Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Amerika hat gewählt. Ja gut, Hessen und Bayern auch, aber das war nun mal nicht ganz so spektakulär wie die Kongresswahlen in den USA, bei denen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 33 der 100 Mandate im Senat neu vergeben wurden. 100 übrigens deshalb, weil jeder der 50 Bundesstaaten zwei Senatoren nach Washington entsendet. Wobei die jeweilige Bevölkerungszahl keine Rolle spielt. Ein Bundesstaat, zwei Senatoren, basta. Im Repräsentantenhaus wird hingegen sehr wohl nach der Anzahl der Bevölkerung entschieden, bevölkerungsreiche Staaten wie Kalifornien oder Texas dürfen mehr, dünn besiedelte wie Alaska oder Delaware weniger Abgeordnete (mindestens jedoch einen) stellen. Und wer jetzt noch wissen möchte, nach welchen Kriterien die Einwohnerzahlen ermittelt werden – hierfür wird alle 10 Jahre eine Volkszählung durchgeführt, der bislang letzte Zensus fand 2010 statt. Der Kongress wird dagegen alle zwei Jahre gewählt, die Legislaturperiode im Repräsentantenhaus beträgt nämlich nur zwei, die im Senat hingegen sechs Jahre, womit auch klar wird, warum lediglich 33 Sitze zur Disposition standen. Das Ergebnis des diesjährigen Urnengang spiegelt dabei die Spaltung des US-amerikanischen Volkes wider: Während das Repräsentantenhaus nach acht Jahren erstmals wieder an die Demokraten ging, behielten die Republikaner im Senat die Mehrheit. Die „blaue Welle“ (= der Durchmarsch der Demokraten) blieb also aus, wobei die „rote Mauer“ der Grand Old Party auch nur bedingt hielt, was sich die Wähler und der Präsident davon versprochen hatten. Zumindest auf die Märkte wirkte sich die neue Pattsituation in Washington jedoch positiv aus:

Bärenmarkt

Denn die legten erst einmal richtig zu. Mit einem Plus von 2,1% eroberte der Dow Jones am Mittwoch mal eben so die 26.000er-Schwelle zurück, für den Nasdaq 100 ging es mit einem Satz +3,1% nach oben. Und für alle über die jeweiligen 200-Tage-Linien. Was genau so euphorisierend auf die Wall Street gewirkt haben mag, blieb dem DAX offenbar ein Rätsel, denn der hielt sich tendenziell eher zurück. Kam aber auf Wochensicht zunächst ebenfalls auf eine (minimal) positive Bilanz – von Montag bis Donnerstag legten die deutschen Blue Chips +0,1% zu. Das ist ein keineswegs berauschendes Ergebnis. Vergleichbar ungefähr mit dem 2:0 der Bayern gegen AEK Athen in der Champions League. Nach einem Startschuss für eine mögliche Jahresendrallye sieht das jedenfalls noch nicht aus. Dabei wäre die nach dem grottenschlechten Oktober gar nicht mal so ungewöhnlich, wie der geschätzte Kollege Hoffmann zuletzt am Mittwoch im SG Active Trading-Webinar darlegte. Allerdings werden wir darauf noch ein wenig warten müssen, denn zunächst sind die positiven Effekte wieder verpufft. Was auch an den Unternehmensmeldungen gelegen haben dürfte, denn da fand sich neben etwas Licht (Deutsche Telekom (WKN: 555750 / ISIN: DE0005557508), Siemens (WKN: 723610 / ISIN: DE0007236101)) auch viel Schatten. Bei ProSiebenSat.1 Media (WKN: PSM777 / ISIN: DE000PSM7770), im März erst aus dem DAX abgestiegen, wurde neben der Prognose auch gleich die Dividenden für 2018 gekürzt, was einen Ausverkauf inklusive neuem Sechs-Jahres-Tief nach sich zog. Kleiner Trost am Rande: Bei Covestro (WKN: 606214 / ISIN: DE0006062144) – für den Bayer-Ableger musste ProSiebenSat.1 damals den Platz im DAX räumen – läuft es auch nicht gerade rund. Ein Minus von 32,6% im laufenden Jahr, das klingt bislang noch nicht nach einer steilen Blue Chips-Karriere. Aber das betrifft im Börsenjahr auch andere; aktuell notieren nur 7 von 30 DAX-Werten oberhalb ihrer langfristigen Durchschnittslinien, der Index selbst steht fast 7% unterhalb des GD200. Erfolg sieht anders aus! Wie, das können wir vielleicht in der kommenden Woche beobachten…

PrimequantsEin Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants

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