NVIDIA kann Mathe besonders gut

Die US-Technologie und KI-Werte stehen vor einem ganz besonderen Sommer. Dazu tragen vor allem die Anlegerlieblinge NVIDIA und Microsoft bei.

(Bildquelle: NVIDIA Presse)

Donald Trumps Zollpolitik hatte die Aktienmärkte regelrecht einbrechen lassen. Besonders in den USA war das Beben deutlich zu spüren. Anfang April rutschte der S&P 500 auf unter 5.000 Punkte ab. Seitdem hat das Barometer mehr als 30 Prozent an Wert gutgemacht und bei rund 6.300 Zählern neue Rekordstände erreicht. Dies gelang auch, weil sich KI- und Tech-Werte wie NVIDIA in beeindruckender Weise zurückmeldeten.

Neben den zollbedingten Marktturbulenzen litt die Aktie des KI-Darlings NVIDIA (WKN: 918422 / ISIN: US67066G1040) zeitweise auch unter dem sogenannten DeepSeek-Schock. Das chinesische KI-Startup hatte gezeigt, dass das KI-Training mit deutlich weniger Kosten und Investitionsaufwand im Chip-Bereich als bisher angenommen möglich sein könnte. Das waren zunächst schlechte Nachrichten für NVIDIA. Doch nun scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass der KI-Boom weitergeht und DeepSeek eher dazu beitragen dürfte, dass KI breiteren Gruppen zugutekommt und der gesamte Kuchen auf diese Weise deutlich größer wird.

Noch in den Kinderschuhen

Dank der jüngsten Erholung steht im Fall der NVIDIA-Aktie seit Jahresbeginn 2025 trotz zwischenzeitlicher Kursverluste nun ein Kursplus von mehr als 20 Prozent zu Buche. Seit dem April-Tief bei 86,63 US-Dollar hat sich der Kurs nahezu verdoppelt. Darüber hinaus hat sich der Spezialist für Grafikprozessoren den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt zurückerobert und hat dabei Mal eben die Marke von unglaublichen 4 Billionen US-Dollar beim Börsenwert überschritten. Mit Microsoft nähert sich ein weiterer KI-Profiteur dieser Marke an.

Dies veranlasste Wedbush-Analyst Dan Ives sogar dazu, vom „Sommer der 4-Billionen-Bewertungen“ bei den US-Tech-Giganten zu sprechen. Erwartungsgemäß sollten laut Ives NVIDIA und Microsoft (WKN: 870747 / ISIN: US5949181045) die ersten sein, die diesem exklusiven Club beitreten. Grund dafür sei der Umstand, dass „der Appetit auf Künstliche Intelligenz in die Höhe schießt“. Zuletzt seien die Ängste vor chinesischen Exportkontrollen und globalen Zöllen in den Köpfen der Anleger in den Hintergrund gerückt, während fortgesetzte KI-Innovationen und umfangreiche Investitionen in die KI-Infrastruktur die Stimmung aufgehellt hätten.

Laut Ives bleiben NVIDIA und Microsoft die „Aushängeschilder der KI-Revolution“. Sie würden „die Grundlage für den größten Tech-Trend bilden, den wir in den 25 Jahren, in denen wir Tech-Aktien beobachten, gesehen haben“. Nicht nur sollten NVIDIA und Microsoft in diesem Sommer die Marke von 4 Billionen US-Dollar knacken, vielmehr sollte sich der Fokus in den nächsten 18 Monaten bereits auf die Marke von 5 Billionen US-Dollar richten. Aus seiner Sicht „steckt dieser Tech-Bullenmarkt noch in den Kinderschuhen und wird von der KI-Revolution angeführt“.

Die US-Technologie und KI-Werte stehen vor einem ganz besonderen Sommer. Dazu tragen vor allem die Anlegerlieblinge NVIDIA und Microsoft bei. (Bildquelle: NVIDIA Presse)

Godfather of AI

Besonders angetan hat es Dan Ives von Wedbush in dieser Hinsicht KI-Darling NVIDIA. Das Unternehmen übe einen besonders großen Einfluss auf das KI-Ökosystem aus. Der Analyst schätzt, dass jeder US-Dollar, der für NVIDIA ausgegeben wird, einen Multiplikator von 8 bis 10 US-Dollar für das übrige Tech-Ökosystem bedeutet – einschließlich Hyperscalern sowie Unternehmen aus den Bereichen Cybersicherheit, Software, Halbleiter, Internet, autonome Systeme und Robotik. „Es gibt nur ein Unternehmen auf der Welt, das die Grundlage für die KI-Revolution bildet, und das ist NVIDIA mit dem Godfather of AI Jensen (NVIDIA-CEO Jensen Huang), der die beste Ausgangsposition hat, um die Gesamtnachfrage nach KI in Unternehmen und den Appetit auf NVIDIAs KI-Chips in der Zukunft zu diskutieren“, sagt Ives.

Dabei ist Ives nicht der einzige NVIDIA-Fan. Citigroup-Analyst Atif Malik begründet seine jüngste Anhebung des Kursziels für die NVIDIA-Aktie von 180,00 auf 190,00 US-Dollar und die Bestätigung des „Buy“-Ratings unter anderem mit der Ausweitung des gesamten adressierbaren KI-Marktes. Malik geht nun davon aus, dass der adressierbare Markt für KI im Bereich Rechenzentren im Jahr 2028 ein Volumen von 563 Mrd. US-Dollar erreichen wird. Diese Zahl liegt 13 Prozent über der bisherigen Erwartung von 500 Mrd. US-Dollar. Der Anstieg ist laut dem Analysten zum Teil auf die höher als erwartete Nachfrage nach KI von staatlicher Seite zurückzuführen.

„Die Mathematik funktioniert einfach“

Bank-of-America-Analyst Vivek Arya nennt NVIDIA wiederum einen wichtigen Akteur im Rennen um das autonome Fahren. NVIDIA sei „ein Pionier im Bereich der beschleunigten Rechenleistung, der von der Einführung des autonomen Fahrens profitieren wird“. Da sich die Automobilindustrie in Richtung Elektrifizierung und Automatisierung verlagere, geht der Analyst davon aus, dass der Bedarf an Rechenleistung und KI-Trainingsmodellen im Auto eine wachsende Chance für NVIDIA darstellen dürfte.

Besonders optimistisch ist derzeit Loop-Capital-Analyst Ananda Baruah. Er hat jüngst das Kursziel für NVIDIA von 175,00 auf das laut FactSet „Street-High“-Niveau von 250,00 US-Dollar angehoben. Dies entspräche einem Potenzial von mehr als 50 Prozent. Seine Analysen zur Versorgungskette legen nahe, dass die Ausgaben für Hyperscale- und KI-Fabriken, KI und KI-Beschleuniger „allein“ bis 2028 auf etwa 2 Billionen US-Dollar ansteigen könnten. Der Analyst ist sich zwar bewusst, dass dies eine Marktkapitalisierung von 6 Billionen US-Dollar für NVIDIA nahelegen würde, betont jedoch, dass „die Mathematik einfach funktioniert“, während der Markt in die nächste „goldene Welle“ der GenAI eintritt.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Nach einem zwischenzeitlichen Durchhänger hat NVIDIA wieder Fahrt aufgenommen. Am Markt scheint die Überzeugung zu wachsen, dass der KI-Darling angesichts des sich beschleunigenden und auf viele Bereiche ausbreitenden KI-Booms weiteres Aufwärtspotenzial besitzt.

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