Bildquelle: Pressefoto Aurelius

Den Münchner Finanzinvestor Aurelius (WKN: A0JK2A / ISIN: DE000A0JK2A8) begleite ich nun schon einige Jahre, als Aktionär und hier im Blog, und unterm Strich stehen nach rund sechs Jahren 425% Rendite oder durchschnittliche 31,5% pro Jahr. Damit konnte Aurelius überdurchschnittliche stark zulegen verglichen mit jährlichen Renditen zwischen 7% und 8%, die die Börse langfristig im Mittel abwirft.

Andererseits liegt der aktuelle Aktienkurs mit 40 Euro weit unter dem Jahres- und Allzeithoch, das im Frühjahr bei 65 Euro erreicht wurde. Zieht man die zwischenzeitliche Bruttodividende von 5 Euro ab, notiert der Kurs momentan exakt ein Drittel unterhalb des Dividenden bereinigten Höchstwertes von 60 Euro. Oder anders aufgedrückt: bis zum alten Höchststand hat der Kurs 50% Luft.

Nun ist es nicht besonders clever, eine Aktie nur deshalb zu kaufen, weil sie gefallen ist und ihr Kurs daher optisch billig(er) aussieht. Man sollte lieber herausfinden, ob die vermeintlichen 50% nur heiße Luft sind, oder doch wirkliches Potenzial. Wie gut, dass Aurelius heute seine aktuellen Geschäftszahlen inkl. einer aktualisierten Berechnung des NAV (Buchwerts) vorgelegt hat. Damit sollte sich doch etwas anfangen lassen bei der Meinungsbildung.

2017 | Was war…

2017 war ein Ausnahmejahr für Aurelius, genauer gesagt ein Rekordjahr. Erst gab es eine Short-Attacke, die den Kurs auf weit unter 40 Euro herunterprügelte, doch nachdem sich die meisten Vorwürfe als haltlos herausstellten, erholte sich der Aktienkurs in der Folge wieder und wurde Anfang diesen Jahres sogar auf neue Höchststände bei 65 Euro getrieben. Insbesondere die Unterstellung, die größten Beteiligungen von Aurelius wären wertlos und anstelle des ausgewiesenen hohen Buchwertes in der NAV-Berechnung drohten enorme Abschreibungen, konnte Aurelius auf die beste aller Möglichkeiten kontern: durch den Gewinn treibenden Verkauf besagter Tochterunternehmen.

Doch genau das ist das Problem im laufenden Jahr. Nachdem Aurelius 2017 eine Reihe von großen Exits vollziehen konnte, durchläuft man dies bezüglich in 2018 eine echte Durststrecke. Dem entsprechend sind die Anleger enttäuscht und viele haben die Geduld verloren, auf die nächsten lukrativen Deals zu warten. Gerade das könnte sich allerdings für Geduldige als Chance erweisen, denn Aurelius nimmt wieder Fahrt auf.

2018 | Was ist…

Im laufenden Jahr war Aurelius nicht etwa untätig. Allerdings kann man keinen Exit vermelden, dafür aber eine ganze Reihe interessanter Zukäufe (zur Meldung).

So hat Aurelius in den ersten neun Monaten 2018 zehn Unternehmen erworben, darunter drei Plattform-Investitionen: Ende Juli wurde der britische Multikanal-Home-Shopping-Anbieter Ideal Shopping Direct von Blackstone gekauft. Bereits im Februar 2018 wurde der weltweit tätige Multikanal-Buchhändler Bertram Books (vormals: Connect Books) in Großbritannien erworben. Im Laufe des vierten Quartals 2018 soll der Erwerb des Wasser- und Abwasserarmaturenherstellers VAG vollzogen werden. 

Des Weiteren wurden sieben Add-on-Akquisitionen, also Zukäufe zu bestehenden Plattform-Investitionen getätigt: Der Verpackungsmittelhersteller Solidus, eines der derzeit größten und erfolgreichsten Konzernunternehmen, konnte bereits Anfang des Jahres seine Aktivitäten in Südeuropa mit dem Kauf von Abelan Board Industrial, einem namhaften Produzenten von Verpackungslösungen aus Karton und Vollpappe, stärken. Im dritten Quartal wurde zudem Northern Paper Board, ein in Großbritannien ansässiger Hersteller von Verpackungsmaterialien aus Pappe, übernommen. Im Juli 2018 konnte die Scandinavian Cosmetics Group ihre Marktposition in Norwegen und Schweden durch Übernahme von Solis International Cosmetics AS und Alf Sörensen AB ausweiten. 

