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Reden wir gar nicht erst drumherum – wir sind im Krisenmodus! Wobei ich die Betonung bitte unbedingt auf den Begriff „Krise“ legen möchte. Noch ist es das nämlich, „nur“ eine Krise. Und kein Crash. Allerdings könnte es ganz schnell einer werden, aber dazu kommen wir gleich. Zunächst sortieren wir die Vorkommnisse dieser Handelswoche erst einmal der Reihe nach. Also – die Zinsen in den USA steigen. Und zwar stärker als erwartet (und, diesen Seitenhieb möchte ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen, sehr zum Missfallen Seiner Majestät, des Präsidenten, der den heftigen Kursabsturz im Dow Jones der Fed anlastete und der Notenbank gleichzeitig attestierte, „verrückt geworden zu sein“). Zur ungefähr selben Zeit veröffentlicht der Internationale Währungsfonds IWF seinen Finanzstabilitätsbericht, wonach die (Wirtschafts-)Welt am Abgrund steht. Beziehungsweise sich demselben nähert. Als Risikofaktoren wurden der Zollkrieg, die steigenden Zinsen sowie die ebenfalls ansteigenden Inflationsraten genannt. Und, last but leider not least, die Schuldenlast öffentlicher und privater Haushalte. Denn die ist laut IWF seit 2008 um sagenhafte 50% gestiegen und steht aktuell auf einem Rekordwert von 182 Billionen US-Dollar. Was soviel heißt wie: Der Boom der zurückliegenden Jahre ist größtenteils auf Pump finanziert. Was passiert, wenn solch eine Schuldenblase platzt, haben wir am Beispiel der Lehman-Pleite im Herbst 2008 gesehen. Aber offensichtlich so gut wie nichts daraus gelernt. Naja, wer nicht lernen will, muss bekanntlich fühlen:

Abgeschmiert

So krachte der Dow Jones am Mittwoch mal eben rund 800 Punkte nach unten und rutschte dabei ganz unelegant wieder unter die 26.000er-Marke. Der Nasdaq 100 verbuchte gar den größten (-4,4%) Tagesverlust seit 2011. Oha. Lagen wir da nicht gerade noch auf Rekordkurs? Das Thema hat sich dann wohl erledigt. Allerdings beschränkt sich die aktuelle Krise nicht auf die USA. Auch die hiesigen Aktienmärkte sind in, gelinde ausgedrückt, arge Mitleidenschaft gezogen worden. Besonders schlecht ist es dabei dem TecDAX ergangen, der nicht nur unter den Kursverlusten, sondern auch unter der gerade erst umgesetzten Regeländerung bei der Indexzusammensetzung leidet. Das liegt hauptsächlich daran, dass ausgerechnet die Werte mit der bislang besten Performance jetzt am stärksten abverkauft werden, Stichwort Wirecard (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060) und SAP (WKN: 716460 / ISIN: DE0007164600), um nur zwei zu nennen. Für den TecDAX ging es jedenfalls binnen einer Woche über 9% nach unten, die bis dato so makellose 2018er-Bilanz weist damit nun nur noch +1,5% aus, Tendenz (ab-)steigend). Und auch für den DAX ging es sauber abwärts. Neues Jahrestief, Bruch des Abwärtstrendkanals, Test der 11.600er-Marke. Und (noch) kein Boden in Sicht. Was das heißt? Dass aus der Krise ein Crash werden könnte, ja. Aber vielleicht nicht gleich heute. Zwar ist der Volatilitätsindex VDAX-NEW auf den höchsten Stand seit Ende März geklettert. Oder besser gesprungen, das Plus betrug zwischenzeitlich rund 11,5%. Und das nach acht Rallyejahren ein Einbruch früher oder später unvermeidlich wird, gilt auch als sicher. Aber noch sind die Mechanismen an den Märkten intakt, sprich: noch fließt das Geld. Wie das Beispiel von Bayer (WKN: BAY001 / ISIN: DE000BAY0017) zeigt. Allerdings, und da dürfte der IWF Recht behalten, sollten sich die Anleger allmählich auf deutlich schlechtere Zeiten einstellen. Denn die könnten schon bald kommen.

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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