Kaum jemand lässt sich gerne Spritzen verpassen. Viele Patienten haben sogar eine panische Angst davor. Entsprechend arbeiten Novo Nordisk (WKN: A3EU6F / ISIN: DK0062498333) und Eli Lilly (WKN: 858560 / ISIN: US5324571083) mit Nachdruck daran, ihre bisher sehr erfolgreichen GLP1-Mittel zur Gewichtsabnahme auch in Pillenform bereitzustellen.
Eli Lilly glaubt an Überlegenheit
Beide Pharmakonzerne konnten in den vergangenen Tagen in dieser Hinsicht mit positiven News aufwarten. Bei den US-Amerikanern glaubt man, dass das eigene Mittel Orforglipron gegenüber den Novo-Nordisk-Konkurrenz überlegen ist.
Eli Lilly teilte mit, dass seine experimentelle Pille in der ersten direkten Vergleichsstudie zwischen den beiden Medikamenten bei Patienten mit Typ-2-Diabetes besser abschnitt als das orale Medikament semaglutide (Wegovy, Ozempic) von Novo Nordisk.
Laut Eli Lilly habe orforglipron in der entsprechenden Studie das Hauptziel erreicht sowie Novo Nordisks Pille sowohl bei der Senkung des Blutzuckerspiegels als auch bei der Gewichtsreduzierung geschlagen. Es bleibt aber fraglich, wie die Pille von Eli Lilly im Vergleich zu einer höheren Dosis von Semaglutid abgeschnitten hätte. Zumal es nicht so ist, als Novo Nordisk selbst keine Erfolgsmeldungen parat gehabt hätte.
Neue Marktchancen
Die Dänen hatten im Rahmen einer eigenen Studie vermeldet, dass die Wegovy-Pille nach 64 Wochen zu einer durchschnittlichen Gewichtsreduzierung von 16,6 Prozent geführt habe. Auf Unternehmensseite freute man sich, auf diese Weise in Bezug auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit gezeigt zu haben, dass die Pille der Einnahme des Medikaments in Spritzenform in nichts nachsteht.
Martin Holst Lange, Chief Scientific Officer bei Novo Nordisk, verwies auch deshalb auf die Marktchancen, die sich für Abnehmpillen ergeben würden „Derzeit erhalten weniger als 2 Prozent der Menschen mit Adipositas in den USA Medikamente gegen Adipositas, und Wegovy in Tablettenform könnte auch den Präferenzen der Patienten für eine orale Behandlung entgegenkommen.“
Erholungspotenzial bei Novo Nordisk
Anlegern dürften die jüngsten News nicht entgangen sein. Zumal viele inzwischen die Novo Nordisk-Aktie nach den Kursschwächen innerhalb des vergangenen Jahres unter Bewertungsgesichtspunkten attraktiv finden sollten. Dies ist ein Grund, warum Novo Nordisk bei Berenberg-Analystin Luisa Hector nun der bevorzugte Wert im Bereich Adipositas ist. Sie hat das Rating von „Hold” auf „Buy” geändert, während das Kursziel von 610,00 auf 425,00 Dänische Kronen sinkt.
Hector sagt, die Markterwartungen seien deutlich zurückgeschraubt worden, was zu einer „konstruktiveren Debatte” über die Wachstumsaussichten, Katalysatoren und Bewertung des Unternehmens führe. Bei Berenberg sieht man nun Potenzial für den neuen CEO von Novo Nordisk, positiv zu überraschen.
Im Hinblick auf Eli Lilly ist sie wiederum der Aussicht, dass der Aufschwungzyklus des Adipositas-Marktes seinen Höhepunkt erreicht habe, während die Erwartungen an Eli Lillys Franchise im Bereich Gewichtsreduktion hoch seien. Dies gelte auch für Orforglipron.
Diabetes bleibt ein Thema
Es ist schwierig einen Beginn des Booms rund um GLP1-Abnehmspritzen auszumachen. Novo Nordisk hatte seinerseits beispielsweise im Juni 2021 vonseiten der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Zulassung von Wegovy zur langfristigen Gewichtsreduzierung bei Erwachsenen mit Adipositas erhalten. In der Folge erlebte die Aktie einen unglaublichen Kursanstieg, der Novo Nordisk zeitweise zum wertvollsten Unternehmen Europas gemacht hatte.
Inzwischen sind sowohl die Aktienkurse als auch die Erwartungen stark zurückgekommen. Allerdings notiert die Aktie immer noch um rund 50 Prozent oberhalb des Niveaus vor Beginn des GLP1-Booms. Zumal der Insulin-Weltmarktführer darauf verweisen kann, dass das Thema Diabetes nicht aus der Welt verschwinden sollte, sondern traurigerweise in vielen Regionen der Welt eher einen Wachstumsmarkt darstellt.
Das marktEINBLICKE-Fazit
Nach den zwischenzeitlichen Übertreibungen scheinen die Erwartungen, aber auch der Aktienkurs im Hinblick auf Novo Nordisk auf ein gesünderes Maß gesunken zu sein, sodass sich die Dänen mit einer neuen Führung neben Einsparungen auch wieder stärker auf Wachstumsbereiche konzentrieren können. Neben GLP1-Pillen gehört dazu das Dauerthema Diabetes.

Als Alternative zu einem Direktinvestment in Novo Nordisk könnten Anleger einen Blick auf das Indexzertifikat auf den „Aktien für immer Index“ (WKN: DA0ABP / ISIN: DE000DA0ABP0) werfen. In diesem sind Aktien zu finden, sich über einen besonders langen Zeitraum bewährt haben und auch mit Blick auf einen langen Anlagehorizont das Potenzial mitbringen, positiv zu performen.









