Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt trauen der Euphorie in Asien nicht so recht. Am Freitag sah die Börsenwelt durch den kleinen Ausverkauf bei Lufthansa und Continental noch ziemlich düster aus. Auch gab es starke Kursverluste bei amerikanischen Halbleiteraktien. Das war insgesamt nicht die Mischung an Ereignissen, die darauf hindeutet, dass Anleger mit Nachdruck ins Risiko gehen. Die China-Rally könnte damit zu einer Eintagsfliege werden.

Dass Familien in China ab Anfang 2019 mehr von der Steuer absetzen können, kann sich bereits jetzt positiv im chinesischen Konsum niederschlagen, denn gekauft wird nicht bei Betrachtung des aktuellen, sondern des erwarteten Einkommens. Das gutiert die chinesische Börse mit Kurszuwächsen.

Mit einer Steuerreform gewinnt man allerdings keinen Handelskrieg. Die Spannungen mit den USA inklusive der negativen Effekte auf das Wachstum halten an. Der Konflikt, sofern nicht bald gelöst, könnte sogar die positiven Effekte aus der Steuerreform verpuffen lassen. Wenn die Amerikaner China als ein Land brandmarken, das Währungen manipuliert, käme es automatisch zu drastischen Sanktionen.

Dass der DAX bis zum Mittag fast alle Gewinne wieder abgegeben hat, zeigt auch, dass Anleger die Gefahren aus dem schwelenden Handelskrieg als größer erachten als mögliche positive Effekte aus der Steuerreform. Der Akteur im Handelskrieg sitzt in Washington, die Steuerreform Pekings ist nur eine Reaktion auf die jüngste wirtschaftliche Schwäche. Also wartet man jetzt auf die nächsten Schritte aus Washington.

Jochen Stanzl

Ein Beitrag von Jochen Stanzl

Er ist Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, Frankfurt. Davor war Jochen Stanzl über 15 Jahre bei der BoerseGo AG als Finanzmarktanalyst tätig und hat unter anderem die Portale GodmodeTrader, Jandaya und die Investment- und Analyseplattform Guidants mit aufgebaut und als erfolgreiche Kanäle in der deutschen Trading-Community etabliert. Sein analytischer Fokus liegt auf der Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse von Währungen, Rohstoffen, Anleihen und der weltweiten Aktienmärkte.

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Bildquellen: CMC Markets / Pressefoto Deutsche Börse AG

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