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Der Aktienmarkt hat gerade überhaupt keine Sorgen. Das wird sich wohl spätestens mit dem Brexit im kommenden Frühjahr ändern, denn die Folgen werden unterschätzt.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass der Brexit nicht nur einfach kommt, sondern dazu auch noch ohne einen Deal mit der EU. Der No-Deal Brexit ist für Großbritannien eine bittere Pille. Von einem Tag auf den anderen wäre das Land vom Binnenmarkt abgeschnitten. Die Folgen lassen sich kaum überschätzen.

Großbritannien ist mit der EU eng verflochten. Die Hälfte der Exporte findet ihren Weg in die EU. Das entspricht fast 300 Mrd. GBP. Ungefähr der gleiche Betrag wird aus der EU importiert. Der gesamte Handel hat also ein Volumen von über 600 Mrd. GBP. Das sind ungefähr 30 % der Wirtschaftsleistung.

Kommt zu einem Übergang, der überhaupt nicht reibungslos verläuft (und danach sieht es aus), wird es zu Verwerfungen kommen, die an der Wirtschaft nicht spurlos vorübergehen. Das Wirtschaftswachstum in Großbritannien würde dann bis Ende 2020 um gut 2 % geringer ausfallen als ohne den Brexit (Grafik 1).

Einen solchen Rückgang wird es nicht nur in Großbritannien selbst geben. Auch EU-Länder sind betroffen. Irland ist am engsten mit Großbritannien verflochten. Irland wächst allerdings mit über 5 %. Der Schock wird verkraftbar sein. In Großbritannien ist das anders. Das Land wächst derzeit mit 1,3 %. Der Brexit wird das Wachstum fast vollständig abwürgen.

Es könnte allerdings noch sehr viel schlimmer kommen. Der Notenbankchef ließ gegenüber Politikern durchblicken, dass der Immobilienmarkt vor einem Crash steht. Der durchschnittliche Hauspreis dürfte um 35 % zurückgehen (Grafik 2). Das ist für Haushalte ein schwerer Schlag.

Eine Immobilie ist oftmals das wichtigste Asset. Verliert dieses 35 % an Wert, beeinträchtigt das das Vermögen erheblich. Wie gut dann die Konsumlaune sein wird, kann man sich vorstellen.

Ein so großer Rückgang der Immobilienpreise hat vielerlei Auswirkungen. Haushalte nehmen Schulden auf, um sich ein Haus zu kaufen. Der Kredit im Verhältnis zum Immobilienwert liegt für Neukäufe bei knapp 90 %. Sinken die Werte um 35 %, dann ist der Kredit plötzlich viel höher als der Wert der Immobilie.

Im Normalfall verlangen Banken dann einen Nachschuss, damit das Verhältnis zumindest wieder unter 100 % sinkt. Nicht jeder Haushalt kann sich das leisten. Es droht für viele eine Überschuldung. Kreditausfälle sind die Folge.

Gibt es keine Intervention der Regierung, werden Banken unzählige Kredite fällig stellen. Das wiederum sorgt für weiteren Druck auf die Preise, weil Schuldner Notverkäufe durchführen müssen. Mit anderen Worten: Es droht eine katastrophale Immobilienkrise.

Keiner weiß, ob es wirklich so kommt. Es handelt sich um die Schätzung des obersten Notenbankers. Das verleiht dem Szenario Gewicht, bedeutet aber nicht automatisch, dass es auch so kommen muss. Trotzdem: Kommt es so, wird der Brexit eine Katastrophe.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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