Wenn es um chinesische Aktien geht, hatten sich Anleger lange Zeit mit negativen Aspekten wie dem rückläufigen Wirtschaftswachstum sowie der Immobilienkrise beschäftigt. Auch wenn zuletzt mit dem Zoll- und Handelsstreit mit den USA ein Unsicherheitsfaktor hinzugekommen ist, hat sich spätestens seit DeepSeek etwas geändert.
DeepSeek sorgt für Umdenken
Das chinesische KI-Startup hatte Anlegern weltweit vor Augen geführt, dass überlegene Technologie auch aus China kommen kann. Nicht umsonst hatte Investor und a16z-Mitbegründer Marc Andreessen vom „Sputnik-Moment der KI” gesprochen. Diese Wortwahl bezieht sich auf den historischen Moment im Wettlauf ins All, als die UdSSR mit dem Satelliten Sputnik 1957 die amerikanische Dominanz erschütterte.
Darüber hinaus hatte die Mitte August von US-Präsident Donald Trump erlassene Verlängerung der Zollpause gegenüber China um 90 Tage beiden Ländern mehr Zeit eingeräumt, einen Deal im Handels- und Zollstreit zu erreichen. Bis es so weit ist zeigt sich die chinesische Wirtschaft trotz Zollrisiken weiterhin sehr robust. So lag das BIP-Wachstum im zweiten Quartal 2025 bei 5,2 Prozent und damit oberhalb der Konsensschätzungen von 5,1 Prozent. Gleichzeitig zeigen chinesische Unternehmen immer wieder, dass mit ihnen in Zukunft insbesondere in einigen Wachstumsbereichen zu rechnen ist.

Besonderer Fokus auf Zukunftsbranchen
An diesem Sonntag ist die IAA in München zu Ende gegangen. Einmal mehr wurde deutlich, wie sehr chinesische Hersteller gerade auf den Elektroautomarkt drängen. Dies wurde aber auch an den jüngsten Absatzstatistiken des europäischen Branchenverbandes ACEA deutlich. So hatte BYD (WKN: A0M4W9 / ISIN: CNE100000296) für den Monat Juli ein Absatzplus im Vorjahresvergleich um 206 Prozent in der EU erzielt. In den ersten sieben Monaten des Jahres liegt der Zuwachs sogar bei mehr als 250 Prozent.
Alibaba (WKN: A117ME / ISIN: US01609W1027) macht sich seinerseits in den Bereichen KI und Cloud breit. Zwar enttäuschte der E-Commerce-Riese zuletzt aufgrund des harten heimischen Wettbewerbs mit den Ergebnissen seiner Online-Handelsplätze, dafür konnte die Cloud-Sparte überzeugen. Im jüngsten Quartal erzielte die Sparte Cloud Intelligence Umsatzerlöse von 33,4 Mrd. Yuan (umgerechnet 4,0 Mrd. Euro) und übertraf damit deutlich die Konsensschätzungen der Analysten von 31,9 Mrd. Yuan. Dieser Erfolg wirkte sich umgehend auf die Stimmung im Markt aus.
Konzernchef Eddie Wu betonte, dass sich angesichts dieses Wachstums „historische Chancen” aufgetan hätten – Chancen, die Alibaba gezielt nutzen wolle, um langfristig zu wachsen. Diese „historischen Chancen” bieten sich allerdings nicht nur Alibaba. Vielmehr wird gerade der Tech-Sektor vonseiten der chinesischen Behörden gefördert. Dabei haben die Ausfuhrbeschränkungen vonseiten der USA in Bezug auf Hochleistungs-Chips von NVIDIA gezeigt, wie wichtig es für China ist, gerade hier eine eigene Versorgung sicherzustellen, um in High-Tech-Bereichen wie der Künstlichen Intelligenz nicht abgehängt zu werden oder gar führend zu sein.







