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Eigentlich – also EIGENTLICH, wenn Sie verstehen, was ich damit sagen möchte – hätte ich den Kommentar in dieser Woche (und damit anlässlich des Tages der Deutschen Einheit) ja ganz gerne zu einer kurzen Lautäußerung zu eben jenem Thema genutzt. Dem Thema Einheit, in Deutschland. Allerdings bin ich auf der Redaktionssitzung natürlich sofort, also SOFORT zurückgepfiffen worden. „Auf keinen Fall! Keine Gesellschaftskritik, keine Politik!“. Nun, gut. Dann müssen Sie heute auf meine Sicht der Dinge – insbesondere auf die Mauern in den Köpfen einiger, die selbst nach 28 Jahren noch nicht gemerkt haben, dass die DDR Geschichte ist – eben verzichten. Und wir kommen gleich zu den Märkten. Die – für mich erfreulicherweise, denn das verschafft mir gerade eine prima Überleitung – sich in dieser Handelswoche genauso uneinheitlich präsentierten wie manche Deutschen. Nehmen wir doch gleich den Dow Jones. Der markierte gleich mehrere neue Allzeithochs, das letzte – zur Feier des Tages sozusagen – am Mittwoch, bei 26.952 Zählern. Und liegt damit, in Sachen 2018er-Bilanz, mit rund 7,7% im Plus. Ja, sicherlich, die Steuerreform des Präsidenten kann hier durchaus als Grund bzw. Stimulus für die Rallye an den US-Märkten genannt werden. So, wie an den deutschen (bzw. europäischen) die italienische Haushaltsplanung und das britische BREXIT-Chaos die Kurse eben negativ (aktuelle 2018er-Performance im DAX: -5,7%) beeinflussen. Aber:

Roter Faden

Ganz so einfach ist es dann eben doch nicht. Die Divergenz zwischen den US- und den europäischen Aktienmärkten begleitet uns nun schon durch das gesamte Jahr, zieht sich wie ein roter Faden durch dasselbe. Die Wege trennten sich strenggenommen bereits nach der Jahresauftakt-Rallye Ende Januar, als der DAX im Anschluss an das Rekordhoch bei 13.597 Zählern den Rückwärtsgang einlegte und in den darauffolgenden Wochen bis auf das 2018er-Tief bei 11.727 Punkten absackte. Da nahmen die US-Indizes zwar eine ähnliche Route, aber eben stets ein wenig moderater, geschmeidiger. Und spätestens Anfang Juli hängte der Dow Jones den deutschen Leitindex dann vollends ab. Das klingt zunächst nicht unbedingt positiv, birgt aber trotz allem auch Chancen. Dann nämlich, wenn zwischen Italien und Brüssel eine Einigung im Haushaltsstreit erzielt wird. Und die Briten ihren BREXIT dann doch entweder organisiert kriegen oder doch gleich auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Bei DAX & Co könnte sich genau dann beträchtliches Aufholpotenzial ergeben, zumal in den USA die Midterm-Elections die Märkte zunächst ausbremsen, und später – so es denn tatsächlich zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse durch einen Sieg der Demokraten kommt – möglicherweise sogar etwas herunterkochen dürften. Und dann war da ja noch die Sache mit den Aktienrückkäufen. Die bewegen sich in den USA auf dem höchsten Stand seit 2007 (!), wie die Financial Times schon Anfang August berichtete und dürften nun zu einem Ende kommen, wie das Wall Street Journal jüngst warnte. Schließlich beginnt jetzt eine sogenannte „blackout period“, also der Monat vor der nächsten Berichtssaison, in der die „buybacks“, also die Aktienrückkäufe, den Unternehmen nicht mehr erlaubt sind. Das könnte an der Wall Street für eine Vollbremsung sorgen. Und noch einmal frisches Geld in europäische Papiere spülen. Sicher ist das allerdings nicht!

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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