Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Inzwischen ist es keine Vermutung mehr, sondern Realität: Das Wirtschaftswachstum ist massiv rückläufig. Was aber bedeutet das für den Dax?

Charttechnisch sind beim Dax schon alle Dämme gebrochen. Im Big Picture ist das mit bloßem Auge zu erkennen. Auf Jahressicht ist der Dax gut 15 % im Minus. Das tut weh. Den Allzeithochs hinterherzutrauen bringt aber wenig. Vielmehr sollte man sich nun mit der Frage befassen, was als nächstes kommt.

Historisch gesehen ging es dem Dax nur selten schlechter. Die Bärenmärkte zur Jahrhundertwende und 2008/09 sind natürlich eine Ausnahme. Geht es jedoch um Korrekturen, befindet sich der Dax schon wieder auf einem Niveau, das in der Vergangenheit attraktiv war.

Ein Verlust von 20 % auf Jahressicht markierte in der Vergangenheit Umkehrpunkte. Für den Dax bedeutet das einen Wert von knapp 11.000 Punkte Anfang 2019, um genau das zu erfüllen. Viel abwärts muss es also gar nicht mehr gehen. Die Downside scheint begrenzt.

Eine solche technische Betrachtung ist freilich nicht alles. Vielmehr geht es ja darum, dass sich die Wirtschaft abkühlt und Deutschland sogar eine Rezession droht. Das ist mehr als nur eine einfache Korrektur, die am nächsten Montag wieder vorbei ist.

Auch hier liefert die Historie wichtige Hinweise. Die offiziellen Daten zum Wachstum im dritten Quartal sind noch nicht veröffentlicht. Es sieht aber nach einem negativen Wert von 0,3 % aus. Diese Schätzung ist in Grafik 2 verarbeitet. Das Quartalswachstum ist also mit 0,3 % negativ und das Wachstum gegenüber dem Vorjahr sinkt auf 1 %.

Der Dax tendiert dazu, solche Entwicklung früher abzubilden. Er läuft der wirtschaftlichen Entwicklung voraus. So lag die Jahresperformance bereits Anfang 2008 im negativen Bereich, obwohl die Wirtschaft noch wuchs.

Ebenso nahm der Dax die Abkühlung 2011 vorweg. Die Angst vor einem Abschwung im Jahr 2015 wurde ebenfalls vorweggenommen. Es kam am Ende allerdings weniger schlimm als befürchtet.

Jetzt ist es wieder soweit. Die Gretchenfrage ist natürlich, wie weit sich das Wachstum abschwächt. Persönlich gehe ich nicht davon aus, dass es schlimmer wird als 2011/12 oder Mitte der 90er Jahre. Das bedeutet, dass ein milder Abschwung bereits komplett eingepreist ist.

Wer also nicht von einer richtig schmerzhaften Rezession ausgeht, für den sind das inzwischen schon wieder Kaufkurse. Am Ende hängt alles an China und den USA. Bei China gehe ich davon aus, dass die Regierung einen deutlichen Abschwung nicht lange tatenlos zusehen wird und spätestens 2019 gegensteuert.

Entsprechend sollte das schlimmste auch beim Dax bereits vorbei sein. Die Kurse dürften sich noch längere Zeit volatil zeigen. Solange es keinen Hinweis auf eine Trendumkehr beim Wachstum gibt, der sich durch Daten belegen lässt, tendiert der Dax zu ausgeprägter Volatilität.

Eine nachhaltige Trendwende nach oben hat historisch gesehen auch nur dann stattgefunden, wenn sich der Wachstumstrend wieder ins Positive kehrt. Das ist derzeit noch nicht erkennbar. Für den Dax gilt daher aus fundamentaler Sicht vorerst eine Tradingrange von ±10 %.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei