Kurz vor dem NATO-Gipfel in Den Haag hatte US-Präsident Donald Trump mit dem Angriff auf Atomanlagen im Iran für einen weiteren Paukenschlag gesorgt. Dabei ist es nicht so, dass die Vertreter der Militärallianz nicht schon genügend Gesprächsstoff gehabt hätten. Nicht erst seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 befindet sich die Welt in Aufruhr, während der Fokus verstärkt auf Rüstungsausgaben gelenkt wird. Entsprechend hat dieses Thema auch bei Anlegern enorm an Bedeutung gewonnen. Dafür denkt man selbst zum Thema Nachhaltigkeit um.
Die Aktie des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall hat seit Anfang 2025 unglaubliche 185 Prozent an Wert zugelegt. Damit verbucht das Papier die mit Abstand beste Jahresperformance in der ersten deutschen Börsenliga. Und dies, nachdem bereits in den Jahren zuvor enorme Kurssteigerungen zu Buche gestanden hatten.
Der DAX-Wert ist jedoch nur ein Beispiel dafür, wie sehr sich Anleger in den vergangenen Jahren auf das Thema Verteidigungs- und Rüstungswerte gestürzt haben. Inzwischen geht es sogar so weit, dass Investments im Verteidigungsbereich als nachhaltig angesehen werden sollen – etwas, was vor gar nicht langer Zeit scheinbar undenkbar gewesen wäre.
Die Weichen sind gelegt
Anfang Juni trafen sich die NATO-Verteidigungsminister in Brüssel. Bei dieser Gelegenheit wurde unter anderem der gerade über die Bühne gegangene Gipfel des Verteidigungsbündnisses in Den Haag vorbereitet. Ein wichtiges Thema war dabei die Anhebung des Ausgabenziels von 2 auf 5 Prozent. Diese wurde nun sogar noch vor Beginn des Gipfels am 24. und 25. Juni beschlossen. Bisher mussten die NATO-Mitglieder 2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigungsaufgaben aufwenden. US-Präsident Donald Trump hatte bereits zu Beginn des Jahres jedoch das 5-Prozent-Ziel ins Spiel gebracht.
NATO-Chef Mark Rutte hatte in der Zwischenzeit die Verabschiedung eines 3,5-Prozent-Ziels für Verteidigungsausgaben angeregt, während weitere 1,5 Prozent über verteidigungsrelevante Ausgaben hinzukommen sollen. Dazu könnten beispielsweise Infrastrukturausgaben – etwa rund um Straßen, Schienen und panzertragende Brücken –, aber auch Aufwendungen zur Terrorismusbekämpfung zählen. Schließlich ist eine funktionierende Infrastruktur von entscheidender Bedeutung, wenn militärisches Gerät schnell an seinen Einsatzort transportiert werden muss.

Einige Länder wie die USA, Griechenland oder Teile des Baltikums dürften keine Probleme mit den neuen Zielen haben, da sie diese bereits heute teilweise erfüllen. Für Länder wie Deutschland wird dies schwieriger, da man gerade das 2-Prozent-Ziel nach zähem Ringen erreicht hat. Allerdings hatte selbst die neue Bundesregierung für ein höheres Ausgabenziel geworben, um Gefahren wie Russland abzuwenden oder auch die USA nicht zu verprellen. Schließlich ist es gerade Donald Trump gewesen, der die Europäer in die Pflicht genommen hat, selbst für die konventionelle militärische Abschreckung auf dem alten Kontinent zu sorgen. Es ist jedoch nicht nur die NATO, die investiert.
Undurchsichtige Lage
In diesem Jahr flammt der Konflikt zwischen Indien und Pakistan kurzzeitig auf. Israel geht weiterhin gegen seine Feinde wie die Hamas vor, während die Taiwan-Frage ungeklärt bleibt. Hinzu kommen ganz neue Bedrohungen aus dem Cyber-Space. Außerdem hat US-Präsident Trump wenige Tage vor dem NATO-Gipfel beschlossen, unter anderem mit dem Abwurf extrem schwerer bunkerbrechender Bomben mithilfe von Tarnkappenbombern des Typs B-2 in den Konflikt zwischen Israel und dem Iran einzugreifen.
Eine bereits von Unsicherheiten geprägte geopolitische Lage wird damit noch undurchsichtiger. Finanzmarktteilnehmer müssen entsprechend reagieren – insbesondere, da die Antworten des Irans in den kommenden Wochen abgewartet werden müssen, während Israel und die USA selbst von einem sogenannten Regime-Change sprechen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, könnte dies die Lage weiter destabilisieren. All diese Punkte sprechen dafür, dass Rüstungsunternehmen auch in Zukunft prall gefüllte Auftragsbücher haben sollten.
