Computer samt grafischer Benutzeroberfläche massentauglich auf den Markt brachte (etwa zeitgleich mit Microsoft und dessen Windows-Desktop-Programm, woraus sich eine krude Räuberballade entwickelte, wer was wann von wem gestohlen habe). Und später killte er die Handys und damit den Weltmarktführer Nokia, als er mit dem Iphone das erste Smartphone auf den Markt brachte, das über eine Touchscreen verfügte und über Wisch-Gesten bedient wurde…

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Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Michael C. Kissig / markteinblicke.de

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