SAP hat andere Sorgen als die EU-Kommission

Europas größter Softwarekonzern SAP ist kein Alphabet oder Meta, dürfte sich aber auch nicht von den europäischen Wettbewerbshütern aus der Bahn werfen lassen.

(Bildquelle: Pressefoto © SAP AG / Stephan Daub)

Die EU-Kommission hat nicht nur US-Konzerne wie Apple, Alphabet oder die Facebook-Muttergesellschaft Meta Platforms hinsichtlich Wettbewerb sowie Datenschutzbestimmungen im Blick. Nun hat man sich SAP (WKN: 716460 / ISIN: DE0007164600) vorgenommen.

SAP verweist auf Branchenstandards

Vonseiten der europäischen Wettbewerbshüter werden im Rahmen einer vorläufigen Untersuchung die Geschäftspraktiken sowie einige Vertragsklauseln des Walldorfer Softwarekonzerns im Bereich Wartung und Support rund um seine Softwareinstallationen angemahnt.

Kunden hätten auf diese Weise weniger Auswahlmöglichkeiten und ihnen würden höhere Kosten entstehen. SAP argumentiert in einer Stellungnahme seinerseits, dass es sich dabei um Klauseln handeln würde, die auf langjährigen Branchenstandards basieren würden und weltweit in der Softwareindustrie üblich seien.

SAP ist der Ansicht, dass die eigenen Richtlinien und Maßnahmen vollständig mit den Wettbewerbsregeln im Einklang stehen. Man nimmt die Bedenken der Kommission ernst und will eng mit ihr zusammenarbeiten, um eine Lösung zu finden, materielle Auswirkungen auf die Finanzergebnisse werden jedoch nicht erwartet. ​

Keine große Sache?

Auch wenn sich die Nachrichten rund die Einleitung eines förmliches Verfahren gegen das Unternehmen vonseiten der Europäischen Kommission überschlagen hatten, verlor die SAP-Aktie am Tag der Bekanntgabe dieser Tatsache in der Spitze 2,6 Prozent an Wert und schloss an einem insgesamt schwachen Börsentag lediglich 1,2 Prozent im Minus.

Offenbar sehen Börsianer keine allzu großen Auswirkungen auf die Geschäfte bei SAP. So bestätigte UBS-Analyst Michael Briest in einer ersten Reaktion im Fall der SAP-Aktie das „Buy“-Rating und das Kursziel von 300,00 Euro. Auf diese Weise würde sich aktuell ein Kurspotenzial von rund 35 Prozent ergeben.

Der Experte verweist darauf, dass die Behörde dabei auf das Verbot des Missbrauchs einer dominierenden Marktposition verwiesen habe. In diesem Zusammenhang sei Google jüngst zu einer Strafzahlung von knapp 3 Mrd. Euro verurteilt worden. Er verweist aber auch darauf, dass SAP im Vorfeld der Quartalszahlen nicht erwarten würde, dass das Verfahren einen erheblichen Einfluss auf die Finanzkennziffern haben sollte.

SAP bleibt auf Wachstumskurs

Auch wenn SAP nicht ganz mit US-Tech-Riesen wie Alphabet oder Meta Platforms zu vergleichen ist, sollten auch die Geschäfte der Walldorfer alles in allem nicht durch Ermittlungen der EU-Kommission aus der Bahn geworfen werden können. Außerdem wird man sich auch in Europa irgendwann überlegen müssen, wie sehr man in einer rauer gewordenen Welt des geopolitischen Wettbewerbs sowie von Zöllen und Handelsbeschränkungen seine Vorzeigeunternehmen an ihrem Erfolg hindern möchte.

Wesentlich schwerer könnten im Fall von SAP wiederum andere Herausforderungen wiegen. Anleger zeigten sich zuletzt wenig erfreut, dass das Management im zweiten Halbjahr 2025 wieder kräftiger investiert, während die Geschäfte vom schwachen US-Dollar sowie den weltweiten Zoll- und Handelsstreitigkeiten negativ beeinflusst werden.

Dafür kann man auf einen anhaltenden Wachstumskurs verweisen. Der Current Cloud Backlog kletterte im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 18,1 Mrd. Euro. Währungsbereinigt lag das Plus sogar bei 28 Prozent. Die Clouderlöse stiegen um 24 bzw. währungsbereinigt um 28 Prozent, während das währungsbereinigte Betriebsergebnis um 35 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro verbessert werden konnte.

Das marktEINBLICKE-Fazit

Die Untersuchungen der EU-Kommission sind alles andere positiv für SAP, dürften die Walldorfer jedoch nicht aus der Bahn werfen. Schließlich konnte man zuletzt einen beeindruckenden Wachstumskurs hinlegen, während das Management irgendwann auch wieder die Investitionen zurückschrauben und den Fokus auf die Margen legen sollte.

Wer das Einzelaktien-Risiko bei SAP vermeiden und auf die positive Kursentwicklung eines ganzen Aktienkorbs von amerikanischen und europäischen Unternehmen setzen möchte, kann sich das Indexzertifikat (WKN: DA0AAT / ISIN: DE000DA0AAT4) auf den Titan 20 Index anschauen. In diesem Index sind 20 Unternehmen enthalten, die sich an der Börse in den vergangenen Jahren besonders stark entwickelt haben und die auch von den Analysten positiv bewertet werden.

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