Derzeit ist es sogar weniger die Nachfrage, die unklar zu sein scheint, sondern vielmehr die Frage, ob Unternehmen wie Rheinmetall oder der US-Branchenriese Lockheed Martin die vollen Auftragsbücher abarbeiten können – zumal in dieser Hinsicht auch der Handelsstreit zwischen den USA und China eine Wildcard darstellt. Ähnlich wie im Automobilsektor kommen auch hier Seltene Erden zum Einsatz. Dort hat China das Sagen, während die USA im Bereich Hochleistungschips führend bleiben. Beide Seiten haben jedoch gezeigt, wie schnell sie diese für viele Industrien so wichtigen Warengruppen als Faustpfand in Handelsstreitigkeiten verwenden können.
Europa geht seinen eigenen Weg
Loredana Muharremi, Aktienanalystin bei Morningstar, sagt gegenüber CNBC jedoch, dass der europäische Verteidigungssektor unabhängig von den Engpässen in der Lieferkette immer noch Aufwärtspotenzial habe. „Obwohl Engpässe bei Seltenen Erden ein wesentliches Risiko in der Lieferkette darstellen, glauben wir nicht, dass sie allein ausreichen, um eine Korrektur bei europäischen Rüstungsaktien auszulösen“, so Muharremi. Dabei steht der europäische Rüstungssektor besonders im Fokus. Donald Trump hat Europa klargemacht, dass sich der Kontinent bei der Verteidigung auf sich selbst verlassen soll.
Donald Trumps Umgang mit der Ukraine, vielen Verbündeten der USA und dem von ihm losgetretenen Handelskrieg hat Europa gezeigt, dass es sich nicht mehr uneingeschränkt auf den militärischen Schutz der USA verlassen kann. Vielmehr gilt es, den europäischen Rüstungssektor zu stärken. Von den entsprechenden Investitionen profitieren heimische Branchengrößen wie Rheinmetall, Leonardo, BAE Systems, Thales oder Safran, während Länder wie Deutschland oder die EU ihre Schuldenregeln speziell für mehr Verteidigungsinvestitionen lockern.
Mit Leonardo da Vincis Segen
Während die größten Rüstungskonzerne der Welt weiterhin vornehmlich aus den USA kommen, hat auch Europa in diesem Bereich einiges zu bieten. Hierzulande ist in dieser Hinsicht vor allem Rheinmetall (WKN: 703000 / ISIN: DE0007030009) zu nennen. Die Auftragsbücher der Düsseldorfer sind prall gefüllt. Dies dürfte auch noch eine Weile so bleiben. Es stellt sich lediglich die Frage, ob die Aktie weiterhin Fabelrenditen erzielen kann. Aus Italien kommt wiederum Leonardo S.p.A. Als Namensgeber stand hier Leonardo da Vinci zur Verfügung. Dies passt, da sich dieser auch mit Flug- und Kriegsgeräten beschäftigt hatte.
Leonardo stellt Hubschrauber sowie Flugzeuge und Flugzeugkomponenten her, aber auch Verteidigungselektronik sowie Technologien aus den Bereichen Raumfahrt und Informationssicherheit. BAE Systems aus Großbritannien war wiederum neben dem Eurofighter Typhoon auch von Beginn an am Bau des Mehrzweckkampfflugzeugs F-35 beteiligt – immerhin dem größten Verteidigungsprogramm der Welt des US-Herstellers Lockheed Martin. Mit Thales S.A. kommt wiederum der führende Lieferant von C4ISTAR-Systemen für die NATO aus Frankreich. Dabei handelt es sich um Instrumente und Maßnahmen, welche als Plattform für die vernetzte Operationsführung angewendet werden.
Das marktEINBLICKE-Fazit
Die jüngste Eskalation des Nahostkonflikts, die vielen weiteren heißen und kalten Auseinandersetzungen sowie die stark steigenden Rüstungs- und Verteidigungsausgaben in der NATO zeigen, dass dieses Thema die Weltpolitik und damit auch die Finanzmärkte noch lange beschäftigen wird. Zumal Anleger im Fall von Aktien wie Rheinmetall in der Vergangenheit gesehen haben, welch hohe Renditen in diesem Bereich erzielt werden können.
Wer auf die positive Kursentwicklung eines ganzen Aktienkorbs von Unternehmen aus dem europäischen Rüstungssektor setzen möchte, kann sich das Indexzertifikat (WKN: DA0ACA / ISIN: DE000DA0ACA0) auf den European Defence Index anschauen.









