Bildquelle: Markus Koch / Dirk Eusterbrock

Gummibärchen gibt es, wenn das Kinderzimmer aufgeräumt ist. Keinen Nachtisch, wenn vorher nicht aufgegessen wird. Ganz egal ob positiv oder negativ motiviert: Man tut als Kind was man kann, um mit Süßigkeiten belohnt zu werden. Was uns dabei antreibt ist nicht etwa das Verlangen nach mehr, sondern die Furcht vor weniger! Um diese Verlustaversion zu befriedigen, erfordert es aber ein ewiges Streben nach mehr. Ein Phänomen, das weit über die Geldanlage und die Wall Street hinausgeht.

Es ist ein Kreislauf, den viele Verstanden haben zu bedienen. Angefangen mit der Werbung, über die Medien mit überwiegend schlechten Nachrichten, bis hin zu Social Media und den sich häufenden Populisten. Auch Donald Trump versteht, dass negative Stolperdrähte sensitiver sind als positive Auslöser. Viele neigen dazu, ängstlicher als glücklich zu werden. Und jedes Mal, wenn wir Angst haben, schalten wir unsere Stresshormone ein.

Die zunehmende Vernetzung und daraus resultierende Datenflut ist Fluch und Segen zugleich. Wir profitieren zwar davon, laufen aber auch Gefahr vermehrt instrumentalisiert und manipuliert zu werden. Der Datenmissbrauch von Cambridge Analytica ging zwar hoch wie eine Bombe, aber handelt es sich hier in der Tat um einen Einzelfall? Wo und von wem werden überhaupt die Grenzen gezogen, zwischen legal und illegal?

Was China vorhat, kommt jedenfalls einem riesigen Volkserziehungsprogramm gleich. Das „Social Credit System“ ist ein Führungszeugnis für alle Belange des gesellschaftlichen Lebens. Es soll 2020 eingeführt werden. Bonuspunkte für den Kauf gesunder Babynahrung, Abzug für Pornokonsum. Wer sich gut verhält, wird belohnt, für schlechtes Verhalten gibt es Strafen. Folge den Gesetzen des Staates, und du brauchst den Verlust von anderen Freiheiten nicht fürchten. Die Überwachungstechnik soll selbst aus einer unüberschaubaren Masse jeden Einzelnen sofort identifizieren können.

Eine digitale Diktatur, die AAA-Bürger züchten will. Ob diese wahrlich bedenkliche Entwicklung oder die unzähligen Anhörungen mit der Social Media-Führungsriege vor dem amerikanischen Senat und Repräsentantenhaus, fest steht vor allem eines: Der global wertvollste Rohstoff ist längst nicht mehr Öl, sondern der Zugang zu möglichst vielen Daten.

Wer diesen Rohstoff kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Da liegt das Wachstum, und da liegt auch das Geld. Was das Internet betrifft, teilen sich Google und Facebook im Grunde den globalen Werbemarkt auf. Fast die Hälfte jedes in den USA im Web ausgegebenen Dollar läuft wiederum über Amazon. Das grenzenlose Expansionspotential fachte den Marktwert binnen neun Monaten um 420 Milliarden US-Dollar auf mehr als 1 Billion US-Dollar an. Jeff Bezos ist nahezu so vermögend wie Bill Gates und Warren Buffett kombiniert. Ich gratuliere, und fordere auch keine Zerschlagung des Giganten. Größe allein, ist keine Sünde. Bei Standard Oil war die Situation Anfang des 20. Jahrhunderts sicher eine andere.

FAZIT. Es geht weniger um die Frage Amazon, Facebook oder seines Gleichen zu Zerschlagen, sondern vorrangig darum die Fehlentwicklungen im Netz und bei der Datenverwertung zu erkennen und zu korrigieren. Und zwar aus Eigeninteresse genau dieser Konzerne, um dem weiter wachsenden Widerstand zu entgehen. Niemand lässt sich gerne Manipulieren! Vor allem aber auch deshalb nicht, weil mit dem Einzug der künstlichen Intelligenz viel auf dem Spiel steht, und wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen dürfen!

MarkusKochEin Beitrag von Markus Koch.

Er ist das Gesicht der Wall Street. Im Jahr 1996 berichtete Markus Koch erstmals fürs Fernsehen von der New Yorker Aktienbörse. Seitdem steigt seine Bekanntheit und Beliebtheit stetig. Sein Themenspektrum umfasst weit mehr als nur die Wall Street und Börse. Auch die übergeordneten Themen aus internationaler Wirtschaft und Politik bezieht er in seine Beiträge ein.

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