Die Konjunkturprognosen für Deutschland haben im Frühjahr ihren Tiefpunkt durchschritten und fielen zuletzt wieder etwas optimistischer aus. So revidierte das ifo-Institut die Erwartungen auf 0,3 Prozent Wachstum in diesem und 1,5 Prozent im nächsten Jahr nach oben. Unterstützend wirkt die Aussicht auf weitere Leitzinssenkungen angesichts moderater Inflationsperspektiven. Die EZB veranschlagt für das Jahr 2026 nur noch 1,6 Prozent Teuerung im Jahresmittel, unter anderem weil mit dem stark aufgewerteten Euro in Dollar gehandelte Importe günstiger erworben werden können.
Insbesondere aber verbessern schon heute die geplanten Maßnahmen der neuen Bundesregierung zur Ankurbelung von Investitionen und zur Ertüchtigung des Standorts sowie der Verteidigungsfähigkeit die Stimmungslage bei Unternehmen und Verbrauchern. Sowohl das ifo-Geschäftsklima als auch das GfK-Konsumklima belegen sukzessive zuversichtlichere Blicke auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung – wenn auch ausgehend von sehr niedrigen Niveaus.
Wesentliche Risiken bleiben geo- und handelspolitische Unsicherheiten. Mitte Juni bewirkte die Eskalation des Konflikts zwischen Israel und dem Iran einen deutlichen Anstieg der Rohölpreise, der bei längerer Dauer die positiven Inflationsaussichten eintrüben und für weniger stark sinkende Leitzinsen sorgen könnte. Zudem bleibt die US-Politik unter Präsident Trump eine kaum berechenbare Komponente. Kurzfristige Ankündigungen drastischer Zollanhebungen lassen die Planungsfähigkeit von Unternehmen mit internationalen Handelsverflechtungen erodieren.
Eine restriktivere Migrationspolitik stellt arbeitsintensive Branchen vor Herausforderungen und das Risiko erratischer politischer Entscheidungen senkt die Standortattraktivität. Besonders schädlich wirkt sich Trump`sche Politik daher für die US-Volkswirtschaft aus. Hier sanken die Wachstumserwartungen deutlich, während die Notenbank Fed aufgrund inhärenter Inflationsrisiken und trotz erheblichen Drucks vonseiten der Regierung mit weiteren Leitzinssenkungen zögert.
Aktienanleger sollten trotz Risiken und teils sehr positiver Entwicklungen im bisherigen Jahresverlauf einen konstruktiven Blick behalten. Zwar müssen zwischenzeitliche Kursrücksetzer einkalkuliert werden. Multiple Transformationsphasen wie derzeit gehen jedoch auch mit enormen Anpassungsnotwendigkeiten einher. Staaten und Unternehmen werden entsprechend viel investieren, wovon vor allem innovative und dynamische Geschäftsmodelle profitieren werden.
Ein Beitrag von Carsten Mumm
Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.
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