Mit Strategie zum Vermögen

Rekordstände an der Börse – doch die echte Renditekomponente steckt oft in der Dividende.

(Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG)

Die Börsen zeigen sich im Frühsommer 2025 in Bestform: Der DAX kratzt an historischen Höchstständen, der S&P 500 jagt von Rekord zu Rekord, und die Euphorie um KI- und Tech-Werte lockt wieder vermehrt Privatanleger auf das Börsenparkett.

Inmitten dieses Hypes um rasante Kursgewinne gerät ein altbewährter Erfolgsfaktor leicht ins Hintertreffen – die Dividende. Dabei liefern stabile Ausschüttungen nicht nur verlässliche Erträge in stürmischen Zeiten, sondern sind historisch gesehen oft der entscheidende Renditetreiber langfristiger Investments. Denn:

Anleger richten ihren Blick bei der Auswahl von Aktien häufig ausschließlich auf die Kursentwicklung. Dabei wird ein Aspekt unterschätzt, der für den langfristigen Vermögensaufbau essenziell sein kann: die Dividende. Ausschüttungen sind weitaus mehr als ein netter Bonus – sie haben sich in der Vergangenheit als maßgeblicher Ertragstreiber für Aktionäre erwiesen.

Ein Vergleich zwischen dem DAX-Kursindex, der keine Dividenden berücksichtigt, und dem DAX-Performance-Index, der Ausschüttungen und deren Wiederanlage mit einbezieht, liefert einen eindrucksvollen Beleg für diese These.

Während der DAX-Kursindex von 1.000 Punkten im Dezember 1987 bis Ende 2024 auf etwa 19.910 Punkte kletterte, legte der DAX-Performance-Index im selben Zeitraum auf rund 24.036 Punkte zu. Der zusätzliche Ertrag von über 4.000 Punkten basiert fast ausschließlich auf reinvestierten Dividenden. Es zeigt sich: Wer auf Dividenden setzt, profitiert vom Zinseszinseffekt – und dieser entfaltet seine volle Wirkung erst mit der Zeit.

Dividenden sind ein Evergreen

In einer Welt, in der klassische Sparanlagen kaum noch Zinsen abwerfen, erleben Dividenden eine neue Blüte. Sie gelten seit Jahren als der „neue Zins“. Die regelmäßige Ausschüttung eines Unternehmens signalisiert darüber hinaus wirtschaftliche Stabilität und eine solide Gewinnsituation. Nur wer nachhaltig profitabel wirtschaftet, kann sich eine verlässliche Dividendenpolitik leisten.

Genau deshalb sind Dividenden ein Qualitätsmerkmal – insbesondere für konservative Anleger, die nicht auf schnelle Kursgewinne, sondern auf kontinuierlichen Vermögenszuwachs setzen. Wer bei der Aktienwahl jedoch ausschließlich auf hohe Dividendenrenditen achtet, greift womöglich daneben. Denn eine hohe Rendite kann auch Ausdruck eines gefallenen Aktienkurses sein – ein Warnsignal, das auf wirtschaftliche Schwierigkeiten hindeuten kann.

Die Aristokraten unter den Aktien

Stattdessen lohnt es sich, auf Unternehmen zu setzen, die ihre Ausschüttungen kontinuierlich und möglichst jährlich steigern. Diese Strategie deutet nicht nur auf stabile Erträge hin, sondern bietet auch einen verlässlichen Indikator für Kursqualität. Besonders verlässlich sind sogenannte Dividendenaristokraten – das sind Konzerne, die ihre Dividenden seit mindestens 25 Jahren Jahr für Jahr erhöht haben.

In den USA, wo die Aktienrente eine wichtige Rolle spielt, gehören viele solcher Aristokraten dem renommierten S&P 500 Dividend Aristocrats Index an. Dazu zählen weltbekannte Unternehmen wie Coca-Cola oder Procter & Gamble, die nicht nur durch ihre Ausschüttungen, sondern auch durch ihre solide Kursentwicklung überzeugen. Laut aktuellen Daten befinden sich 69 Unternehmen in diesem exklusiven Kreis – ein Zeichen für Stabilität und Investorenvertrauen. In Deutschland hingegen ist die Auswahl begrenzt – oder genauer:

Ein Blick auf den deutschen Aktienmarkt

Es gibt hierzulande aktuell streng genommen keine Dividendenaristokraten nach der klassischen Definition – also Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren ihre Dividende kontinuierlich erhöht haben. Diese Definition stammt aus dem US-Markt und ist dort auch aufgrund der Dividendenkultur realistischer erreichbar.

Allerdings gibt es in Deutschland einige Unternehmen, die besonders zuverlässig Dividenden zahlen und seit vielen Jahren zumindest stabil halten oder moderat steigern. Inoffiziell werden sie deshalb manchmal auch als „deutsche Dividendenaristokraten“ bezeichnet.

Mit Fresenius hat lediglich ein Unternehmen im DAX den Status eines Dividendenaristokraten erreicht – mit einer beeindruckenden Serie von Dividendensteigerungen seit 1993, wenn auch zuletzt mit durchwachsener Kursentwicklung.

Die Münchener Rück (WKN: 843002 / ISIN: DE0008430026) und Allianz (WKN: 840400 / ISIN: DE0008404005) wiederum gelten als die solidesten Dividendenzahler mit langer Historie, wenn auch nicht mit jährlicher Erhöhung.

Die Dividendenstrategie ist und bleibt attraktiv

Dennoch bleibt die Dividendenstrategie attraktiv. Neben dem regelmäßigen Kapitalfluss durch Ausschüttungen profitieren Anleger insbesondere vom Dividendenwachstum – jenem Faktor, der langfristig ein starkes Renditefundament legt.

Wer in Konzerne investiert, die Jahr für Jahr steigende Gewinne erzielen und davon einen verlässlichen Anteil ausschütten, sichert sich nicht nur eine stabile Rendite, sondern häufig auch überdurchschnittliche Kurszuwächse. Die Verbindung aus Dividendenrendite und Kursperformance macht solche Aktien zu einem soliden Baustein für jede langfristig ausgerichtete Anlagestrategie.

marktEINBLICKE-Fazit:

So gut der Aktienmarkt aktuell läuft und so verlockend kurzfristige Gewinne auch erscheinen mögen – den wahren Schlüssel zum Vermögensaufbau bieten Dividendenpapiere.

Mit dividendenstarken Baustein-Aktien lässt sich langfristig und planbar Vermögen aufbauen. Wer sich nicht vom kurzfristigen Hype blenden lässt, sondern auf verlässliche Ausschüttungen, solide Geschäftsmodelle und langfristiges Dividendenwachstum setzt, wird am Ende mehr erreichen – unabhängig von Marktzyklen und Börsenlaunen.

In diesem Sinne, bleiben Sie weiter engagiert (an der Börse), alle Daten der kommenden Handelswoche und Prognosen finden Sie in unserem Wirtschaftskalender.

Ihre marktEINBLICKE-Herausgeber

Christoph A. Scherbaum & Marc. O. Schmidt

Vertrag widerrufen