Zwischen Krisen und Kursrekorden – wie geht es weiter?

Die Börsen feiern neue Höhen, doch politische Unsicherheiten und Handelsstreitigkeiten werfen dunkle Schatten. Wer auf nachhaltige Gewinner wie die „Glorreichen Sieben“ setzt, bleibt auch in stürmischen Zeiten auf Kurs.

(Bildquelle: marktEINBLICKE)

Wirtschaft, Politik und Börse weisen zurzeit ein Kontrastprogramm auf, das ich in meiner über 50-jährigen Beschäftigung mit diesen Themen so noch nicht erlebt habe. Das politische Chaos in den USA hat seit Jahresbeginn alle Befürchtungen bei Weitem übertroffen. Amerika erlebt die Demontage der wichtigsten Demokratie der Welt, die in einem Jahr ihr 250-jähriges Jubiläum feiern sollte. Die drei Pfeiler der Demokratie – Legislative, Exekutive und Judikative – sind aus den Angeln gehoben. Stattdessen gleicht der Regierungsstil einer Autokratie. Ich habe hierüber bereits im Januar und April berichtet.

Die Börsen reagierten nach einem anfänglichen Aufwärtstrend, der durch Hoffnung geprägt war, mit einem massiven globalen Verkaufsdruck, wie ihn die Märkte in dieser Form selten erlebt haben. Seit der zweiten Aprilwoche kam es dann zu einer eindrucksvollen Erholung an den Börsen mit neuen Rekordhöhen in dieser zweiten Juliwoche – obwohl das kontroverse Zollthema noch lange nicht erledigt ist. Die Unternehmen werden in den kommenden Wochen mit der Veröffentlichung der zweiten Quartalsergebnisse zeigen, wie sie mit diesem geopolitischen Thema umgehen. Kommt es hierbei an den Börsen erneut – wie bereits im März/April – zu spürbarem Verkaufsdruck im August/September, könnte das Weiße Haus seine starre Haltung bei den Zöllen modifizieren. Passiert dies nicht, bleibt die traditionelle Jahresendrallye an den Börsen aus. Der Satz „Es wird selten so heiß gegessen, wie es serviert wird“ mag hier zur Anwendung kommen – zumal Präsident Trump seinen politischen Erfolg und die Akzeptanz seiner Wähler vom Börsenbarometer abhängig macht.

Trifft meine optimistische Erwartung zu, so haben wir die Jahrestiefstände an den Börsen bereits im April gesehen: Beim DAX war es der Test der 19.000-Marke und beim S&P 500 das 5.000-Niveau. Für das Jahresende sehe ich beim DAX die 25.000-Marke und beim S&P 500 halte ich 6.600 Punkte für möglich. In der Geopolitik wird entscheidend sein, ob Trump nach seiner vollkommen falschen Einschätzung von Putin nun der Ukraine die notwendige militärische Unterstützung gibt – ohne Wenn und Aber. Deutschland ist bereit, die Kosten hierfür zumindest teilweise mitzutragen. Der Nahe Osten bleibt ein Krisenherd, der wegen der humanitären Exzesse im Gazastreifen eine schnelle Lösung erfordert. Gelingt es Trump, hierzu beizutragen, so wäre das sicherlich lobenswert – aber zu einem Friedensnobelpreis reicht es nicht!

An der Börse spielen die „Glorreichen Sieben“ – Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla – nicht nur wegen ihrer Marktkapitalisierung von insgesamt über 18 Billionen Dollar (ca. 15,5 Billionen Euro) eine zentrale Rolle, sondern auch bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI). Diese Technologie wird unser aller Leben in den nächsten 30 Jahren stark beeinflussen. Privatanleger können davon profitieren, indem sie 5 bis 10 Prozent ihres Anlagekapitals in diese sieben Werte investieren. Einen generellen Überblick hierzu gab ich bereits in der letzten Ausgabe an dieser Stelle im April.

Das digitale Währungssystem wird in den kommenden Monaten Schlagzeilen machen. Präsident Trump und seine Familie sind auch persönlich in diesem Bereich engagiert. Ob es sich hierbei um einen möglichen Interessenkonflikt handelt, überlasse ich anderen. Als Anlagestratege kann ich diese neue Investitionsart jedoch nicht ignorieren. Bitcoin gibt es inzwischen seit über 15 Jahren. Die Kursentwicklung von quasi null auf heute über 117.000 US-Dollar am 10. Juli war atemberaubend. Wer 2010 – also vor 15 Jahren – 1.000 US-Dollar in Bitcoin investiert hätte, wäre heute Milliardär. Selbstkritisch gefragt: Wie konnte ich als mehrfach ausgezeichneter Anlagestratege eine solche Chance verpassen – ohne dabei rot zu werden?

Bitcoin war und ist für mich als Produkt wertlos, auch wenn inzwischen das „Kreieren“ eines Bitcoins sehr teuer ist. Die Tatsache, dass Bitcoin auf 21 Millionen „Einzelstücke“ limitiert ist, erklärt die Preissteigerung, sofern die Nachfrage nach Bitcoin stetig steigt. Wenn immer mehr Menschen ein limitiertes Produkt kaufen wollen, steigt der Preis. Kein anderes Produkt wurde in den vergangenen 16 Jahren in der Öffentlichkeit stärker diskutiert als Bitcoin. Trotz meiner kritischen Haltung gegenüber Bitcoin empfehle ich seit über drei Jahren, bis zu drei Prozent des liquiden Kapitals in Bitcoin zu investieren. Wer dieser Empfehlung gefolgt ist, verzeichnet inzwischen einen Gewinn von über 200 Prozent. Nach einem Jahr ist ein solcher Gewinn übrigens steuerfrei! Wohin geht der Bitcoin-Preis? Bis Ende dieses Jahrzehnts (2029) kann Bitcoin auf 1 Million US-Dollar steigen. Einige Prognosen gehen sogar noch darüber hinaus.

Ein Beitrag von Heiko Thieme
Er ist über 45 Jahre im internationalen Anlagegeschäft tätig und schrieb 16 Jahre als freier Kolumnist für die FAZ. Seit dem Jahr 1979 gibt es seine Marktanalysen und Einschätzungen sowie die älteste deutsche Börsenhotline. Heiko Thieme ist über zwei Portale für Anleger zu erreichen:
heiko-thieme.club und heiko-thieme.com

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