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Der Handelskonflikt der USA mit China beschäftigt die Börse aktuell kaum noch. Das Thema ist aber noch lange nicht durch, vor allem für China nicht.

Im Handelskonflikt geht es nur sekundär um den Handel. Vielmehr trifft hier Chinas Masterplan (die USA ablösen) auf die USA, die sich an ihrer Führungsrolle festklammern. Kurzfristig wird die Handelspolitik der USA den Trend nicht aufhalten können. China wird die USA einholen. Um das aufzuhalten, ist es zu spät.

China wird langfristig allerdings große Probleme haben, seine neue Stellung in der Welt zu behalten. Diese Probleme deuten sich schon jetzt an. Ausdruck dafür ist auch der Handel. China erzielte noch vor wenigen Jahren einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als 10 % der Wirtschaftsleistung (Grafik 1).

Dieser Überschuss korreliert sehr stark mit der Spar- und Investitionsquote. Wer mehr spart als er investiert, hat einen Überschuss. Nicht jedes Land hat einen Überschuss. Die USA kämpfen mit einem Defizit. Dieses Defizit wird durch Chinas Überschuss finanziert und zeigt sich im Handel.

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Chinas Sparquote geht nun seit Jahren zurück. Das wird sich langfristig auch nicht ändern. Sparquote und arbeitsfähige Bevölkerung gehen Hand in Hand (Grafik 2). China hatte jahrelang hohes Bevölkerungswachstum. Derzeit ist der Großteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, verdient Geld und spart.

Dieser Trend wird sich allerdings umkehren. Sinkt die arbeitsfähige Bevölkerung, gibt es auch weniger Menschen, die sparen können. Konkret geht es nicht um die absolute Zahl, sondern vielmehr um das Verhältnis der arbeitenden zur nicht arbeitenden Bevölkerung. Das Verhältnis davon (dependency ratio) und Sparquote sind eng miteinander verflochten (Grafik 3).

China hat den Zenit gerade überschritten. In Zukunft sinkt die Sparquote daher zwangsläufig. Nun kommt es noch darauf an, wie sich die Investitionen entwickeln. Aller Voraussicht nach wird der Konsum Chinas aber robust bleiben. Die Investitionsquote wird weniger schnell sinken als die Sparquote, nicht zuletzt auch deswegen, weil noch hohe Investitionen notwendig sind, um den Lebensstandard zu heben. Man denke nur an Infrastruktur. Die Investitionsquote wird hoch bleiben. Anstatt eines Überschusses wird China dann ein Defizit ausweisen.

Geht es rein um den Handel und Überschüsse bzw. Defizite, hätte man auch einfach noch ein paar Jahre warten können, um eine Normalisierung zu sehen. Es geht aber nicht nur um den Handel, sondern auch um die Vormachtstellung in der Welt. China kann die USA einholen und vielleicht sogar ablösen. Das wird jedoch nur vorübergehend möglich sein.

Die demographische Entwicklung schwächt China wirtschaftlich. Aus Überschüssen werden Defizite. Der Yuan ist dabei noch keine Weltreservewährung – im Gegensatz zum Dollar. Das führt unweigerlich zu einer ständigen Abwertung des Yuan. Das sorgt für geringere Kaufkraft. Zudem steht der zukünftig geringen Sparquote ein gigantischer Schuldenberg gegenüber. Das alles spricht für eine eher wackelige Zukunft.

Kurzfristig (auf Sicht von Jahren) ist China weiter im Aufwind. Langfristig befindet sich das Land in einem Dilemma. Einen Ausweg gibt es eigentlich nicht. China als Weltmacht kommt – und geht auch wieder.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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