Die Aurelius-Tochter B+P Gerüstbau hat durch die Übernahme der Gustav Raetz oHG ihre Marktstellung in Süddeutschland verbessert. GHOTEL hotel & living hat im Februar 2018 zwei Hotels der Marke „nestor“ im Stuttgarter Raum und im April 2018 ein 4-Sterne-Hotel sowie die zugehörige Hotelimmobilie in Göttingen erworben. Ende Oktober 2018 hat GHOTEL hotel & living zudem drei Hotels in Düsseldorf, Gütersloh, Salzburg (Österreich) sowie das noch im Bau befindliche Hotel in Osnabrück, dessen Eröffnung für das Frühjahr 2019 vorgesehen ist, im Rahmen einer Add-on Akquisition von der Arcadia Hotelbetriebs GmbH übernommen.

Und im laufenden vierten Quartal erwarb die Aurelius-Tochter Calumet Wex die Mehrheit an Foto-Video Sauter (zur Meldung).

Üblicherweise übernimmt Aurelius Unternehmen aus Sondersituationen heraus, also aus der Insolvenz, einer Notlage oder als Abspaltung einer Randaktivität eines großen Konzerns. Damit einhergehend braucht Aurelius selten viel für die übernommenen Unternehmen bezahlen; nicht selten erhält man statt dessen sogar noch eine Mitgift auf den Weg (sog. Bargain Purchase), da der abgebende Konzern/Verkäufer froh ist, jemand Verantwortungsvollen gefunden zu haben, der die anstehende Sanierung inkl. Produktbereinigungen und ggf. Anpassung der Mitarbeiterstärke übernimmt. Diese werden nicht veröffentlicht, finden aber ihren Eingang in die GuV des Aurelius-Konzerns,

2019 | Was wird…

In einem Interview mit „Der Vorstandswoche“ kündigte Aurelius-CEO Dr. Dirk Markus an, im laufenden Jahr noch zwei bis drei Übernahmen tätigen zu wollen. Die erste, Foto Viedo Sauter, wurde prompt heute vermeldet. Interessanter für die Anleger ist aber eine andere Aussage, denn Dr. Markus verwiest darauf, dass eine ganze Reihe von Aurelius-Töchtern inzwischen den nötigen Reifegrad erreicht hätten, um veräußert zu werden. Entweder durch einen Börsengang oder durch einen „normalen“ Verkauf.

Aurelius übernimmt die neue Unternehmen und unterzieht sie einer Rosskur. Nachdem die neuen Töchter diese „Intensivstation“ verlassen haben, werden sie der neuen Ausrichtung entsprechend aufgepäppelt und auf einen soliden und Gewinn steigernden Wachstumspfad gebracht. Ist dies gelungen, befinden sich die Unternehmen in der dritten Phase, wo Aurelius aktiv auf Käufersuche geht. Und in 2019 dürfte etwas eine handvoll Unternehmen ins Schaufenster gestellt werden und das sind nicht nur kleine Beteiligungen. Unter anderem Solidus.

Ein heißer Kandidat für einen Verkaufsprozess könnte nunmehr Solidus sein. Das ist ein Hersteller von Vollpappe und bedruckten Kartonagen. Der Bereich Vollpappe bedient in erster Linie Kunden aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Die schwereren, bedruckten Kartonagen finden hauptsächlich als Bucheinbände sowie bei Puzzle-Spielen und Displays Verwendung. Das Geschäft entwickelt sich ordentlich.

„Wir haben Solidus im Jahr 2015 mit einem EBITDA von über 12 Mio. Euro gekauft. Für 2018 liegen die Erwartungen bei einem EBITDA von ca. 40 Mio. Euro. Das Potenzial könnte sich 2019 auf bis zu 60 Mio. Euro EBTIDA belaufen“, sagt Markus gegenüber der „Vorstandswoche“.

„Die Vorstandswoche“ spekuliert daher auf einen Verkaufserlös bei Solidus von rund 300 Mio. Euro, was deutlich über dem bisherigen Rekord von Getronics (200 Mio. Euro) liegen würde. Und auch Scandinavian Cosmetics Group könnte ein Exit-Kandidat sein, der bis zu 100 Mio. Euro einspielen könnte. Bei HanseYachts wird auch schon länger über einen Exit gemunkelt, denn das Unternehmen ist für Aurelius-Verhältnisse schon ziemlich lange im Portfolio. Weitere Exit-Kandidaten könnten auch GHotel oder Callumed sein…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter…

KissigEin Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Michael C. Kissig / Pressefoto Aurelius

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