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China kann man eigentlich nur bewundern: hohes Wachstum, steigende Reallöhne, niedrige Arbeitslosigkeit, großer Einfluss in der Welt, … Kann China gar nichts falsch machen?

Chinas Erfolg ist kein Zufall. Das Land hat die Sowjetunion genau beobachtet und vor allem den Niedergang intensiv studiert. China sollte insbesondere letzteres nicht widerfahren. Bisher ist China nicht zerfallen, weder gesellschaftlich oder politisch, noch wirtschaftlich.

Peking hat eine sehr geschickte Mischung aus Öffnung des Landes und Planwirtschaft umgesetzt und sich dabei dem Druck anderer Länder nicht gebeugt. Zugegeben, der Druck anderer Länder war bisher auch nicht wirklich groß. Bis vor kurzem wurde China vor allem als Werkbank der Welt wahrgenommen. Wie gefährlich kann das schon sein?

Seit Trump Präsident ist, ist das anders. Ob nun China die Welt regiert oder die USA, mir persönlich ist das relativ egal. Den USA ist das natürlich nicht egal. Sie wollen den Aufstieg Chinas nun bremsen. Das kommt bei uns als Handelskonflikt an. Dahinter steckt allerdings deutlich mehr.

China exportiert viel. Auf den ersten Blick stört das die USA. Die Exporte Chinas in die USA sind aber nicht das Problem. Das Problem liegt andernorts. Es liegt in den Investitionen. China gehört zu den Ländern weltweit, die am wenigsten für ausländische Direktinvestitionen geöffnet sind (Grafik 1).

Es hat eine Öffnung stattgefunden, doch der Fortschritt war zuletzt moderat. China nutzt die Offenheit anderer Länder und kauft ganze Märkte leer und transferiert dabei Technologie. Das ist in Ordnung, solange es auch umgekehrt geht und ausländische Firmen in China Fuß fassen können.

Bisher ist ihnen das nur erlaubt, wenn sie mit einem chinesischen Partner vor Ort Geschäft machen. China hat das zu hohem Wachstum verholfen. Viel wichtiger ist aber noch, dass vor Ort produziert wird. Viele andere Entwicklungsländer haben ihre Märkte geöffnet, dann aber nur importiert. Arbeit wurde kaum transferiert und Wohlstandsvermehrung fand nur am Rande statt.

China hat diese Fehler nicht gemacht, dafür der Rest der Welt. Man hat zu lange gedacht, dass China einfach nur Werkbank ist. Jetzt wird die Rechnung präsentiert. China ist inzwischen so groß, dass es externem Druck gut standhalten kann.

Der Versuch der USA jetzt noch schnell für einen Ausgleich zu sorgen, kommt zu spät. China muss sich den USA nicht beugen. Vor 10 Jahren wäre das anders gewesen. China hat viele Dinge richtig gemacht, wenn auch nicht alle. Es hat sich unter anderem in eine schwierige Lage manövriert.

Der Erfolg ist einerseits auf die Einheitspartei und wirtschaftliche Lenkung zurückzuführen. Das funktioniert nur, wenn die staatliche Kontrolle weitreichend ist, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich. Mit einer Öffnung des Landes muss ein Teil der Kontrolle aufgegeben werden. Genau das unterwandert aber die Partei und auch die Fähigkeit, die Wirtschaft effektiv zu lenken. Will China aber den nächsten Schritt gehen und in die Fußstapfen der USA treten, braucht es weitere Öffnung. Ein Dilemma. Hier muss China erst noch beweisen, dass es wirklich nichts falsch machen wird.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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