Rekorde, Rücksetzer, Realismus

Diese Börsenwoche hatte alles. Zwischen Gewinnsprüngen, geopolitischen Nervenproben und Musk’schen Stimmungsschwankungen bleibt der Markt in Bewegung.

(Bildquelle: Unsplash / Florian Schmetz)

Die vergangene Börsenwoche hatte alles im Gepäck: große Zahlen, kleine Krisen und eine überraschende Portion diplomatischer Hoffnung. Während in Frankfurt solide Quartalsberichte für vorsichtige Erleichterung sorgten, zeigte sich an der Wall Street Mal wieder, wie nahe Freud und Leid beieinanderliegen. Und über allem schwebt weiterhin ein altbekanntes Damoklesschwert – der gute alte Zollstreit.

Wall Street zwischen Höhenflug und Musk’schem Murren

In New York war die Stimmung zunächst bestens: S&P 500 und Nasdaq erklommen fröhlich neue Höhen – nicht zuletzt dank starker Quartalszahlen aus dem Tech-Sektor. Alphabet etwa zauberte Analysten ein Lächeln ins Gesicht: Werbegeschäft top, Cloud wächst, die Aktie springt. Auch Verizon überzeugte und hob sogar seine Jahresprognose an. Es schien fast, als könne nichts schiefgehen.

Doch dann kam Tesla. Elon Musk präsentierte Quartalszahlen, die eher nach Energiesparmodus aussahen: Der Umsatz rutschte deutlich ab, der Gewinn ebenso. Investoren wurden nervös – nicht zuletzt wegen Musks kryptischer Ankündigung „harter Quartale“ und einem neuen Masterplan, der hoffentlich besser funktioniert als der letzte …

Auch Texas Instruments zeigte sich nicht von der sonnigen Seite: Der Chip-Gigant warnt vor trüber Nachfrage. In einer Branche, in der Überkapazitäten und geopolitische Störungen sich derzeit die Klinke in die Hand geben, keine gute Nachricht. Die Aktie sackte kräftig ab.

Frankfurt im Aufwind – danke, Banken und Pillen

In Deutschland gab’s dagegen – man glaubt es kaum – überwiegend Positives. Der DAX tastete sich nach oben, gestützt von stabilen Bankenbilanzen und widerstandsfähiger Pharmaindustrie. Die Deutsche Bank überraschte mit einem kräftigen Gewinnanstieg. Das operative Geschäft läuft rund, die Erträge stiegen, die Kosten blieben unter Kontrolle – fast schon langweilig solide, möchte man sagen.

Auch in der Schweiz war man zufrieden: Nestlé hielt Wort bei der Jahresprognose und Roche sicherte sich durch Lageraufbau einen Vorsprung in Sachen Lieferfähigkeit – weitsichtiger Pharma-Pragmatismus, der sich auszahlt.

Doch nicht überall glänzte Europa: Die Industrie leidet weiter unter den wirtschaftspolitischen Rutschbahnen dieser Zeit. Zollunsicherheiten, hohe Rohstoffpreise, Währungseffekte – und nun noch die Sorge vor US-Sonderzöllen ab August. Vor allem Auto- und Luftfahrtkonzerne fürchten kräftige Zusatzkosten.

Zollkrieg: Ein bisschen Frieden mit Japan

Doch es gibt auch Signale, die Hoffnung machen: US-Präsident Trump (wieder einmal im Verhandlungsmodus) kündigte ein „massives“ Handelsabkommen mit Japan an. Der Clou: Die befürchteten 30 Prozent Zölle auf Autos bleiben aus – es bleibt bei vergleichsweise moderaten 15 Prozent. Die Märkte atmeten auf, und die Autoaktien in Frankfurt sprangen förmlich an. BMW, Volkswagen & Co. schoben kräftig an – so geht Blaupause!

Hoffnung gibt es auch für Europa. Die Anleger setzen darauf, dass ein ähnlicher Deal zwischen USA und EU möglich ist. Ob Wunschdenken oder realistisches Szenario – das wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Doch allein die Vorstellung bringt frischen Wind an die Börse.

EZB und Fed: Alles bleibt (vorerst) ruhig

Auch geldpolitisch bleibt es – überraschend – entspannt. Die EZB belässt den Leitzins bei 2 Prozent, und Notenbankchefin Lagarde hält sich mit Prognosen betont zurück. Die Märkte rechnen weiter mit Zinssenkungen im Herbst, wenn die Inflation weiter abkühlt. In den USA könnte es ähnlich laufen – Jerome Powell wird zwar von Trump regelmäßig gerüffelt, bleibt aber standhaft. Vorerst jedenfalls.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Die jüngste Woche hat gezeigt: Wer heute an den Märkten unterwegs ist, braucht mehr als nur gute Nerven – nämlich ein Gespür für geopolitische Entwicklungen, wirtschaftliche Fundamentaldaten und ein feines Gespür für Zwischentöne.

Anleger sollten sich aber nicht blenden lassen: Die Volatilität ist gekommen, um zu bleiben. Gerade jetzt zahlt sich aus, wer langfristig denkt, gut diversifiziert ist – und bei aller Marktdynamik nicht vergisst: Auch in stürmischen Zeiten wachsen gute Unternehmen weiter. Man muss sie nur finden – die Baustein-Aktien.

In diesem Sinne, bleiben Sie weiter engagiert (an der Börse),
alle Daten der kommenden Handelswoche und Prognosen finden Sie in unserem Wirtschaftskalender.